17.09.1958

HOHLSPIEGEL

Österreichische Zollbeamte beschlagnahmten bei Salzburg den Gebetsteppich eines Persers mohammedanischen Glaubens als Schmuggelware. Da der Morgenländer der deutschen Sprache nur wenig mächtig war, vermochte er die Zöllner nicht davon zu überzeugen, daß es sich uni ein rituelles Gerät handelte.
Eine kleine Brücke bei Hannover war sechs Monate wegen Baufälligkeit für über drei Tonnen schwere Fahrzeuge gesperrt. Erst nach dieser Zeit stellte die zuständige Behörde fest, daß man bei der Beschilderung zwei Brücken verwechselt hatte: Die tatsächlich baufällige Brücke war für den uneingeschränkten Verkehr freigegeben gewesen, und es waren vollbesetzte Autobusse darüber gerollt.
Das Referat Film-Bild-Ton im Bundesverteidigungsministerium will demnächst einen Instruktionsfilm über die "Behandlung Betrunkener" in Auftrag geben.
Die Kassiererin eines Kinos in Düsseldorf -Unterrath nahm sich das Leben, nachdem sie auf dem Steueramt gestanden hatte, auf Weisung ihres Chefs Vergnügungssteuern unterschlagen zu haben: Sie hatte Eintrittskarten, die nach den Vorstellungen von Kinobesuchern weggeworfen worden waren, einsammeln, glattbügeln und erneut verkaufen müssen.
Deutsche Segelflieger der Flugplatzgemeinschaft Bad Lippspringe hatten auf die Rückwand eines englischen Hangars, der auf dem früheren Segelfluggelände am Rande des Truppenübungsplatzes Senne steht, geschrieben: "Hier durften wir 30 Jahre fliegen! Warum jetzt nicht mehr?" Sie erhielten von den Engländern am selben Ort in gleich plakativer Schrift die Antwort: "Because we won the bloody war!" (Weil wir den verfluchten Krieg gewannen!)
Spielende Kinder, die in der Nähe des Bahnhofs Großburschla an der Zonengrenze einen Ball zurückholten, der auf sowjetzonales Gebiet gerollt war, lösten durch ihre Aktion einen Alarm der Volkspolizei aus. An der Gefahrenstelle wurden die Vopo-Streifen verstärkt und die Fußspuren der Kinder ausgemessen.
Wenig Verständnis bei Bevölkerung und Presse der Schweiz und Österreichs fand der Spleen junger Engländer, die einen ausgedienten, durch Kofferetiketten und Reiseziel-Inschriften aufgeputzten Motor -Leichenwagen, Baujahr 1935, als Touristengefährt benutzten.
In einem Nitritverfahren vor dem Nürnberger Landgericht gab ein Verteidiger zu bedenken, ob die Richter nicht wegen Befangenheit abzulehnen seien, denn objektiv könne der Sachverhalt doch nur von Vegetariern beurteilt werden.

DER SPIEGEL 38/1958
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