21.04.1975

PERSONALIENEdgar Meschkat, Susanne Schmidt, Richard Nixon, Werner Geben, Hans-Jürgen Jaeger, Hamm-Brücher, Shirley Temple Black

Edgar Meschkat, 55 (r.), SPD-Bürgermeister der Gemeinde Altenholz (7000 Einwohner) bei Kiel, soll, so beschloß sein Kreisvorstand am Donnerstag letzter Woche, freiwillig aus der Partei austreten. Meschkat, seit 28 Jahren Mitglied, hatte sich brieflich bei Franz Josef Strauß "für die unwürdige Bemerkung des Genossen MdB Herbert Wehner" entschuldigt, der den CSU-Boß im Bundestag "geistig einen Terroristen" genannt hatte. Vier Wochen später war Meschkat nach Rendsburg zu einer CDU-Wahlkampfveranstaltung geeilt, wo er sieh vor 7000 Zuschauern vom Gastredner Strauß die Hand schütteln ließ (Photo). Strauß zu Meschkat: "Mit Sozialdemokraten wie Ihnen kann man zusammen arbeiten." Daß Meschkat dann noch den Schimpfkanonaden des Bayern andächtig lauschte, empörte die Genossen vollends. Der Bürgermeister will dennoch in der Partei bleiben, "solange sie den Namen Kurt Schumachers verdient". Strauß hatte ihn wissen lassen: "Die SPD braucht mehr solcher Männer wie Sie und Leber."
Susanne Schmidt, 28, Tochter des Bundeskanzlers und Diplom-Volkswirtin, schreibt derzeit ihre Doktorarbeit über die Kapitalverkehrs-Kontrollen, mit denen Bonn 1972 vergeblich versucht hatte, die Dollarströme in die Bundesrepublik zu stoppen. Vater Schmidt hatte damals die dirigistischen Maßnahmen, die Anlaß für den Rücktritt von Wirtschaftsminister Karl Schiller gewesen waren, unterstützt. Die Währungskrisen des Jahres 1973, als dennoch Milliarden von Dollars in die Bundesrepublik flossen, zeigten dann jedoch, daß Schiller und nicht Schmidt recht gehabt hatte. Volkswärtin Susanne möchte nun unsachgemäßen Einfluß vermeiden und verweigerte dem Vater Einblick in die Manuskripte. Die Doktorandin zum Kanzler: "Vati, das verstehst du sowieso nicht. Du hast ja keine Ahnung, was ich da für ein theoretisches Zeug drumherum schreiben muß."
Richard Nixon, 62, Ex-Präsident der USA, hat, so ergaben es Forschungen englischer Genealogen, königliche Ahnen. Für ein Nachschlagewerk über die Abstammung amerikanischer Präsidentenfamilien (Titel: "Burke's Presidential Families of the United States of America") recherchierten die Stammbaumkundler, daß Richard Nixon mit König Eduard III. (1312 bis 1377), aber auch mit Königin Elizabeth II. verwandt ist.
Werner Geben, 35, evangelischer Geistlicher und -- chancenloser -- Kandidat der KPD für den am vergangenen Sonntag neugewählten Stuttgarter Stadtrat, erklärte den Stuttgartern per Zeitungsannonce auf schwäbisch. "worom i als Pfarrer fir d' KPD kandidier". Geber, laut Anzeigen-Text auch "Reh-Lehrer am Gottlieb-Daimler" (Zusatz: "emmer no"), befand. " Des ganz Sischtem ischt nex." Sozialismus. so ließ der Pfarrer wissen, sei besser Den ideologischen Begriff definierte er dabei recht unorthodox: "Sozialismus - des isch net des, was se en Rußland machet. Sozialismus des ischt ebes wia nach am Kriag, wo alle z"samma noglangt ond dr Karra wieder aus am Dreck zoga hent. Mr hett damals bloß vrhedera solla, daß dia oine wieder reich ond mächtig werdet -- uff Koschta von de andere."
Hans-Jürgen Jaeger, 44, FDP-Abgeordneter im Bayerischen Landtag, wollte der Bundestagspräsidentin Annemarie Renger einen "kollegialen Dienst" (Jaeger) erweisen: Nach Lektüre von Pressemeldungen, denen zufolge die Bonner Parlamentschefin seit langem vergeblich eine "typische Leichtlohnfrau" sucht, die bei gleicher Arbeit im gleichen Betrieb weniger verdient als ihre männlichen Kollegen (und der Frau Renger gegebenenfalls zu ihrem Recht verhelfen wollte), schlug Jaeger letzten Mittwoch brieflich eine bayrische Kandidatin vor: die FDP-Vizevorsitzende Hildegard Hamm-Brücher, 53, Begründung: Während die Fraktionsvorsitzenden der CSU (August Richard Lang) und SPD (Volkmar Gabert) im Bayerischen Landtag gemäß Geschäftsordnung monatlich über 4000 Mark kassieren, müsse sich die FDP-Sprecherin mit rund der Hälfte begnügen. Freidemokrat Jaeger beklagte auf diese Weise, daß seiner Partei, die hei der Landtagswahl statt der erforderlichen zehn nur acht Mandate errang, von der CSU noch immer der Fraktionsstatus verweigert wird, mithin Frau Hamm-Brücher auch formal keine Fraktionsvorsitzende sein kann.
Shirley Temple Black, 46, US-Botschafterin in Accra und ehemaliger Kinderfilmstar der dreißiger Jahre, will den Ghanaern ihre Hollywood-Vergangenheit vorenthalten. Die Diplomatin. die vor vier Monaten ihr Amt antrat und sich gern volksnah gibt (Photo), zeigt sich spröde, wenn sie auf ihre alten Filme angesprochen wird: "Ich sage dann immer, daß ich sie nicht habe und daß sie alle längst in der Rumpelkammer sind." Mehr Bewunderung als für ihre eigene Vergangenheit bringt Shirley Temple für die soziale Stellung der ghanaischen Frauen auf: "Die Frauen hier haben ein sehr freies Leben. Die Männer denken sich nichts dabei, wenn ihre Ehefrauen im Finanzministerium oder in einer Bank arbeiten oder einen Marktstand besitzen."

DER SPIEGEL 17/1975
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