24.12.1973

BERUFLICHESHarald Ingensand

Harald Ingensand, 50, seit drei Jahren Verwaltungsdirektor des ZDF, stieg vergangene Woche zum ständigen Vertreter des Intendanten Karl Holzamer (CDU) auf -- nach einem Beschluß des ZDF-Verwaltungsrates, dem er als SPD-Vertreter von 1967 bis 1971 angehört hat. Der in Gütersloh geborene Redakteur und Buchautor ("Die Ideologie des Sowjetkommunismus": "Amerikaner sind auch Mencchen") hatte es vor seiner ZDF-Karriere bis zum Kultus-Senatsdirektor in Berlin gebracht. Im Mainzer Sender wird Ingensand nun von seiner Partei zum möglichen Nach folger Holzamers aufgebaut, dessen Amtszeit 1977 endet. Weil bis August der (gestorbene) Programmdirektor Joseph Viehöver als Vize-Intendant amtierte, hatte sich der neue Programmchef Gerhard Prager Hoffnungen auch auf den Posten des Holzamer-Vertreters gemacht, war aber als "Salon-SPD ist" bei der Kandidaten-Kur in der Bonner Baracke dem "härteren Taktierer" Ingensand unterlegen. Den Genossen prophezeite Freizeit-Dichter Prager: "Wer Haralds schönen Augen traut, der hat auf Ingensand gebaut. Janos Pöter, 63, (seit 12 Jahren) ungarischer Außenminister, wurde vorletzten Freitag "im Zusammenhang mit der Übernahme einer anderen wichtigen gesellschaftlichen Arbeit" (so die offizielle Begründung) von seinen Amtspflichten befreit und -- einen Tag nach der Vereinbarung über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Bonn -- durch seinen langjährigen Staatssekretär Frigyes Puja ersetzt. Der ehemalige Bischof von Debrecen (von 1950 bis 1956) galt als Befürworter der Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt -- zu seinem Abschied sprach ihm das Präsidium der Volksrepublik "Anerkennung für seine Verdienste" aus.
Ingeborg Fichtner, 32, Junglehrerin im westfälischen Werther. wird trotz bestandener erster Staatsprüfung (Note: gut) nicht in den nordrheinwestfälischen Schuldienst übernommen. Offizieller Grund: Die angehende Pädagogin, deren Ehemann Bernd Fichtner wegen seiner DKP-Mitgliedschaft im vergangenen Jahr von der Schulbehörde abgewiesen worden war, sei Österreicherin und Innenminister Willi Weyer "zur Zeit außerstande", die übliche "Ausnahmegenehmigung" zu erteilen -Weyer glaubt Beweise dafür zu haben, daß auch die Gattin DKP-Genossin ist. Ingeborg Fichtner, die seit dreizehn Jahren in der Bundesrepublik lebt und ein Stipendium mit der Auflage erhielt, fünf Jahre nach Beendigung ihrer Ausbildung als Lehrerin in NRW tätig zu sein, bestreitet das. Sie vermutet einen anderen "politischen Hintergrund": Die Ablehnung "wäre in der Zeit des Nationalsozialismus als "Sippenhaft" bezeichnet worden".

DER SPIEGEL 52/1973
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