17.12.1973

BERUFLICHESEnrique Blanco-Cruz

Enrique Blanco-Cruz, 31, spanischer Arzt und Sozialdemokrat, wurde als erster Ausländer in eine deutsche Partei-Funktion berufen. Die Jungsozialisten im Unterbezirk Hannover-Land/Springe wählten ihn vorletztes Wochenende fast einstimmig zu ihrem Vorsitzenden. Blanco-Cruz, der vor fast dreizehn Jahren als Arbeiter in die Bundesrepublik kam ("Ich habe praktisch hier mein Leben angefangen"), bestand das deutsche Abitur, studierte Medizin und will sich nun noch zum Psychiater ausbilden lassen. Seine Wahl, sagt er, "ist für viele sicher eine kleine Sensation -- aber irgendwann wird so was selbstverständlich sein". Und damit das bald möglich ist, will Blanco-Cruz sich innerhalb der SPD auch dafür einsetzen, Ausländern nach fünfjährigem Aufenthalt das aktive und passive Wahlrecht bei Kommunalwahlen zuzugestehen. Er selbst wird davon wenig haben: Der Spanier hat die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt.
Manfred Vohrer, 32, FDP-MdB und Diplom-Volkswirt, wurde von Baden-Württembergs (CDU-)Kultusminister Wilhelm Hahn daran gehindert, Professor zu werden. Die Berufspädagogische Hochschule Stuttgart wollte mit Vohrer nach dessen Probevorlesung im Juni eine von zwei offenen Stellen besetzen -- Hahn lehnte jedoch die Berufung mit der Begründung ab, die Zahl von sechs Kandidaten sei zu gering. Zugleich jedoch akzeptierte der Minister für die zweite offene Stelle einen anderen Bewerber. Bei einer Rücksprache im Kultusministerium erfuhr der Freidemokrat nun, es fehle ihm an pädagogischer Erfahrung. Allerdings: Nach der Probevorlesung hatte die Berufungskommission auf eine zusätzliche Eignungsprüfung verzichtet. Vohrers Bitte, schriftlich zu begründen, warum ihn der Kultusminister ablehne. wurde nicht erfüllt. Vermutet der gescheiterte Kandidat: "Hahn interpretiert den Radikalenerlaß als Liberalenerlaß."
Agnes Larcher, 35, (im Frühjahr fristlos entlassene) Hauptschullehrerin in Absam bei Innsbruck, wird vom Land Tirol mit 20 000 österreichischen Schilling (2700 Mark) abgefunden. Die promovierte Pädagogin war von der Schulbehörde geschaßt worden, weil sie mit 14jährigen Schülerinnen im Unterricht das Theaterstück "Stallerhof" von Franz Xaver Kroetz besprochen hatte, um die Mädchen mit "Problemen sozialer Außenseiter" vertraut zu machen (SPIEGEL 27/1973). Vergangenen Montag schlossen Land und Lehrerin vor dem Innsbrucker Arbeitsgericht einen Vergleich, der auch eine Wiedereinstellung in den Schuldienst ermöglichen würde. Vorerst will die Erzieherin keinen Gebrauch davon machen: Sie bereitet sich auf die Lehramtsprüfung für höherbildende Lehranstalten vor.

DER SPIEGEL 51/1973
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