24.12.1973

Datum: 24. Dezember 1973 Betr.: Bestseller

Alle Jahre wieder können sich die Angehörigen des SPIEGEL, Köchinnen und Redakteure, Damen und Herren der Buchhaltung, Fahrer und Dokumentaristen und Verlagskaufleute, kurzum alle, für Bücher entscheiden, die dann im Sammelverfahren bei den Verlagen bestellt werden -- das spart Zeit. In diesem Jahr ergab sich dabei eine Bestseller-Liste, die nicht unwesentlich von der allgemeinen Bestseller-Liste des SPIEGEL abweicht. ]sie Differenz ist nicht nur dadurch zu erklären, daß in der offiziellen Liste Titel nicht wieder auftauchen, die als Taschenbuch nachgedruckt worden sind. Für die eigene Lektüre oder für die Schenkerei bestellten die SPIEGEL-Leute die meisten Exemplare in der Reihenfolge:
BELLETRISTIK
1 Lenz: Das Vorbild
2 Lenz: Deutschstunde
3 Simmel: Die Antwort ...
4 Bachmann: Das dreißigste Jahr
5 Tucholsky: Deutschland, Deutschland.
6 Krüger: Zeitgelächter
7 Tremper: Das Tall-Komplott
8 Handke: Der gewöhnliche Schrecken
9 Michener: Kinder von Torremolinos
10 Heinrich: Schmetterlinge ...
SACHBÜCHER
1 Fest: Hitler
2 Wahrig: Deutsches Wörterbuch
3 Herm: Die Phönizier
4 Lexikon der Kunststile, 2
5 Wallraff/Hagen: Was wollt ihr denn ...
6 Lexikon der Kunststile, 1
7 Freund: Deutsche Geschichte
8 Meadows: Grenzen des Wachstums
9 Rasp: Chinchilla
10 Lexikon der Medizin ...
Unangefochten die Spitze hielt ein Kinderbuch, von dem 802 Exemplare angeliefert wurden. Aber der Platz erwies sich als Buchungsfehler, bestellt worden waren nur zwei. Die Titelgeschichte des SPIEGEL über Erich von Däniken (SPIEGEL 12/1973), der seit Jahren einen sicheren Platz auf den Bestseller-Listen hält, ist für die englischsprechende Welt vom "Encounter" übersetzt und nachgedruckt worden. Nun wurde sie auch der sowjetischen Fachwelt präsentiert. Die vom Journalisten-Verband und der "Prawda" gemeinsam herausgegebene Monatsschrift "Journalist", Auflage 120 000, zitierte längere Passagen, allerdings
nicht ohne den gebotenen ideologischen Peitschenknall. Unter der Überschrift "Wie man einen Bestseller macht" wird der SPIEGEL getadelt, er sei "ohne Zweifel nicht daran interessiert, Reklame für Däniken zu machen, aber allein die Aufnahme seiner Bücher in die wöchentliche Bestseller-Liste ist Reklame, und was für eine! ... Dieser Umstand (die Auflagenhöhe) hat die westdeutsche Zeitschrift SPIEGEL bewogen, als Titelbild einer ihrer Ausgaben das Porträt des selbstzufriedenen Däniken zu zeigen, mit der unzweideutigen Überschrift: 'Der Däniken-Schwindel: 9 Millionen Auflage'. Jedoch hindert die Entlarvung dieses Betrugs den SPIEGEL nicht daran, in seinen folgenden Ausgaben ständig das Däniken-Buch ... auf den Bestseller-Listen zu führen".

DER SPIEGEL 52/1973
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