19.08.1974

Die Macht der Möpse

Als menschgewordenes Weichteil mußte die Frau. um in der Wirbel- und Muskelwelt mitzumischen. sich erst mal Konturen durch Mieder verpassen lassen. Schnauzen- und nasenlos ortet sie über ihre gummierten BH-Körbchen die Richtung. aus welcher die Männer einfallen, um sich ihr, dein Mopsgeschöpf. zu unterwerfen.
Im "dressierten Mann" stellte vor drei Jahren Esther Vilar die Macht der Möpse über Intelligenz und Schönheit fest: In den athletischen Armen phantasievoller Kopfarbeiter forderte eine korsettierte Amöbe ihr Recht auf Schonung.
"Der dressierte Mann", als Bombe gegen die Feministen getarnt, platzte damals vorschriftsmäßig auf dem Boulevard. Die Anekdoten aus dem Bekanntenkreis der Esther Vilar, wo Frauen sich die Nägel lackieren können, weil Männer sich die Nägel schmutzig machen, wo Frauen aus der Ferne ihres Mittagsschläfchens von den Schweißausbrüchen ihrer Männer am Hochofen profitieren, wurden in einer Gesamtauflage von zwei Millionen in 21 Ländern gelesen.
Während im "Dressierten Mann" die Frau trotz ihrer Verkrüppelungen immerhin auf dem Bock saß und die Zügel hielt, sitzt sie jetzt, im neuen Buch der Esther Vilar, nur noch im Krankenstuhl*. Und Schwester Esther schiebt den Stuhl, reißt ihn amoklaufend in jede ihr passende Kurve. Bis die 200 Seiten voll sind.
Pünktlich hinein in die Stille einer äußerlichen Kampfpause, in der die Emanzipationsappelle der Kate Millett und Germaine Greer zumindest durch den populären Verzicht auf Büstenhalter befolgt scheinen, in einer Zeit, da Begriffe wie Unterdrückung und Umweltschutz rundgelutschte Wörter sind, rührt Schwester Esther den Patriarchen eine neue Nährlösung an. Geschickt wie damals, nicht hervorragend dumm, eher flüssig und schnell auf der falschen Schiene, setzt sie mit 50 000 Startauflage auf "das gefährlichste Dreieck der Welt" ("Bild"), auf Mann und Frau und Nebenfrau.
Wo die Beschäftigung mit einer komplizierten Materie sonst auch als Schwierigkeit in den Stil eingeht, hat Esther Vilar keine Not. Sie findet nichts schwierig. Sie läßt weg,
* Esther Vilar: "Das polygame Geschlecht -- Das Recht des Mannes auf zwei Frauen". Caan verlag. München; 200 Seiten; 24 Mark
was ihre Vorurteile unrein machen könnte.
Sie nimmt die Frau an sich beim Wickel. Und die stellt sieh für Esther dar als ein gecremtes und massiertes Riesenspielzeug, das hinter den schräggestellten Lamellen del Sonnenjalousie festigende Übungen für die Oberschenkel macht.
Leider zögern diese Übungen das Unglück der alternden Puppe kaum hinaus. Die überdehnte, kosmetisch gestützte Jugend hört mit 30 unerbittlich auf. Das "schutzbedürftige", durch die Ehe "adoptierte Kind" des Mannes bekommt das Aussehen eines erwachsenen Menschen. Dann, behauptet Esther, ist Sense mit dem "Brutpflegetrieb" des Vater-Gatten.
Der naturgesteuerte Brüter bemüht sich um Nachfolge für sein geplatztes Ei, für sein Täubchen, das ihn eines schönen Morgens als Geierhenne auf dem Kopfkissen erschreckt: "Die Zeit seiner Suche nach geeignetem Nachwuchs. entspricht der Schwangerschaft bei der Frau."
Den von der grassierenden Soziologen-Sprache erschöpften Leser machen solche suggestiven Sätze, auch wenn sie falsch sind, erst mal glücklich. Die zweifelsfreie Esther Vilar sucht keinen Schutz bei der Wissenschaft. Diese schlaue Person baut auf die philosophische Klarheit der Bauernregeln, auf Aphorismen à la Sacha Guitry und Colette.
Mit großen Buchstaben und kurzen Kapiteln füllt "Das Recht des Mannes auf zwei Frauen" gerade die Zeitspanne, die zwischen einer Valium und ihrer Wirkung liegt.

DER SPIEGEL 34/1974
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