05.04.1976

„Henry, wir müssen beten“

Ein Präsident der USA, der trank, weinte und Zwiespreche mit den Bildern seiner Vorgänger hielt: Richard Nixon. Ein Außenminister der USA, der Spaß daran fand: Henry Kissinger. Diese Schauerstory liest die Nation wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl in einem Buch der Watergate-Enthüller Woodward und Bernstein.
Der Präsident war verärgert, angewidert. Mißmutig setzte er seinen Namen unter das Dokument auf seinem Tisch, drehte sich dann um, starrte den Senator Barry Goldwater an und zischte: "Da haben Sie den verdammten Kugelschreiber, mit dem ich Jerry Fords Ernennung unterzeichnet habe."
Es war, im Herbst 1973, einer der vielen Höhepunkte jener Staatskrise, die unter der Sammelbezeichnung "Watergate" Amerika erschütterte: Spiro Agnew, der Vizepräsident, war gestolpert, weil er"s mit den Steuern nicht so genau genommen hatte. An seine Stelle sollte nun der biedere Parlamentarier Gerald Ford aus Grand Rapids, Michigan, treten.
Nixon hielt ihn, so "Time", "für unfähig, jemals die Präsidentschaft zu übernehmen". Aber das stand, damals jedenfalls, für ihn ohnehin nicht zur Debatte. Daß Richard Nixon selbst über Watergate fallen, daß der von ihm geschmähte Gerald Ford nicht einmal ein Jahr später ins Weiße Haus einziehen würde, das ahnten zu diesem Zeitpunkt nur wenige.
Doch am 2. August 1974, dem 777. Tag des Watergate-Dramas, erfuhr derselbe Gerald Ford von Hugh Scott, dem republikanischen Fraktionsführer im Senat: "Sie sind das einzige, was wir noch haben -- und ich meine das Land, nicht die Partei." Beide hatten Tränen in den Augen. Eine Woche später wurde Gerald Ford vereidigt, als 38. Präsident, als erster nicht gewählter Staatschef der USA.
Mit dem Amtsantritt des allseits geachteten, weil honorigen Übergangspräsidenten, der eigentlich nie mehr als Sprecher des Repräsentantenhauses hatte werden wollen, schien eine neue Epoche begonnen zu haben. Fern waren auf einmal die Schrecken der Watergate-Vergangenheit. Als Ford -- eine seiner ersten Amtshandlungen -- den geächteten Vorgänger pauschal für alles begnadigte, was der je getan haben mochte, schien -- trotz eines ersten Sturms der Entrüstung -- das Kapitel Watergate abgeschlossen.
Doch seit einer Woche ist der Alptraum wieder da, erlebt Watergate Renaissance -- vier Jahre fast nach dem Einbruch ins Watergate-Hauptquartier der Demokraten, zwei Jahre fast nach Richard Nixons Rücktritt, sieben Monate nur vor der nächsten Präsidentenwahl. Ein Film und ein Buch, beide aus der Quelle der Watergate-Enthüller Bob Woodward und Carl Bernstein, sind schuld daran.
Der Film "All the President's Men", am vorigen Sonntag im Washingtoner Kennedy Center uraufgeführt (mit Robert Redford und Dustin Hoffman in den Hauptrollen), läuft ab Mittwoch in 200 Kinos überall in den USA über die Leinwand -- für Millionen Amerikaner eine schmerzhafte Erinnerung nicht nur an die Umstände, denen Gerald Ford sein Amt verdankt. "Dieser Film", prophezeite Bostons demokratischer Bürgermeister Kevin White nach einer Vorab-Vorführung, "wird Auswirkungen auf die Wahlen haben."
Und dann erst das Buch, 476 Seiten stark, Titel: "Die letzten Tage" ("The Final Days")*. Es ist erst ein paar Tage auf dem Markt, aber heute schon gilt es als der Bestseller des (Wahl-)Jahres: Eine genaue Chronologie des langsamen Endes eines Präsidenten, die pralle Beschreibung einer schier endlosen Kette von Einbrüchen, Lügen, Erpressungen -- so dramatisch, daß das Nachrichtenmagazin "Newsweek" mit seiner 43jährigen Tradition brach, niemals Buchauszüge zu drucken.
