26.05.1975

PERSONALIENSusan Ford, Gerald Ford, Ann-Margret, Walter Scheel, Günther Guillaume, Günther Bantzer, Eckhard Sauerbaum, Wolfgang Hochheim, Nelson A. Rockefeller

Susan Ford, 17, Tochter des US-Präsidenten, nimmt in letzter Zeit an Pressekonferenzen ihres Vaters teil, um zu photographieren (r.). Die besten Aufnahmen möchte Susan in der Zeitung ihrer High-School als Beitrag für eine Schüler-Dokumentation über das Weiße Haus abdrucken lassen. Für die Schul-Arbeit ließ sich Gerald Ford, 61, von seiner Tochter während einer Fahrt mit der Präsidenten-Jacht "Sequoia" sogar mit einer Brille ablichten, die er bei offiziellen Anlässen fast immer in der Tasche läßt, weil er "Brillen einfach nicht mag".
Ann-Margret, 34, amerikanischer Film- und Nachtclub-Star schwedischer Abstammung, entschärfte ihre gemeinhin recht lockeren Tanzdarbietungen für einen Auftritt im Weißen Haus. Bei einem Gala-Dinner anläßlich des Staatsbesuches des iranischen Kaiserpaares tanzte die rothaarige Darstellerin im knappen, aber züchtigen Revuedress über das Parkett (Photo l. u.). "Sie zeigt hier eine andere Art von Tanz", entschuldigte ihr Manager-Ehemann Roger Smith, "sie hat viele verschiedene Versionen." Die erfolgreichste Version liegt neun Jahre zurück: Damals ließ die Künstlerin ein Photo, das sie als StripteaseTänzerin zeigte, zehntausendmal vervielfältigen. Die Aufnahmen ließ Ann-Margret an amerikanische Soldaten in Vietnam verschicken, um die Kampfmoral der GIs zu heben. Die dankbaren Kämpfer wählten die Tänzerin zur "Miss Pin-up".
Walter Scheel, 55, Bundespräsident, unterlag bei einem Besuch des "Jagdgeschwaders Richthofen" in Wittmund (Ostfriesland) "gewissen nostalgischen Gefühlen". Der ehemalige Luftwaffen-Oberleutnant und Nachtjäger (vier Abschüsse, das Eiserne Kreuz beider Klassen) reihte sich in den Shanty-Chor ein und sang, "weil die Stimmung so war. kräftig mit". Nach anschließendem "herzlich-offenem Gespräch" (Scheel) mit den Soldaten äußerte der Präsident Angemessenes ("Es gibt noch eine heile Bundeswehr-Welt~) und stiftete der Richthofen-Truppe 100 Liter Bier für den nächsten Kameradschaftsabend.
Günther Guillaume, 48, Kanzlerspion und Untersuchungshäftling in Köln-Ossendorf. bat in einem Hörerbrief an den Westdeutschen Rundfunk ("Seit sechs Monaten bin ich ein ständiger und begeisterter Hörer des Morgenmagazins") um "mehr Instrumentalmusik. Das wäre menschlicher gegenüber allen Morgenmuffeln". Eine andere Bitte des DDR-Agenten, der im neuen Klingelpütz als Beirats-Mitglied für den Anstaltsfunk zuständig ist. konnte schon erfüllt werden. Morgenmagazin-Redakteur Michael Franzke in seinem Antwortschreiben an Guillaume: "Ihrer Anregung, den Wetterbericht kommentarlos zu verlesen, sind wir -- wie Sie sicherlich gemerkt haben
inzwischen gefolgt."
Günther Bantzer, 53. Kieler SPD-Oberbürgermeister, reiste mit lokalen Honoratioren in die estnische Hauptstadt Tallinn (früher Reval). um dort die Ausstellung "Kiel stellt sich vor" zu begutachten. Bei einem Empfang, auf dem reichlich Wodka, Krimsekt und Cognac ausgeschenkt wurde, küßten sich schließlich die Oberhäupter beider Städte nach russischer Sitte und tauschten das brüderliche Du aus. Tallinns Stadtvater Kallion ließ sogar den Kieler Stadtpräsidenten Eckhard Sauerbaum, 37, nicht aus, obgleich dieser der CDU angehört, und versicherte sodann: "Günther und Eckhard sind meine echten Freunde." Christdemokrat Sauerbaum schwärmte seinerseits vom kommunistischen Kuß-Bruder Kallion: "Ein phantastischer Mann, mit dem kann man wunderbar zusammenarbeiten." Der dritte Kieler, CDU-Fraktionschef Wolfgang Hochheim, 46, der nicht geküßt worden war, mäkelte hingegen: "Diese Abknutscherei war widerlich. So kann man keine Probleme zwischen Ost und West lösen." Den Verdruß des ungeduzten Reisegefährten aus Schleswig-Holstein erläuterte Kiels Bantzer so: "Der Hochheim hat doch nur darauf gewartet."
Nelson A. Rockefeller, 66, Vize-Präsident der USA, will künftig die Nächte auf einem Kunstwerk verbringen: Für 35 000 Dollar erstand er den "Apparat zum Träumen", ein Doppelbett (Photo), das der 1941 in die Staaten emigrierte deutsche Surrealist Max Ernst entworfen hat. Die exklusive Liegestatt soll im Schlafzimmer des Rockefeller-Amtssitzes "Admiral's House" aufgestellt werden. Zu den Extras des Prunkbettes zählen eine Bettdecke aus Nerz, verborgene Fächer für Leselampen, Telephon und Stereoanlage sowie die Ernst-Lithographie "Der große Unwissende".

DER SPIEGEL 22/1975
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