20.08.1973

VERBRECHENMob am Ende

Vincent Teresa, Bankräuber und Scheckbetrüger, zeugt wider seine einstigen Kumpane. Er enthüllte die Aktivitäten des „Mob“ -- einer zentral gelenkten Superorganisation italo-amerikanischer Gangster.
Seine Ermordung ist schon beschlossen, die Killer sind bereits ausgeschwärmt. Irgendwo an der Ostküste der Vereinigten Staaten warten die Mörder darauf, daß er und seine Beschützer einen Fehler machen. Der Einsatz lohnt sich: 500 000 Dollar haben die Bosse des organisierten Verbrechertums auf seinen Kopf ausgesetzt.
Doch der Gesuchte hält sich in einem waffenstarrenden Landhaus versteckt, geschützt von Polizisten, Schäferhunden und elektronischen Anlagen, und läßt sich kaum in der Öffentlichkeit sehen. Er besucht kein Restaurant, er empfängt keinen Nachbarn, er betritt kein Kino.
Nur wenn die Justiz seiner bedarf, wagt er sich in die Außenwelt. Dann nimmt ihn ein Hubschrauber auf, während Hunderte von Polizisten die Zufahrtsstraßen abriegeln. Mit raffinierten Tricks führen seine Beschützer den Gegner auf falsche Spuren; unermüdlich lenken sie die Heckenschützen ab. Sicher fühlt er sich dennoch nicht. "Ich weiß", sagt er, "daß meine Zukunft ziemlich unsicher ist. Ich muß jeden Tag so leben, als ob"s mein letzter wäre. Ganz gleich, wo ich bin, unter welchem Namen ich lebe -- immer werden mich die Killer jagen."
Er heißt Vincent Charles Teresa, wiegt 270 Pfund und galt einmal als einer der raffiniertesten Scheckbetrüger, Bankräuber und Glücksspieler Amerikas. 1969 zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, hat der Ex-Gangster die Fronten gewechselt: Als Kronzeuge der Staatsanwälte ist er zum gefährlichsten Gegner der Unterwelt geworden.
Wo immer die Gangster-Bosse und ihre Helfer vor Gericht stehen, taucht Teresa auf und zeugt gegen die einstigen Kumpane. 50 Gangster wurden nach seinen Aussagen angeklagt oder verurteilt, gegen 16 weitere soll er noch in den Zeugenstand treten. Noch nie zuvor haben die Führer der Unterwelt derart Anlaß gehabt, die Aussagen eines Belastungszeugen zu fürchten.
Was die einstigen Freunde und Bosse erschreckt, hat Teresa mit Hilfe des US-Journalisten Thomas C. Renner in einem Buch niedergeschrieben, dessen deutsche Ausgabe in dieser Woche ausgeliefert wird. Teresa: "Ich werd' meinen Freunden von der Polente immer helfen, wenn sie mich brauchen. Ich hab' genug durchgemacht."**
Sein Buch offenbart, daß eine zentral gelenkte Super-Organisation italo-amerikanischer Gangster nahezu alle Lebensbereiche der USA im Griff hält. "Es gibt nichts", so Teresa, "wo der Mob nicht seine Finger drin hat. Sie haben Kongreßabgeordnete ebenso im Sack wie staatliche Behörden und Polentereviere. Sie bestechen Geschäftsleute und Gewerkschaften."
Seit sich 1957 in Apalachin im Staat New York 75 Führer eines Verbrecher-Syndikats zu einer Konferenz getroffen hatten, war die US-Polizei davon überzeugt, daß Amerikas Gangsterwelt von einer Super-Organisation namens Mafia beherrscht wird. Der abgesprungene Ganove Joseph Valachi (Teresa: "Er hatte fürchterlich Schiß") nannte 1963 allerdings einen anderen Namen: "Cosa Nostra" (zu Deutsch: unsere Sache).
Zeuge Teresa aber weiß, daß die Organisation weder Mafia noch Cosa Nostra heißt. "Das letztemal", erinnert er sich, "hab' ich die Bezeichnung Mafia gehört, als ich ein Junge war. Den Namen Cosa Nostra hab' ich nie gehört. Wir benutzten diese Ausdrücke nie. Für uns gibt es nur den Mob."