Mindestens ein halbes Dutzend Autoren hatten sich zwar schon im vorigen Jahr daran versucht, "die letzten Tage" Richard Nixons nachzuzeichnen, hatten zum Teil auch treffend das Bild eines Mannes skizziert, der im letzten Stadium krank, seiner Sinne kaum noch mächtig, das Land an den Abgrund führte -- eine Zeitbombe, die gerade noch rechtzeitig entschärft werden konnte (SPIEGEL 26/1975).
Doch das Buch von Woodward und Bernstein (Branchenkürzel: "Woodstein") sticht sie alle aus -- so wie die beiden auch in den langen Monaten des Watergate-Dramas der Konkurrenz stets einen Schritt voraus gewesen waren.
Über ein Jahr lang interviewten sie 394 Personen, manche über Dutzende von Stunden, einen Informanten sogar 17mal. Viele kamen freiwillig, boten ihr Wissen an, bei anderen bohrten sie
* Bob Woodward, Carl Bernstein: "The Final Days"; Simon and Schuster, New York; 476 Saiten; 10,95 Dollar.
wieder und wieder, zuweilen -- wie bei Nixon selbst am Ende vergebens.
Das Ergebnis ist ein Spiegelbild des wahren Washington der düstersten Watergate-Tage. Da wird Richard Nixon wieder lebendig, der gehetzte, kaum noch zurechnungsfähige, zunehmend dem Alkohol verfallene Präsident, der nachts durch die Gänge des Weißen Hauses schlurft und Zwiegespräche mit den Bildern früherer Präsidenten hält, der oft erst mittags verkatert ins Oval Office kommt. "Hat er nicht mehr alle Tassen im Schrank?" fragt, nach einem Abendessen im Weißen Haus, Senator Goldwater den Nixon-Mitarbeiter Bryce Harlow. "Nein", entgegnet der, "er war betrunken."
Düster spricht Nixon von Selbstmord, klagt gegenüber seinem Stabschef Alexander Haig: "Ihr Militärs habt es einfacher ... da läßt einfach jemand eine Pistole im Schreibtisch liegen. Ich aber habe keine" -- worauf Haig die Ärzte des Präsidenten anweist, ihm alle Schlafmittel und Beruhigungspillen zu entziehen. Sein Schwiegervater, so fürchtet David Eisenhower, Ehemann der Nixon-Tochter Julie. könne "durchdrehen", er werde "das Weiße Haus nie lebend verlassen".
Auch Ehefrau Patricia ("Pat") Nixon beginnt zu trinken. Mehrmals wird sie vom Personal überrascht, wie sie sich nachmittags aus den Schnapsvorräten des Weißen Hauses einschenkt -- und dann versucht, das Glas zu verstecken. Oft bleibt sie den ganzen Tag in ihrem Schlafzimmer, läßt das Essen unberührt wieder abtragen. Und wenn sie wirklich einmal gemeinsam mit ihrem Mann speist, dann starren sie sich nur an, drängt sie das Dienstpersonal in der Küche auf höchste Eile: "Eine Minute ist eine lange Zeit, wenn man nicht redet."
Da sind auch Bob Haldeman und John Ehrlichman, die skrupellosen Macher im Vorzimmer der Macht, laut Nixon "zwei der besten Beamten, die ich je kennengelernt habe", plötzlich wieder greifbar: Bis zum letzten Augenblick der Nixon-Präsidentschaft betteln, flehen sie zunächst um eine Amnestie durch ihren früheren Chef, drohen dann unverhohlen, sie würden Nixon sonst ins Gefängnis bringen -- vergebens.
