05.04.1976

PERSONALIENFiona Richmond, Karl Fred Zander, Ignatij Nowikow, Muawia Ibrahim, Georg Leber, Hussein König von Jordanien, Ferdinand Marcos

Fiona Richmond, 28, britische Nackt-Aktrice, die vor zwei Jahren für das Sex-Magazin "Men only" die Liebesgewohnheiten europäischer Männer in Einzeltests erforschte, ließ sich jetzt gleich mit der gesamten Elf des englischen Drittligisten Crystal Palace bei Wasserspielen ablichten (Photo). Angeregt hatte die Bade-Freuden der Manager des Clubs, Malcolm Allison, der Pressephotographen einlud und so das Interesse für seine Mannschaft anzuheizen hoffte, die das Semifinale im englischen Cup erreicht hatte. Allison hatte Pech: Bislang erhitzte die Bade-Szene nur die Gemüter der Kicker-Ehefrauen und Fußballverbandsfunktionäre. Sie drohten Allison Sanktionen an, weil das Photo der gemischten Wannen-Mannschaft "dem Ansehen des britischen Fußballs schade".
Karl Fred Zander, 41, Parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Gesundheitsministerium, will Drogenabhängigkeit mit der Nadel bekämpfen: in seiner Heimatstadt Frankfurt werden seit dieser Woche zwanzig suchtkranke Jugendliche von Akupunktur-Spezialisten behandelt. Zander, der für den Modellversuch 7000 Mark aus dem Etat seines Ministeriums freigemacht hat, ist zuversichtlich. Er hat Erfahrung: Vor vier Monaten hat sich der SPD-Politiker erfolgreich das Rauchen abgewöhnt -- mit Hilfe der Akupunktur.
Ignatij Nowikow, 69, stellvertretender sowjetischer Ministerpräsident und verantwortlich für Moskaus Olympia-Bauten, fand auch beim Münchner Leibschneider des Bundespräsidenten keine Lösung für seine Garderobenwünsche. Bei einem Besuch in der bayrischen Hauptstadt ließ der modebewußte Kreml-Mann die gesamte Stoffkollektion des High-Society-Couturiers Max Dietl nach einem passenden Anzug-Dessin durchforschen. Vergebens. Keiner der über tausend Stoffe sagte dem Sowjet-Bürger zu. Grund: Nowikow wollte unbedingt blau-weiße Nadelstreifen -- mit einem dezenten roten Faden. An diesem Faden-Wunsch scheiterte der deutsch-sowjetische Handel. Ein solches Dessin hatte noch kein Kunde von Dietl (Münchens "AZ" über Dietl: "Die Nobel-Nadel der Nation") verlangt, der Meister hatte es deshalb auch nicht auf Lager. So reiste der Russe enttäuscht und ohne Dietl-Anzug (Durchschnittspreis: 2000 Mark) wieder nach Moskau.
Muawia Ibrahim, 45, Botschafter des Sudan in Stockholm, wurde von der schwedischen Polizei in seinem Dienstwagen abgeschleppt (Photo) -- der Botschafter war blau. Die Besatzung eines Streifenwagens, die den in Schlangenlinien fahrenden Diplomaten gestoppt hatte, wurde von Ibrahim "mit den gröbsten Schimpfworten" bedacht, "deren die englische Sprache fähig ist" (Polizeibericht). Als auch Angebote, ihn nach Hause zu fahren, von dem Sudanesen abgelehnt wurden, nahmen ihn die Schweden kurzerhand auf den Haken.
Georg Leber, 55, Verteidigungsminister, bewahrte den Regierungssprecher Klaus Bölling während einer Kabinettssitzung mit Durchhalteparolen vorm Einnicken. Bölling hatte in der Nacht zuvor bis drei Uhr morgens an einer Kanzlerrede gearbeitet und mühte sich redlich, während des Regierungspalavers die Augen offenzuhalten. Leber sah es und schickte dem Redenschreiber einen Zettel mit aufmunternden Empfehlungen: "Wahlspruch der Nato: "Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit'." Und: "Soldatische Regel: "Der Soldat ist im Dienst, ißt oder schläft'."
Hussein, 40, König von Jordanien, zeigte sich in der Bucht von Manila beim Wasserski mit akrobatischen Einlagen (Photo l.). Philippinen-Präsident Ferdinand Marcos, 58 (r. Photo l.), hatte seinen Gast aus Nahost zur sportlichen Entspannung eingeladen -- allerdings mit politischem Hintergedanken: Der Filipino will prominente Moslems wie Hussein auf seine Seite ziehen, um zu verhindern, daß mohammedanische Aufständische im eigenen Land von den mächtigeren Glaubensbrüdern unterstützt werden.

DER SPIEGEL 15/1976
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