Diese Korrektur hat zwar Teresas geschäftstüchtige Verleger nicht abgehalten, seine Memoiren unter dem furchterregenden Stichwort "Mafia" zu ver-
* Mit Teresa-Chef Patriarca (vorn, 4. v. l.) vor dem Verbrechens-Komitee des US-Repräsentantenhauses. Juli 1972.
** Vincent Teresa: Mein Leben in der Mafia Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg: 555 Seiten: 29,80 Mark.
kaufen, gleichwohl illustriert das Buch. daß die Mafia geblieben ist, was sie von Anfang an war: ein sizilianisches, inneritalienisches Phänomen.
Die Teresas hatten tatsächlich einst der Mafia angehört, jener "Ehrenwerten Gesellschaft" gewerbsmäßiger Räuber, Erpresser und Sozialromantiker, die im 19. Jahrhundert den westlichen Teil der Insel Sizilien tyrannisierten. Sie unterstützten die arme Landbevölkerung gegen deren Ausbeuter aus Verwaltung, Kirche und Großgrundbesitz, erzwangen freilich zugleich mit allen Mitteln die Tributzahlungen der Beschützten.
Auch Teresa-Großvater Vincenti, nach der Familienüberlieferung ein von seiner Dynastie verstoßener Herzog aus der sizilischen Linie des Hauses Bourbon. erpreßte munter mit. Er mußte 1895 wegen einer Mordaffäre Italien verlassen und wanderte nach Amerika aus.
Mafiosi halfen dann Teresa weiter; bald gebot Don Vincenti in Revere, einem westlichen Vorort Bostons, über eine kleine Bande von Schlägern, die das Italienerviertel nach dem alten Mafia-Rezept ausbeutete: Sie· bot Schutz vor anderen Banden und verlangte kleinen Geschäftsinhabern Tributzahlungen ab.
Doch der Einfluß solcher Banden, als Klammer und Schutz der Einwanderer gegenüber der fremden Umwelt aufgebaut, währte nicht lange. Anders aus der Mafia in Sizilien fehlte ihnen die einheitliche Leitung. Sie zerbröselten sich in eine Vielzahl unabhängiger "Mobs". die kaum noch auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen waren.
Das Mafia-Erbe verfiel. Schon Vincenti Teresas Sohn Cosmo hatte einen Horror vor den brutalen Praktiken seines Vaters und brach mit der Mafia-Tradition. Er fuhr Lastkraftwagen, wurde Bauarbeiter und ging später in den Geflügelhandel. Erst sein Sohn Vincent Charles Teresa, 1928 geboren, folgte wieder Großvaters Spuren freilich nicht im Gruppenverbund, sondern als Einzelgänger.
Üble Erfahrungen in der Schule und eine unstillbare Spielerleidenschaft liierten ihn frühzeitig mit der Welt des Verbrechens. Mit zwölf Jahren verübte er seinen ersten Einbruch, um Spielschulden bezahlen zu können, und wurde prompt ertappt. Die Strafe war jedoch so milde, daß er sofort neue Raubzüge plante.
Von Einbruch zu Einbruch geriet Teresa in ärgere Zwänge: Er verspielte sein Geld in Kasinos und auf Rennplätzen, geriet in die Hände dubioser Geldverleiher ("Kredithaie"), deren Wucherzinsen ihn zu neuen Diebstählen trieben. Als er mit 16 Jahren wegen Rüpelhaftigkeit von der Schule gewiesen wurde, hatte er bereits bei 12 Einbrüchen 5000 Dollar erbeutet. Geblieben war ihm davon kein Cent, im Gegenteil: Er war so verschuldet, daß er im November 1945 auf einem US-Zerstörer als Koch anheuerte.
Lange hielt es ihn bei der Navy nicht, schon im Februar 1948 wurde er wegen schlechter Führung entlassen. Mit 14 000 Dollar im Seesack heiratete Teresa seine Jugendliebe Blanche und sann auf neuen Gelderwerb.
Als Fahrer bei einer Lkw-Firma in Boston kundschaftete er tagsüber mit einem ehemaligen Schulfreund Einbruchsmöglichkeiten aus und holte sich nachts die Beute. Er wurde dabei nie ertappt, doch das Ergebnis seiner Streifzüge war allzu mager.
