28.01.1974

„Ein Blatt, ein Blatt“

SPD-Fraktionschef Herbert Wehner attackierte vergangenen Donnerstag im Bundestag die Opposition und auch den SPIEGEL. Auszug aus seiner Rede:
Ich empfehle Ihnen übrigens, Herr Kollege Carstens ... gucken Sie mal nach, was Ihre Schilderung der inneren Entwicklung der Bundesrepublik und Ihr Vibrieren der Stimme in bezug auf die Zustände, unter denen die Menschen hier leben, betrifft. Daran können Sie sich informieren in einem Organ, das -- wenn auch anders aufgezogen -- Seite an Seite mit Ihnen diese Regierung Brandt bekämpft. Ich meine den SPIEGEL (Zurufe, Lachen). Sie lachen gern, das weiß ich. Nur, irgendwann werden Sie ja mal aufhören müssen zu lachen, denn Ihr Lachen wird auch Sie selbst nicht dauernd befriedigen, obwohl Sie sonst Selbstbefriediger sind ... Und gucken Sie sich bitte den SPIEGEL an. Dort muß man auch im Kontrast herausfinden, wie -- weil sie dort ja nicht die Bundesregierung und die Bundesrepublik loben wollen, weil sie eine Darstellung der krisenhaften Entwicklung Großbritanniens geben, wenn sie dann notgedrungen Vergleichszahlen nehmen -- die Bundesregierung in diesen Vergleichszahlen abschneidet ... Sie haben ja auch alle den SPIEGEL und bedienen sich seiner. (Abg. Dr. Jenninger: Scheißblatt.) Nicht einmal das hat kürzlich der Kanzler gesagt, (Heiterkeit) und ich teile da die Meinung: nicht einmal das. Ein Blatt. Ein Blatt, weiter gar nichts.

DER SPIEGEL 5/1974
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