19.09.2005

Stimmen zur Wahl

Hans-Joachim Körber
Metro-Chef
"Ich hoffe, dass sich bei den bevorstehenden Gesprächen zwischen den Parteien sowie in den anschließenden Koalitionsverhandlungen die Vernunft und die Einsicht in das Notwendige am Verhandlungstisch durchsetzen werden. Die großen Aufgaben müssen angegangen werden. Das gilt insbesondere für die Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Auch die Deregulierung des Arbeitsmarktes und die grundlegende Reform der Sozialversicherungssysteme dulden keinen Aufschub. Nur wenn diese Herausforderungen gemeistert werden, dürfen wir in Deutschland wieder auf bessere wirtschaftliche Wachstumsraten und der Handel auf eine Belebung der Konsumfreude hoffen."
Hermann Lübbe
Professor für Philosophie
"Das Wahlergebnis belegt einen markanten Entzug von Vertrauen der Bürger in die Fähigkeit der großen Volksparteien, die Probleme zu lösen, die Deutschland anhaltend bedrücken. Zugleich bekundet sich in ihm die Meinung einer Bürgerminderheit, es komme darauf an, unser Wirtschaftssystem ordnungspolitisch zu dynamisieren - das zeigt der Erfolg der FDP. Mit dem Ergebnis ist schwer etwas anzufangen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es zu einer Koalition von CDU, FDP und Grünen kommt; eine einfache Große Koalition wäre eine Koalition der Verlierer."
Holger Jung
Werber
"Die Politiker der beiden großen Volksparteien haben jetzt die große Chance, die Politikverdrossenheit und das öffentliche Misstrauen weitestgehend zu eliminieren, indem sie sich über ihre kleinmütigen, engmaschigen ideologischen Differenzen hinwegsetzen und eine Große Koalition eingehen. Und zukünftig beweisen, dass sie ernsthaft gewillt sind, die Probleme unseres Landes in den Griff zu bekommen und zu lösen. Wenn man allerdings die Parteispitzen im TV erlebt, scheinen die Chancen für einen derartigen Schritt praktisch bei null zu sein. Nun kann man nur hoffen, dass das Überschlafen der Wahlergebnisse bei allen die Erkenntnis fördert: Hier hat keiner Grund zur Euphorie, denn Agonie ist das Schlimmste, was Deutschland jetzt passieren könnte."
Nina Petri
Schauspielerin
"Ich finde es gut, dass unser Zwei-Parteien-System plötzlich richtig ins Wanken gerät und drei kleinere Parteien ordentlich mitmischen. Ich hoffe, dass endlich wieder kontrovers über Politik diskutiert wird und dass Schluss ist mit dem Einheitsbrei. Ich bin eher eine Linke-Wählerin und keine Freundin einer Kanzlerin Merkel - schon weil ich die Wiederaufnahme des Atomenergieprogramms für absolut falsch halte."
Thomas Fischer
Vorstandsvorsitzender der WestLB
"Das Wahlergebnis ist bedauerlich, die Schwierigkeiten und Herausforderungen in Deutschland werden damit mit Sicherheit nicht kleiner. Deutschland kann sich keine Reformpause erlauben, wir dürfen im Wettbewerb mit anderen Staaten nicht weiter zurückfallen. Weder die Bevölkerung noch die Regierung oder die Opposition sollten sich etwas vormachen: Die wirtschaftliche Substanz dieses Landes bröckelt. Angesichts dieser Situation ist es die Verantwortung der Politiker, Denkhürden zu überwinden. Und wenn man schon über eine Große Koalition nachdenkt, lohnt auch eine Betrachtung von Schwarz-Grün-Gelb. Die Unterschiede zwischen diesen Parteien sind so groß nicht - die Grünen jedenfalls sind sowohl eine bürgerliche Partei als auch eine Partei der Besserverdienenden. Und sie haben in der Vergangenheit die Reformen der rot-grünen Regierung wesentlich nachhaltiger unterstützt als die SPD."

DER SPIEGEL 55/2005
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