Ein anderer Schulfreund bot ihm bessere Chancen. Der Freund kannte einen alten Drucker, der falsche Schecks herstellen konnte; er druckte auch "faule Führerscheine, die wir als Ausweise beim Flüssigmachen der Schecks brauchten" (Teresa). Der Drucker produzierte "stoßweise" die falschen Dokumente, mit denen Teresa und seine Freunde Supermärkte, Kaufhäuser und vor allem Banken überschwemmten.
Die Gruppe hatte insgesamt 500 000 Dollar ergaunert, als sie im Sommer 1958 * während seiner Haft. September 1969.
durch den Verrat eines unzufriedenen Mitglieds aufflog. Ergebnis: 18 Monate Gefängnis für Teresa. Doch die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. und Teresa schloß sich einer Bande bewaffneter Safeknacker an.
Gemeinsam raubten sie vier Banken im Staat Massachussetts aus, doch ein Schußwechsel (Teresa: "Die Kugel flog um Zentimeter an meinem Kopf vorbei~) ernüchterte ihn. Teresa verließ die Bande und wandte sich scheinbar ungefährlicheren Überfällen zu: Raids gegen illegale Spielkasinos.
Wieder verband sich Teresa mit einigen Schulkameraden; sie erkundigten sich, wo in Boston verbotene Würfel- und Kartenspiele stattfanden. War ein solcher Treffpunkt ausgemacht, so zogen sie sich Strümpfe über die Köpfe und "stürmten die Bude, sammelten den ganzen Zaster vom Tisch ein und zwangen alle, sich splitternackt auszuziehen, wie Teresa berichtet.
Drei Monate lang operierten die Freunde erfolgreich, da gerieten sie jäh in Bedrängnis: Sie überfielen einen Spielerklub, der von einem der mächtigsten Gangster Bostons, Mike dem Schlaumeier (Mike the Wiseguy), "beschützt" wurde. Nur mit Mühe konnte ein Onkel Teresas verhindern, daß Mikes Leute die Übeltäter zusammenschlugen. Mike fuhr Teresa an: "Ich will dir was sagen, Junge: Überfalle keine Poker- und keine Würfelspiele mehr. Das nächstemal wirst du umgelegt."
Vincent Teresa dämmerte, daß die Zeit der allein arbeitenden Gangs vorbei war. Im Osten der USA hatte sich die Struktur der Unterwelt grundlegend verändert: An Stelle der örtlichen und unabhängigen Mobs operierte eine zentral gesteuerte Organisation, deren Macht von der kanadischen Grenze bis nach Florida reichte.
Ihr Boß war Raymond Patriarca, Sohn eines Spirituosenhändlers und ein ehemaliger Alkoholschmuggler, der dem FBI als "das gefährlichste und destruktivste Element der Unterwelt New Englands" galt. Sein Hauptquartier ("The off ice") hatte er in der Rhode Island-Hauptstadt Providence aufgeschlagen, in den Büros einer Tarnfirma. die sich "National Cigarette Service Company" nannte. Von hier aus regierte Patriarca 5000 Unterweltler. die allein auf sein Kommando hörten.
Der "Padrone", der oberste Boß, durfte auch in allen Fragen der Branche mitsprechen, die nicht sein Reich betrafen. Er gehörte zu den 12 Gangster-Chefs, die in der "Commissione" saßen, einer Art Unterwelt-Regierung, die alle Gangstergruppen im Lande beaufsichtigte und die mörderischen Streitigkeiten zwischen den Gangs schlichtete.
Die Details unterweltlicher Operationen überließ Patriarca freilich seinem Stabschef Enrico Henry Tameleo, den der Mob meist nur unter seinem Titel "The Referee" (Der Schiedsrichter) kannte. Er war der eigentliche Organisator: Er gab die Befehle aus, er plante die Unternehmungen, er wachte über die Mob-Kasse.
Der Zufall wollte, daß Teresa den Referee aus der Zeit seiner ersten Diebstähle kannte. Tameleo war nicht abgeneigt, den erfolgreichen Einbrecher und Schwindler in die Organisation aufzunehmen. Tameleo: "Eins darfst du nie vergessen. Du hast zuerst an das Office und dann erst an deine Familie zu denken."