Oder Ron Ziegler, der tumbe, getreue Presse-Paladin seines Herrn, der in seinem eigenen Ressort selbst gern Präsident spielt, seine Sekretärinnen tyrannisiert, darauf beharrt, seinen Kaffee aus dem gleichen Service zu trinken, das auch der Präsident benutzt, seinen Scotch nur anrührt, wenn er in einem Glas serviert wird, das mit dem Siegel des Präsidenten geschmückt ist.
Oder Pat Buchanan, einer der Ghostwriter Nixons, der schallend lacht, wenn er nachahmt, wie der Präsident gemeinsam mit seiner Sekretärin Rose Mary Woods "versehentlich" und mit geschlossenen Augen 18S Minuten auf einem belastenden Tonband löscht: "O mein Gott, Rose, jemand hat das Gerät laufen lassen."
Vor allem aber ist da Nixons Sicherheitsberater und späterer Außenminister Henry Kissinger. Von ihm zeichnen die beiden Autoren -- und das allein schon macht das Buch zur hochaktuellen Wahlkampf-Lektüre -- "das wohl vernichtendste Einzelporträt" ("The Washington Post").
Er ist der menschliche Schurke des Dramas, ein machthungriger, arroganter Zyniker, der seinen Dienstherrn verachtet, ihn vor Untergebenen als "Schwachkopf" bezeichnet, ihn als Bedrohung der amerikanischen Außenpolitik, seiner Außenpolitik, empfindet: "Wenn es nach ihm ginge, hätten wir jede Woche einen Atomkrieg" -- der dem Präsidenten selbst aber, sitzt er ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüber, nur schmeichelt, ihn lobt, hofiert.
Den General Haig hänselt er, die Militärs seien "dumme, einfältige Tiere". Haldeman und Ehrlichman, die es anfangs wagen, auch ihn auf Distanz zu Nixon zu halten, nennt er "Idioten" und "Nazis". Was sei das für ein Mann, so fragt er, der sich mit solchen "Dummköpfen" umgebe?
"Haldeman und Ehrlichman aber andererseits", so berichten Woodward/ Bernstein, "machten sich offen über Kissinger lustig, halb im Scherz unterstellte Ehrlichman dem Professor, er sei "schwul', er fragte Mitarbeiter Kissingers, ob der geschiedene Junggeselle denn überhaupt wisse, was er auf einer Cocktailparty in Georgetown mit einem Mädchen anfangen solle. "Waren denn auch ein paar Jungs für Henry auf der Party?' fragte Ehrlichman einmal und lachte selbst am lautesten über seinen Witz."
Hinweise auf vermeintliche Homosexualität waren überhaupt die Regel im Weißen Haus. So schimpfte Kissinger einmal einen Kollegen einen "psychopathischen Homosexuellen", und Haig scherzte, der Präsident treibe es mit seinem Freund Bebe Rebozo.
Kissingers Mitarbeiter, die bei ihrem Chef dieselben schlechten Eigenschaften feststellten, die er Nixon vorwarf -- auch Kissinger wirkte oft irrational, unsicher, besessen --, mochten anfangs nicht glauben, was ihnen da über den Präsidenten, das "zweitklassige Gehirn" im Weißen Haus, in aller Offenheit erzählt wurde,
Sie hielten es für intellektuellen Hochmut, wenn Kissinger seinem Mitarbeiter John Cort eine für den Präsidenten bestimmte Ausarbeitung über die Nato mit der höhnischen Order zurückgab, das Papier zu vereinfachen: "Schreiben Sie für Nixon nie etwas, das komplizierter ist als ein Reader's-Digest-Artikel."
Doch bald gab es schriftliche Beweise -- so, als Nixon an den Rand eines Informationsberichts über den Besuch südostasiatischer Politiker in China schrieb: "Bombardieren" (bomb them), oder als er auf einem Positionspapier. in dem verschiedene Alternativen der amerikanischen Koreapolitik aufgezeigt wurden, gleich alle auf einmal ankreuzte. Da glaubte man denn auch, daß er während eines Gesprächs mit Indiens Indira Gandhi nicht wußte, wo Bengalen lag.
