21.04.1975

TENNISLauter Clowns

Amerikas bester Tennisspieler ist auch der unbeliebteste: Jim Connors. Landsleute nennen ihn „Verräter.“
Tennisspieler Jimmy Connors zückte das Scheckbuch. Flugs trug er die Summe ein: 53 600 Dollar. "Ich kaufe die 536 teuersten Plätze für meine Anhänger. verriet er dem Hotelmanager des Caesars Palace in Las Vegas. "Denn zuletzt saßen da in den ersten Reihen lauter Clowns. aber keiner, der was von Tennis versteht."
Die Hoteldirektion lehnte den Handel ab. Jimmy Connors 22, muß an diesem Wochenende gegen den australischen Profi-Weltmeister John Newcombe, 30. wiederum vor vermeintlichen Clowns, Spöttern und Zwischenrufern spielen. Der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten ist im eigenen Land, den USA, nicht beliebt. Als Connors vor elf Wochen in Las Vegas den Australier Rod Laver, 36, besiegte und dafür die Gewinnsumme von 100 000 Dollar plus 50 000 Dollar Fernsehhonorar kassierte, mußte die US-Daviscupmannschaft. nur 300 Kilometer entfernt in Palm Springs. ohne ihn gegen Mexiko antreten. Sie verlor und schied aus.
"Verräter", brüllten Zuschauer Cormors zu. Nach einem Mädchen, das mitten im Spiel aufschrie, warf Cormors sein Rakett und raunzte: "Halts Maul." Dennoch siegte er.
Nun geht es gegen Newcombe um 500 000 Dollar. Zusätzliche TV-Honorare, Werbegagen und Wettgelder bedeuten im Siegfall einen Gewinn von mehr als einer Million Mark -- das teuerste Match der Tennisgeschichte. In der Stadt, die bislang durch Tausende von "Einarmigen Banditen" (Spielautomaten) bekannt geworden ist, greift nun ein "beidarmiger Bandit". so "Sports Illustrated", nach der Kasse.
Schon als Dreijähriger hatte er zum Tennissehläger gegriffen. Erste Rivalen: Mutter und Großmutter. Bald fand Jimmy Connors ("Von klein auf bin ich in den Klauen von Weihern") zu Hause keinen gleichwertigen Gegner mehr; der Vater spielte nur Golf. Gloria Connors siedelte mit dem Junior nach Los Angeles um. Dort engagierte sie zwei ehemalige Daviscupstars, Pancho Segura und Pancho Gonzales, eigens als Trainer für Jimmy. Bereits 1973 war Connors, ein Linkshänder mit viel Kraft, aber auch hervorragender Technik, der beste US-Spieler.
Amerikas Gesellschaftsreporter entdeckten an dem Einzelgänger endlich auch eine publikumswirksame Seite: die Liebschaft mit der besten US-Spielerin Christine Marie Evert, 20. Auf dem Höhepunkt der Pressekampagne ("New York Times Magazin": "Der Kampf des Jahres") verlobten sie sich. Für Herbst 1974 wurde ein Hochzeitstermin genannt. Doch kurz zuvor trennten sie sich "Tennisspielen ist wichtiger als heiraten", erklärte Chris Evert, die 1974 ebenfalls mehr als eine halbe Million Mark eingespielt hat. Das Geschäft mit der Romanze war gemacht", mutmaßten Neider.
Connors kopierte Gestik und Fabulierlust des Boxweltmeisters Cassius Clay. "Es gibt nichts Schlechtes in meinem Leben", behauptete er. Als Journalisten ihn fragten. wer der beste Tennisspieler der Welt sei, antwortete Connors: "Wenn ihr sagt, daß ich der Beste sei, akzeptiere ich das." Connors schloß sich nicht einmal, wie die meisten Weltklassespieler, dem Tenniszirkus des Ölmillionärs Lamar Hunt oder einer anderen Profitruppe an. "Ich bin mein eigener Zirkus", schwadronierte er.
Tatsächlich besiegte er alle Rivalen bis auf einen: John Newcombe. Dreimal hatten sie früher gegeneinander gespielt, jedesmal gewann der Australier. Newcombe: "ich werde ihn auch ein viertes Mal besiegen." Connors erbost: "Gebt mir Newcombe, diesmal geht er auf allen vieren vom Platz."

DER SPIEGEL 17/1975
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