Teresa kam rasch voran, weil er unter den Gangstern als ein Protektionskind des Referee galt. Er übte sich im Darlehensschwindel und im Falschspiel, er verkaufte leichtgläubigen Kunden gestohlene Waren und inszenierte Bankrotte. Teresa: "Bankrotte sind in New England ein großes Geschäft. Der Mob verdient mit ihnen jedes Jahr Millionen."
Das ging so: Der Mob gründete eine Spielzeugfirma, bezahlte bestellte Waren zunächst pünktlich und erwarb sich Vertrauen. "Ein paar Monate vor Weihnachten", so Teresa, "machten wir bei vielleicht 30 oder 40 Fabrikanten große Bestellungen, gleichzeitig versicherten wir das Geschäft und die Waren. Wir verkauften vor dem Weihnachtsbetrieb, so viel wir konnten, und engagierten dann einen guten Spezialisten für Brandstiftung. Wenn dann das Haus abgebrannt war, kassierten wir die Versicherung und erklärten uns für bankrott."
Sie bestachen auch Footballspieler. um die Ergebnisse eines Spiels voraussagen und riesige Wettsummen einkassieren zu können, sie manipulierten fast jedes Hunderennen im Lande und brachten Pferderennen unter ihre Kontrolle.
Das war freilich "eine komplizierte Sache", wie Teresa erzählt: "Man mußte Trainer und Stallburschen dafür bezahlen, daß sie von den Plätzen, wo die Pferde gedopt wurden, verschwanden. Man mußte sich an die richtigen Jockeis heranmachen, man mußte die wirkungsvollsten Drogen bekommen." Entscheidend aber war der Trick mit der Urinprobe: Gewann ein gedoptes Pferd, mußte die Urinprobe durch eine unverfängliche ersetzt werden.
Später setzte das Office Teresa immer mehr in Spielkasinos und im Wertpapierschwindel ein. Er organisierte Spieler-Fahrten, sogenannte Junkets, zu ferngelegenen Kasinos, in denen die Glücksspieler von Spezialisten des Mobs ausgenommen und nicht selten dazu verführt wurden, gefälschte oder gestohlene Wertpapiere zu veräußern, um sich von ihren Schulden zu befreien (siehe Auszug Seite 74).
Das Office des Padrone Patriarca aber konnte ungehindert operieren, weil nahezu die gesamte örtliche Polizei auf seiner Gehaltsliste stand. Allein in Boston arbeiteten von den 360 Kriminalbeamten der Stadt 300 für die Organisation; es gab keine Fahndung, die der Mob nicht unterlaufen konnte.
"Bestochene Polizisten", enthüllt Teresa, "waren die Hauptstützen des Mob von New England. Sie ermöglichten es, daß jährlich schätzungsweise 700 Millionen Dollar durch Kreditbetrug, Falschspielen, Raubüberfälle und Schiebergeschäfte in die Kasse des Mob flossen." In Providence honorierte Patriarca "die halbe Stadt"; Polizisten sprachen mit ihm dienstliche Angelegenheiten durch, mancher wollte den Dienst nicht quittieren, ohne Patriareas Erlaubnis eingeholt zu haben.
* Mit Polizeileutnant Petrosino (l.), der 1909 von der Mafia erschossen wurde.
Zur Weihnachtszeit "kamen Dutzende von Bullen ins Office und holten sich ihre Geldtüten ab", weiß Teresa. "Ebenso war's in Revere, Sommerville, Springfield und Boston. Korruption gehörte zum täglichen Leben."
In ihrem Übermut entging jedoch Teresa und seinen Mob-Freunden, daß sich das FBI, weniger korrumpierbar als die örtliche Polizei, längst einen Weg in die geheime Welt des Office gebahnt hatte. Seit 1962 hörte die Bundeskriminalpolizei jedes Telephongespräch ab, das in Patriarcas Büro geführt wurde. Nach Jahren geduldigen Mithörens begann das FBI, das Imperium des Patriarca aufzubrechen. Sein erster Schlag galt einem Mitarbeiter Teresas, dem Killer Joseph ("Das Tier") Barboza, der am 6. Oktober 1966 mit drei Kumpanen in Boston verhaftet wurde.
