24.12.1973

SCHALLPLATTENWeiter im Schatten

Nach wie vor im Schatten von Mozart und Beethoven steht Joseph Haydn: Auch Karl Böhm mit seiner Aufnahme der Symphonien 88 und 89 (DGG 2530 343; 25 Mark) ändert daran nichts. Im Gegenteil: Wenn man die harmlose Behaglichkeit hört, mit der die Wiener Philharmoniker musizieren, kommt einem unwillkürlich das Bild von "Papa Haydn" in den Sinn. Böhms langsame Tempi wären nur dann sinnvoll, wenn sie zu einem Mehr an Klarheit führten -- Verdeutlichung aber ist hier Böhms Sache nicht. So hilft es auch wenig, daß er eine kritische Partitur-Ausgabe benutzt, weil er im übrigen auf sein Renommee und seinen Mozart-Ton vertraut. Böhm läßt "schöne" Musik spielen -- nicht mehr. Die auf glättende Harmonisierung bedachte Stereo-Aufnahmetechnik tut das ihre, aus der Aufnahme einen schlackenlosen Konsumartikel zu machen.
Weniger glatt wirken die meisten Aufnahmen Otto Klemperers: sie waren beispielhaft für einen musikalisch sinnvollen Gebrauch stereophoner Mittel. Seine letzte Aufnahme der 8. Symphonie Anton Bruckners mit dem New Philharmonia Orchestra London (Electrola I C 19102259/60; 2 LP; 34 Mark) -- mit fragwürdigen. Strichen im 4. Satz -- macht dagegen den Eindruck des Unfertigen. indessen war Perfektion nie das Ziel dieses Dirigenten. Klemperer sieht bei Bruckner von aller Weihe und nebulösen Feierlichkeit ab -- bezeichnend, daß er die häufige Vorschrift "markig" unbeachtet läßt. So macht die Aufnahme auch deutlich, wie wenig es auf die Realisierung derart teutonischer Anweisungen an kommt.

DER SPIEGEL 52/1973
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Beeindruckende Unterwasseraufnahmen: Unterwegs mit tausend Teufelsrochen
  • Eklat in Großbritannien: US-Diplomatenfrau reist nach tödlichem Unfall aus
  • Rituale im britischen Unterhaus: "Lady Usher of the Black Rod"
  • Indonesien: Orang-Utans werden Opfer von Brandrodungen