16.10.1957

PROFESSOR DR. HEINZ HABER

PROFESSOR DR. HEINZ HABER wurde am 15. Mai 1913 in Mannheim geboren. Er studierte Physik und Astronomie an den Universitäten Leipzig, Heidelberg und Berlin und arbeitete am Kaiser-Wilhelm -Institut für Physik (Berlin). Von 1939 bis 1942 diente er als Reserveoffizier in der Luftwaffe. Nach einer Verwundung kehrte er 1942 an das Kaiser-Wilhelm-Institut zurück, in dem er bis 1945 Abteilungsleiter war. Mit einer Gruppe deutscher Wissenschaftler ging er 1947 in die Vereinigten Staaten und arbeitete dort an der US Airforce School of Aviation Medicine auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Randolph Field. Gemeinsam mit dem führenden deutschen Luftfahrt-Mediziner Dr. Hubertus Strughold begründete er in Randolph Field die Abteilung für Raumfahrt - Medizin (space medicine). Die Wissenschaftler dieser Abteilung - Mediziner, Physiker, Bioklimatologen, Techniker - untersuchen die Probleme, die für den Vorstoß des Menschen in den Weltraum gelöst werden müssen. 1952 übernahm Haber, Mitbegründer und einstiger Sekretär der amerikanischen Gesellschaft für Weltraum-Medizin (Space Medical Association), einen Forschungsauftrag an der Universität von Los Angeles, an der er heute als Dozent tätig ist. Er ist wissenschaftlicher Berater des Disney-Studios und Mitglied eines beratenden Ausschusses der Firma Litton Industries, die im Auftrage der US-Luftwaffe eine Unterdruckkammer zur Nachahmung der Weltraumbedingungen und einen Raumanzug entwickelt.
DER PLAN zur Entsendung einer bemannten Raumstation auf eine Satellitenkreisbahn, den der Raketenkonstrukteur Professor Wernher von Braun, der als Schöpfer der Fernrakete V-2 bezeichnet wird, kurz nach Kriegsende ausarbeitete, gilt nach wie vor als Standardprojekt für die erste Etappe der Raumfahrt. Nach Professor von Brauns Plan soll eine radförmige Raumstation (Durchmesser: 75 Meter) in 1730 Kilometer Höhe mit zwanzigfacher Schallgeschwindigkeit den Erdball umkreisen. Die Bauteile der Raumstationen sollen von großen Lastraketen auf die Kreisbahn getragen ind dort von Monteuren, die durch Raumanzüge gegen die Gefahren des Alls geschützt sind, zusammengebaut werden. Eine solche Außenstation würde, nach Wernher von Brauns Auffassung, den Vereinigten Staaten die militärische Kontrolle der Erde ermöglichen; sie könnte als außeratmosphärisches Laboratorium und als Startbasis für den Flug zum Mond und zu den Planeten dienen. Beim "fliegenden Start" von einer solchen Raumstation, die mit einer Geschwindigkeit von 25 400 Kilometern je Stunde die Erde umkreist, brauchten die Raumschiffe "keine ungewöhnlich großen Treibstoffmengen und auch keine besonders starken Raketentriebwerke, um zu ihrem Ziel zu gelangen" (von Braun). Die Pläne zur Errichtung einer bemannten Raumstation, die von sowjetischen Wissenschaftlern in der vergangenen Woche verkündet wurden, entsprechen im Prinzip dem Braunschen Projekt. Professor Haber bearbeitete für von Braun die medizinischen und biologischen Fragen der bemannten Satelliten-Station.

DER SPIEGEL 42/1957
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