26.05.1975

BERUFLICHESHeinz Losecaat van Nouhuys

Heinz Losecaat van Nouhuys, 45, Redaktionschef der Münchner "Quick". unterhielt nicht nur -- wie von ihm schon früher eingeräumt -- Beziehungen zum Ost- Berliner Staatssicherheitsdienst (SSD), sondern auch zum sowjetischen KGB. Das ergab eine Auswertung von Archivmaterial des Bundesnachrichtendienstes (BND), um die das Münchner Landgericht das zuständige Bonner Bundeskanzleramt gebeten hatte. Journalist van Nouhuys (sprich: Nauheus), gutdotierter Kämpfer gegen Bonns Sozialliberale, erklärte kürzlich als Zeuge in einem seit anderthalb Jahren währenden Prozeß "Quick" gegen "Stern" in München, er habe seine Ostkontakte in den fünfziger Jahren nur aus journalistischem Interesse geknüpft, nicht aber, wie der "Stern" behauptete -- als bezahlter SSD-Agent. Darüber, daß van Nouhuys bezahlt und unter dem SSD-Decknamen "Nante" geführt worden sei, ist auch dem BND "nichts bekannt".
Gerhard Boeden, 50, Leitender Regierungskriminaldirektor, soll die neugeschaffene Abteilung (Terrorismus) des Bundeskriminalamtes übernehmen, die ebenso wie die Abteilungen Staatsschutz und Personen- und Begleitschutz in Bonn-Bad Godesberg stationiert wird. Der gelernte Schriftsetzer hat sich nach dem Kriege vom Streifenpolizisten zu einem der führenden Kriminalbeamten hochgedient. Den deutschen Fernsehzuschauern wurde er bekannt. als er während der Großfahndung nach Andreas Baader und Ulrike Meinhof im Stile eines routinierten Nachrichtensprechers Fahndungshinweise gab. Boedens neue Abteilung soll 180 Mann stark werden; vorerst stehen ihr für die Terroristenbekämpfung sieben Millionen Mark zur Verfügung.
Karl Schnell, 58, stellvertretender Generalinspekteur der Bundeswehr, soll am 1. Oktober seinen vierten goldenen Stern erhalten und als Nachfolger von General Ernst Ferber das wichtige Nato-Kommando Europa-Mitte übernehmen. Schnell, ein passionierter Archäologe und Farbphotograph, hat sich bei den Verbündeten, vor allem den Amerikanern, bereits als stellvertretender Stabschef für Operationen des Nato-Hauptquartiers in Belgien einen Namen gemacht. Der Ex-Major der deutschen Wehrmacht studierte nach dem Krieg Betriebswirtschaft und Staatsrecht und erwarb mit 38 Jahren den Doktortitel. 1956 trat er in die Bundeswehr ein und machte im Stabsdienst und als Truppenführer schnell Karriere. Kommiß-Spitzname für den Kahlköpfigen: Yul Brynner. Nachfolger Schnells soll ein Luftwaffen-Offizier werden, der erst nach dem Krieg auf der Führungsakademie in Hamburg-Blankenese seine Weihen als Generalstabsoffizier erhielt: Generalleutnant Harald Wust, 54. Auch er ist ein Studierter (Sozialpädagogik): er gilt wegen seines guten Aussehens als "schönster General der Bundeswehr".

DER SPIEGEL 22/1975
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