09.12.1974

PERSONALIENFriedrich Karl Flick, Helmut Schmidt, Harold Wilson, Richard Stücklen, Katharina Focke, Bernhard Grzimek

Friedrich Karl Flick, 47 (Photo), Mercedes-Großaktionär, war der geheimnisvolle Auftraggeber für das aufwendigste Auto-Umbauprojekt, dem sich die württembergische Spezial-Firma Aufrecht und Melcher je ausgesetzt sah. Der Kleinbetrieb empfing von dem "betuchten Auftraggeber", dessen Name strikt geheimgehalten werden mußte und den auch das Auto-Journal "Motor Revue" nur als geheimnisvollen "Nobody" bezeichnen konnte, einen für 28 000 Mark aus Venezuela beschafften, 18 Jahre alten Flügeltüren-Sportwagen Mercedes-Benz 300 SL (Photo). Für den Umbau des von 1952 bis 1956 in nur 1400 Exemplaren (Neupreis: 29 000 Mark) gefertigten Autos, an dem sich auch die Herstellerfirma Daimler-Benz AG beteiligte, waren "strenge Orders selbst in Detailfragen" zu befolgen. Die Techniker tauschten zunächst den Sechszylinder-Motor (215 PS) des roten Coupés gegen einen auf 280 PS gesteigerten Achtzylinder-Mercedes-Motor von 4,5 Liter aus, um die Hauptbedingung des Bestellers zu erfüllen: Er müsse dem Porsche Carrera (210 PS) in der Höchstgeschwindigkeit überlegen sein. Gleichwohl mußte das 250 km/h schnelle Gefährt völlig zerlegt werden, um es dem modernen technischen Standard anzupassen und die übrigen Forderungen des Auftraggebers zu erfüllen. Alle Chromteile mußten schwarz mattiert, alle Mercedes-Embleme bis auf den Stern an Stirn und Radnaben getilgt werden. Überdies ließ der Auftraggeber Instrumente der S-Serie und Hosenträgergurte installieren; der Innenraum wurde mit schwarzem Velours ausgekleidet. Die Handarbeit, immer wieder wegen zeitraubender Einzelanfertigungen (Colorfenster, Heizscheibe, Räder) unterbrochen, währte rund ein Jahr. Obwohl der von Daimler-Benz geleistete Aufwand sogar für Eingeweihte "überhaupt nicht kalkulierbar" ist, schätzen Fachleute die Gesamtkosten für Deutschlands teuerstes rollendes Einzelstück auf knapp eine halbe. Million Mark.
Helmut Schmidt, 55, Bundeskanzler, führte bei einem Pressegespräch nach seiner Rede auf der Konferenz der Labour Party in London dem britischen Premierminister Harold Wilson, 58, abwechslungsreichen Tabakgenuß vor. Nachdem Schmidt während des Gesprächs vier verschiedene Pfeifen geraucht hatte, kramte er zum Abschluß eine Packung Schnupftabak aus der Hosentasche und nahm -- nicht ganz fachgerecht -- eine Prise (Photo). Der britische Regierungschef blieb von der Beschäftigung seines deutschen Amtskollegen unbeeindruckt: Er nuckelte während der ganzen Pressekonferenz nur an einer kalten Pfeife.
Richard Stücklen, 58, CSU-Landesgruppenchef in Bonn, derzeit mit den Fraktionskollegen Friedrich Zimmermann ("Old Schwurhand") und Rudolf Seiters auf Inspektionsreise durch Süd- und Südwestafrika, gab nach den ersten sechs Tagen vor deutschen Auslandskorrespondenten in seiner Suite im Johannesburger Prunkhotel "Carlton" erste Eindrücke wieder: "In diesem Kreis kann ich"s ja mal sagen: Die Schwarzen haben eine Ausdünstung -- das ist nicht gerade Chanel." Der Staatsgast aus Bayern hielt auch nichts von der Einführung des Stimmrechts auf der Basis "One Man, One Vote" für Schwarze in Südafrika, denn "die sind ja vor wenigen Jahren noch auf den Bäumen rumgeklettert". Nach der Heimkehr will das Unions-Trio "für Südafrika Reklame machen und den verzerrten Bildern in Presse und Fernsehen entgegenwirken" (Zimmermann). Denn, so pflichtete Stücklen bei: "Hier sieht man doch keine vergrämten Menschen, die mit dem Dolch rumlaufen, um Weiße umzulegen."
Katharina Focke, 52, SPD-Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, schwankte beim Familienpolitischen Kongreß der SPD-Frauen in Bremen vor der Bar des Hotels "Strandlust". ob sie die Trinkstube betreten sollte oder nicht. Der Empfangschef hatte der Ministerin, die mit einer Journalistin und deren achtjährigem Sohn "ein bißchen schwatzen" wollte, "wo es gemütlich ist", die am Spätnachmittag noch fast leere Bar empfohlen. Nichtraucherin Focke sah sich, bevor sie eintrat, nervös um:
"Wenn mich hier einer photographiert, dann heißt es, die deutsche Familienministerin raucht nicht nur -- obwohl ich seit Jahren nicht mehr rauche -, sie trinkt auch mit Kindern Schnaps." Von Lichtbildnern unbeachtet, nahm Frau Focke schließlich einen Sherry zu sich, der Knabe trank Cola.
Bernhard Grzimek, 65, Zoologie-Papst aus Frankfurt, nutzte einen Abstecher nach München, um den Lesern der "Abendzeitung" per interview das Gruseln beizubringen. Um den Geburtenüberschuß zu stoppen, forderte der Veterinär: "Steuern müßte es geben, für jedes Kind, das geboren wird." Auch die Völlerei kritisierte der einstige "Reichseierchef" sachkundig; "Warum müssen wir heute ein Vielfaches der Eier fressen, als unsere Großeltern gegessen haben?" Und als Grzimek schließlich auch auf den Menschen als proteinhaltiges Wesen gekommen war, prophezeite er gar: "Eines Tages, wenn wir die Bevölkerungsexplosion nicht in den Griff kriegen, werden sich wahrscheinlich auch die Menschen gegenseitig aufessen."

DER SPIEGEL 50/1974
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