Vor allem aber: Schon bald nach Kissingers Amtsantritt im Weißen Haus konnten seine Mitarbeiter mithören und nachlesen, was der Präsident von sich gab.
Denn auch Henry Kissinger verfügte -- das ist möglicherweise die folgenschwerste Enthüllung von Woodward und Bernstein -- über sein eigenes, kompliziertes Abhörsystem.
Zunächst war an Kissingers Telephon nur ein einziges IBM-Gerät angeschlossen, das automatisch ansprang. sobald der Telephonhörer aufgenommen wurde. Später wurde das System derart vervollkommnet, daß stets mehrere Geräte zugleich in Aktion traten.
Außerdem waren im Kissinger-Büro gleich acht Telephone in jener Leitung kurzgeschaltet. die Kissinger direkt mit dem Präsidenten verband. So hatte nicht nur Kissingers damaliger Vertreter Alexander Haig die Möglichkeit, alle Unterhaltungen seines Chefs mit Nixon mitzuhören. Zur selben Zeit hing zumindest auch eine der vier Vorzimmer-Damen Kissingers in der Leitung. Sie hörten zum Beispiel mit, wie ein offensichtlich betrunkener Nixon seinem Sicherheitsberater Kissinger empfahl, sich doch die Vietnam-Vorstellungen Bebe Rebozos zu eigen zu machen -- woraufhin Haig den Präsidenten eine Zeitlang nur noch "unser betrunkener Freund" nannte.
Kissinger-Mitarbeiter waren auch Ohrenzeugen, als Nixon die Zahl der amerikanischen Gefallenen in einer größeren Vietnam-Schlacht mit den abfälligen Worten kommentierte: "Scheiß drauf" ("Oh, screw 'em).
Die Niederschriften seiner Telephongespräche -- nur die persönlichen Telephonate mit seiner späteren Frau Nancy wurden nicht aufgeschrieben -- waren Kissinger so wichtig, daß er sie zusammen mit anderen Dokumenten sogar eine Zeitlang auf dem Landsitz Pocantico Hill seines Freundes Nelson Rockefeller auslagerte -- aus Angst, daß Haldeman und Ehrlichman versuchen könnten, sie ihm zu stehlen. Erst als er darauf hingewiesen wurde, daß es gesetzwidrig sei, Geheimdokumente außerhalb von Regierungsgebäuden zu lagern, ließ Kissinger die Akten wieder ins Weiße Haus zurückschaffen.
Ebenso sorgfältig wie auf seine Akten achtete Kissinger aber auch darauf, daß seine Ausfälle gegen den Präsidenten diesem nie zu Ohren kamen. Und je steiler es mit Nixon bergab ging, desto heftiger klammerte der sich an seinen vermeintlich so loyalen Sicherheitsberater. Woodward/Bernstein: "Nicht mehr er brauche Nixon, erklärte Kissinger seinen Mitarbeitern, jetzt brauche Nixon ihn."
Der Professor nutzte die Gunst der Stunde: Er verlangte vom Präsidenten auch noch das Außenministerium, um -- wie er seinen Vertrauten erläuterte -- zu verhindern, daß Nixon die Außenpolitik als Waffe in seinem Überlebenskampf einsetzte.
Nixon willigte ein, doch der glücklose Außenminister William Rogers, längst schon vom Präsidentenberater Kissinger an die Wand gespielt, wollte seinen Platz nicht räumen: "Schon gar nicht für Kissinger."
Der erhöhte seinen Einsatz. Wenn er das State Department nicht bekomme, drohte er dem Präsidenten, werde er auch als Berater den Dienst quittieren. Dann aber wäre Nixon noch mehr geschwächt worden -- und so wies er, selbst zu ängstlich, mit seinem alten Freund Rogers zu reden, Alexander Haig an, den Außenminister zum Rücktritt aufzufordern.