Die FBI-Aktion löste in Patriarcas Organisation eine Kettenreaktion wilder Fehden aus. Zwei Mitglieder der Barboza-Bande wollten Geld für eine Kaution zusammenbringen, um ihren Chef aus dem Gefängnis zu holen, und überfielen dabei auch das Bostoner Mob-Lokal "416 Lounge". Es kam zu einer Schießerei; in wenigen Sekunden waren die Barboza-Männer tot.
Die Leichen wurden weggeschafft, doch ein Polizeispitzel namens Joe Lanzi hatte die Schießerei beobachtet und alarmierte die Polizei. Die Polizisten konnten den Fall zwar nicht klären, doch bald wurde auch dem Office bekannt, wer die Polizei informiert hatte.
Am 18. April 1967 stellten drei Killer Patriarcas den Spitzel Lanzi und schossen ihn nieder. Die Leiche legten sie in ihren Wagen und fuhren los, um Lanzi unterwegs aus dem Auto zu werfen. Plötzlich merkten sie, daß ihnen ein Polizeiwagen folgte. Als sie die Polizisten nicht abhängen konnten, verließen sie den Wagen und stürmten davon. Die Verfolger fanden den toten Lanzi und nahmen einen der drei Mörder fest.
Häftling Barboza, der noch immer auf die Kaution wartete, glaubte sich von seinem Boß verraten und stieß wüste Drohungen gegen Patriarca aus. Der Boß wiederum wähnte, Barboza habe im Gefängnis "gesungen". Patriarca: "Ich bring' ihn um, diesen dreckigen Niggerbastard. Er wird umgelegt --- im Knast oder draußen."
Von den Morddrohungen des Office bedrängt, sah Barboza nur einen Ausweg: Er sagte rückhaltlos aus und stellte sich unter den Schutz der Polizei. Das FBI traute freilich der Gefängnisverwaltung nicht und alarmierte den "U.S. Marshals Service", eine kurz zuvor gegründete Sonderpolizei, die wichtige Belastungszeugen vor dem Zugriff der Gangster schützen soll. Barboza wurde in "ein Höllenloch" (Teresa) gebracht: in eine alte Leuchtturmstation auf der Thatcher-Insel vor der Küste.
Vergebens sandte Patriarca den Teresa mit dessen Jacht "Living End" aus, Barboza abzuschießen "Wir hatten Schießeisen mit Zielfernrohr und Schrotflinten an Bord", erinnert sich Teresa. "Wir sahen Männer in Overalls und Posten mit Karabinern. Barboza kriegten wir nie zu Gesicht?
Als Barboza auf ein Gut auf dem Lande verlegt wurde, schickte Patriarca neue Killer aus. Sie kamen deprimiert zurück; an Barboza war nicht heranzukommen. Selbst der Meisterschütze Red Kelley, der Barboza später im Gerichtssaal liquidieren sollte, gab auf -- und begann ebenfalls zu "singen".
Je deutlicher die Marshals demonstrierten, daß sie ihre Zeugen schützen konnten, desto häufiger wechselten Mobster die Fronten. Am Ende zerbrach die ganze Organisation: Patriarca wurde 1968 wegen Anstiftung zum Mord zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, Stabschef Tameleo erhielt die Todesstrafe (noch nicht vollstreckt), einige ihrer Unterbosse verschwanden ebenfalls hinter Gefängnismauern.
"Als Tameleo und Patriarca nicht mehr da waren, war ich vogelfrei", berichtet Teresa. Ein Jahr nach dem Ende des Office fiel auch er der Polizei in die Hände; er folgte dem Vorbild Barbozas und stellte sich den Staatsanwälten zur Verfügung. Seither ist er der begehrteste Kronzeuge amerikanischer Justizgeschichte.

DER SPIEGEL 34/1973
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • New Orleans: Baukräne an eingestürztem Hotel gesprengt
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Tierische Begegnung: Fuchs verzögert den Start einer Boeing 747
  • 50 Jahre Kanzlerwahl Willy Brandt: Der letzte Superstar der Sozialdemokratie