26.09.2005

ZEITGESCHICHTEDDR-Unterhändler wollte fliehen

Wolfgang Vogel, früherer Ost-Berliner Rechtsanwalt, der im Kalten Krieg als Chefunterhändler der DDR eine zentrale Rolle unter anderem beim Freikauf von fast 34 000 politischen Häftlingen spielte, dachte zu Beginn seiner Karriere selbst an Republikflucht. Das offenbarten jetzt ehemalige Mitstreiter der legendären Berliner Fluchthilfegruppe um den Studentenwerksfunktionär Detlef Girrmann der Berliner Historikerin Marion Detjen. Sie schreibt in ihrem gerade erschienenen Fluchthilfe-Buch "Ein Loch in der Mauer", Vogel habe 1962 - etwa zur Zeit des von ihm mit organisierten Austauschs des US-Spionagefliegers Gary Powers und des KGB-Obersts Rudolf Abel - mit Hilfe der Girrmann-Gruppe die DDR verlassen wollen. Die Gruppe habe zugesagt, für Vogel und seine Familie Pässe aus der Schweiz zu besorgen. Vogel bestätigt dem SPIEGEL, Fluchtgedanken gehegt zu haben. Von der Girrmann-Gruppe habe er damals aber nichts gewusst. Vielmehr habe ihm ein mutmaßlicher CIA-Mitarbeiter angeboten, man könne die Familie mit amerikanischen Militärfahrzeugen aus der DDR schleusen. Er habe über die Idee kurz nachgedacht, sie aber alsbald verworfen.

DER SPIEGEL 39/2005
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ZEITGESCHICHTE:
DDR-Unterhändler wollte fliehen

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