Doch Rogers dachte nicht daran, die Botschaft von einem Subalternen entgegenzunehmen. "Sagen Sie dem Präsidenten, er könne mich am Arsch lecken", fuhr der sonst so vornehme Minister laut Woodward/Bernstein den General an. Erst als ihm klar wurde, daß Nixon ihm unter keinen Umständen persönlich kündigen würde, gab Rogers nach und machte Platz für Henry Kissinger, den nunmehr endgültig mächtigsten Mann der Administration.
Diesen Kissinger läßt Nixon in seiner schwersten Stunde, am Abend des 7. August 1974, als Trostspender zu sich kommen. Er hat sich zum Rücktritt durchgerungen, jetzt will er, einen Drink in der Hand, die Stimme brüchig, vom Alkohol verzerrt, Tränen in den Augen, wissen: "Wird die Geschichte mich besser behandeln, als es meine Zeitgenossen tun?"
Gewiß, beschwichtigt Kissinger. Doch Nixon forscht weiter: Was habe er eigentlich dem Land, dem Volk Böses getan? Dann, plötzlich: "Henry, Sie sind kein sehr orthodoxer Jude, ich bin kein sehr orthodoxer Quäker, aber wir müssen beten."
Dann kniet er nieder -- Kissinger folgt zögernd -- und beginnt zu beten. Aber es ist weniger ein Gebet als die stete Beteuerung seiner Unschuld. Und als Kissinger glaubt, die makabre Szene sei zu Ende, als er sich erheben will. trommelt der Präsident mit den Fäusten auf den Teppich, weint, schluchzt: "Was habe ich getan, was ist geschehen?"
Erschöpft, betroffen, schockiert geht Kissinger in sein Büro zurück, wo wenig später das Telephon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ein betrunkener, unkontrollierter Richard Nixon: "Henry, bitte erzählen Sie niemals jemandem, daß ich geweint habe, daß ich nicht stark war."
Und: "Ich habe meine Entscheidung getroffen, aber Sie müssen im Amt bleiben. Sie müssen bleiben zum Wohle des Landes."
Zwei Tage später verließ ein gebrochener Richard Nixon das Weiße Haus, Kissinger aber blieb, mächtiger noch als zuvor, die große Stütze des in der Außenpolitik unerfahrenen Gerald Ford. Inzwischen ist er zur größten Wahlkampfbelastung des unter Beschuß von rechts geratenen Präsidenten geworden, und die Enthüllungen von Woodward und Bernstein könnten nun durchaus sein eigenes Watergate werden. Schon werden in Washington offen die Namen möglicher Kissinger-Nachfolger für das Außenministerium gehandelt.
Kissingers Reaktion auf die Enthüllungen war typisch Kissinger. Sein Abhörsystem, so ließ er erklären, sei auch dem Präsidenten bekannt gewesen. Die Gespräche seien mitgeschnitten worden, damit keine Anweisungen verlorengingen. Im übrigen enthalte das Buch "so viele Ungenauigkeiten und bedeutsame Unwahrheiten", daß sich jede Stellungnahme verbiete. Inzwischen nahm er dann doch Stellung: "Was heißt das -- Schwachkopf? Solche Wörter habe ich nie gebraucht." Und durch seinen Pressesprecher ließ er, ausgerechnet er, tadeln, die Veröffentlichungen offenbarten "einen schamlosen Mangel an Mitgefühl ... auf seiten der Autoren".
Auch Gerald Ford fand die Berichte über seinen Vorgänger "wirklich unfair und unpassend". Er habe Nixon niemals in einer Verfassung erlebt, "bei der ich dachte, er könnte irgend etwas tun, was das Land gefährden würde". Und dann fügte er hinzu: "Ich wünschte mir, es gäbe diese Art von Journalismus nicht."
Warum, das wurde bereits am vorletzten Wochenende deutlich, als die ersten Berichte über das neue Woodward/Bernstein-Buch gerade erschienen waren.
Als Gerald Ford auf Wahlkampf-Tournee in Kalifornien landete, dem Heimatstaat und Exil Richard Nixons, wurde er in Fresno bereits mit Spruchbändern begrüßt, die seine vermeintliche Komplicenschaft mit Nixon anprangerten: "Beg your pardon" -- in Anspielung auf Fords Generalpardon für Nixon -- und "Nixons Geist im Weißen Haus", die aber auch auf seine Fähigkeiten anspielten: "Ford -- das ist Nixons Rache."
