17.09.1958

JEAN-PAUL SARTRE

Der 53jährige Existenz-Philosoph, Dramatiker und Romancier attackiert in diesem Aufsatz den Verfassungsentwurf de Gaulles. Der Linksintellektuelle Sartre sieht das französische Volk auf dem Wege des sogenannten Gaullismus in Reaktion und Unmündigkeit enden.
NEBEN DEM ehemaligen Ministerpräsidenten Mendés-France ist Sartre bisher der prominenteste Franzose gewesen, der seine Stimme gegen die Erneuerungspläne de Gaulles erhoben hat. Andere namhafte Franzosen sehen in dem General, wie unlängst der Nobelpreisträger Francois Mauriac in einem SPIEGEL -Gespräch ausführte (SPIEGEL 36/1958), die einzige Rettung für den Staat und die Nation. Am 28. September sollen das französische Mutterland (einschließlich Algerien) und die Überseeischen Gebiete über den Verfassungsentwurf abstimmen, dessen Annahme die Rechte des Parlaments schmälern und die Autorität der vom Präsidenten - mutmaßlich Charles de Gaulle - abhängigen Regierung festigen würde.
DIE VOLKSABSTIMMUNG steht im Mutterland und in den überseeischen Gebieten unter gänzlich verschiedenen Vorzeichen: Während die Ja-Stimme eines weißen Franzosen in erster Linie eine Zustimmung zur Entmachtung des Parlaments bedeutet, wird eine Ja-Stimme in den abhängigen Gebieten - denen die Parlamentsrechte gleichgültig sind vor allem zur Stärkung der persönlichen Macht des Generals de Gaulle abgegeben, weil die Farbigen hoffen, er werde ihnen die Wege zur Unabhängigkeit ebnen.

DER SPIEGEL 38/1958
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