21.04.1975

DDR-Reaktor auf Null

Das DDR-Kernkraftwerk Rheinsberg ist vermutlich auf lange Sicht für die Stromerzeugung ausgefallen. Nach Berichten von DDR-Besuchern mußte die Direktion des Atomreaktors kurz vor Ostern Katastrophenalarm auslösen. Die Reaktorabschirmung war brüchig geworden, und in den Röhren des Kühlsystems hatten sich Haarrisse gebildet -- Schäden. die bei allen Reaktoren der Welt gefürchtet werden. Bei diesen Verschleißerscheinungen besteht zumindest die Gefahr, daß radioaktives Kühlwasser austritt. Nach dem Alarm machte sich sofort ein 40 Mann starker Trupp von Spezialisten in Rheinsberg an die Arbeit. Die Monteure wurden dabei durch einen weiteren Alarmruf unterbrochen. Er kam aus dem Versuchsreaktor in Lubmin, ihrem eigenen Standort. Dort hatten sich zwei Brennelemente verklemmt. Den Spezialisten gelang es, diese Panne zu beheben. Auch in Rheinsberg wurde zwar eine Katastrophe verhindert; gleichwohl sind hier die Schäden so umfangreich, daß der Reaktor auf Null gefahren wurde und mithin für längere Zeit keinen Strom mehr liefern kann. Bereits eingetretene Folge: Der Stechlin-See, der zur Kühlung des Reaktors diente (und der erst vor kurzem einer breiteren Öffentlichkeit durch eine Fontane-Verfilmung des Fernsehens bekannt geworden ist), erreichte inzwischen wieder die nahezu normale Temperatur von sieben Grad; vorher war das Wasser auf 18 Grad aufgeheizt gewesen.

DER SPIEGEL 17/1975
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