Ein Ford-Mitarbeiter wiegelte zwar ab: "Wenigstens ist das Buch jetzt schon herausgekommen. Die Sache hat einige Monate Zeit, sich zu beruhigen, und wird (bis zur Wahl) vergessen sein.
Doch genau das, warnte "Time", "könnte sich als Wunschdenken erweisen", Watergate könnte möglicherweise auch noch einen zweiten Präsidenten fordern.

DER SPIEGEL 15/1976
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 15/1976
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

„Henry, wir müssen beten“

Video 02:10

Nach Vulkanausbruch auf White Island "Sie waren vollkommen mit Asche bedeckt"

  • Video "Wahlkampf in Großbritannien: Boris Johnson und der Kinohit" Video 01:41
    Wahlkampf in Großbritannien: Boris Johnson und der Kinohit
  • Video "Vor entscheidendem Champions-League-Spiel in Salzburg: Klopp ärgert sich über Dolmetscher" Video 00:51
    Vor entscheidendem Champions-League-Spiel in Salzburg: Klopp ärgert sich über Dolmetscher
  • Video "Expedition Antarktis: Größtes Segelschiff der Welt läuft aus" Video 01:27
    Expedition Antarktis: Größtes Segelschiff der Welt läuft aus
  • Video "Nahende Buschfeuer: Sydney versinkt im Rauch" Video 00:49
    Nahende Buschfeuer: Sydney versinkt im Rauch
  • Video "Finnlands neue Ministerpräsidentin: Denke nicht an Alter oder Geschlecht" Video 02:26
    Finnlands neue Ministerpräsidentin: "Denke nicht an Alter oder Geschlecht"
  • Video "Mögliches Impeachment gegen Trump: Er hat seinen Eid gebrochen" Video 01:43
    Mögliches Impeachment gegen Trump: "Er hat seinen Eid gebrochen"
  • Video "Neuseeland: Amateurvideo zeigt Rettung nach Vulkanausbruch" Video 01:47
    Neuseeland: Amateurvideo zeigt Rettung nach Vulkanausbruch
  • Video "Geschenke: So geht das mit dem Einpacken" Video 02:55
    Geschenke: So geht das mit dem Einpacken
  • Video "Tödliche Attacke auf Feuerwehrmann in Augsburg: Ermittler schildern Tathergang" Video 01:33
    Tödliche Attacke auf Feuerwehrmann in Augsburg: Ermittler schildern Tathergang
  • Video "Systemisches Doping: In weiten Teilen Etikettenschwindel" Video 02:51
    Systemisches Doping: "In weiten Teilen Etikettenschwindel"
  • Video "Brexit-Folgen: Wie die Eliteuni Cambridge jetzt schon leidet" Video 03:20
    Brexit-Folgen: Wie die Eliteuni Cambridge jetzt schon leidet
  • Video "Viktoriafälle in Simbabwe und Sambia: Es ist die längste Trockenzeit, die wir jemals hatten" Video 01:35
    Viktoriafälle in Simbabwe und Sambia: "Es ist die längste Trockenzeit, die wir jemals hatten"
  • Video "73-Jährige rennt von England bis Nepal: 10.000 Kilometer - allein und zu Fuß" Video 02:17
    73-Jährige rennt von England bis Nepal: 10.000 Kilometer - allein und zu Fuß
  • Video "Demokratiebewegung: Zehntausende gehen in Hongkong auf die Straße" Video 01:34
    Demokratiebewegung: Zehntausende gehen in Hongkong auf die Straße
  • Video "Nach Vulkanausbruch auf White Island: Sie waren vollkommen mit Asche bedeckt" Video 02:10
    Nach Vulkanausbruch auf White Island: "Sie waren vollkommen mit Asche bedeckt"