25.03.1974

BERUFLICHESGerhard Limberg

Gerhard Limberg, 53, Generalleutnant, wird am 1. April Inspekteur der Luftwaffe und löst Generalleutnant Günther Rau ab, der dann als deutscher militärischer Vertreter im Military Committee der Nato Dienst tut. Die Fliegerei hat der neue Inspekteur -- wie fast alle seine Vorgänger -- in Hermann Görings Luftwaffe gelernt, nachdem er zuerst als Flak-Artillerist ausgebildet worden war. Den Krieg überlebte er als Oberleutnant und Staffelchef. In der Bundeswehr schulte der vierschrötige Limberg (Typ Jean Gabin) zunächst auf Düsenmaschinen um und bildete dann selber Piloten aus. 1969 wurde er General und Systembeauftragter für das "Waffensystem MRCA" -- ein Mehrzweckflugzeug, das von der Bundesrepublik, England und Italien gemeinsam gebaut wird. Es soll in drei Jahren den Starfighter ablösen, sofern bis dahin noch Maschinen dieses Typs vom Absturz verschont geblieben sind. Limberg setzte sich nachhaltig für. die Entwicklung des neuen Kampfflugzeugs ein, das, wenn die Planer recht behalten, einer Wunderwaffe gleichkommt: Die Maschine soll bei jedem Wetter, tags wie nachts und von Mini-Rollbahnen aus operieren können.
Carlo Ripa di Meana, 44, Mitglied des ZK der Sozialistischen Partei Italiens, wurde vergangenen Mittwoch zum Präsidenten der Biennale von Venedig gewählt. Der Biennale-Verwaltungsrat beendete damit ein monatelanges, durch Parteiquerelen und Proporz-Rücksichten bedingtes Interregnum, das die Arbeit der Kultur-Organisation (für Bildende Kunst, Film, Theater und Musik) gelähmt hatte. Ripa di Meana, früher Chef des Mailänder Fremdenverkehrsamtes, kündigte nach seiner Wahl an, die Biennale solle in Zukunft auch audiovisuelle Information, Design, Stadtplanung und Photographie berücksichtigen. Die in diesem Jahr fällige Kunst-Biennale freilich wird wegen der verspäteten Wahl nicht im Juni, sondern im September stattfinden. Und interner Streit wird auch die künftige Biennale-Arbeit begleiten: Über einen Generalsekretär (vorgesehen: der Christdemokrat und venezianische Opernintendant Luigi Floris Ammanati) konnte sich der Verwaltungsrat nicht einigen.
Otto Schwalbach, 47, Besitzer eines Textilkaufhauses im hessischen Laubach und "seit 20 Jahren SPD-Wähler", warnte in der örtlichen "Heimat-Zeitung" mit einer ganzseitigen Anzeige (Kosten: etwa 700 Mark) vor "Gewerkschaftsfunktionären und anderen roten Genossen", denn: "Man soll es nicht glauben, aber sie wollen dieses deutsche Land kaputtmachen." Dem Unternehmer "platzte der Kragen" (Schwalbach), nachdem die Laubacher Jungsozialisten eine Fragebogenaktion unter Auszubildenden angekündigt hatten, bei der Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz ermittelt werden sollen. Den Juso-Vorsitzenden und Gewerkschaftssekretär Rainer Hillgärtner, 21, klärte Schwalbach in seinem Inserat (Schlagzeile: "Heil Hillgärtner!") über den Unterschied zwischen "einer freien und ... einer sozialistischen Gesellschaft" auf: "Hier bei uns dürfen Sie das Maul bis zum Rachen aufreißen ... und systematisch Hetze gegen die Unternehmer führen." Der "faschistische Artikel" (Hillgärtner), den Schwalbach "mit deutsch-freundlichen demokratischen Grüßen" unterzeichnete, trug dem Kaufmann innerhalb weniger Tage "eine Menge von Spenden und Sympathiebekundungen aus der ganzen Bundesrepublik" ein -- aber auch eine Strafanzeige Hillgärtners wegen Volksverhetzung, Beleidigung und übler Nachrede.

DER SPIEGEL 13/1974
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