26.09.2005

TV-Vorschau

Bambus - Das Wundergras
Mittwoch, 19.00 Uhr, Arte
Bambus ist der Rambo unter den Riesengräsern: Über einen Meter wächst manche Art am Tag, ist elastisch und stabil wie Kunststoff oder Stahl und lässt sich zu Matten, Kohle und Bier verarbeiten. Filmemacher Holger Preuße hat den Pflanzenathleten von der Ernte bis in die Fabriken begleitet. Er zeigt die Bambusbauern der chinesischen Provinz Zhejiang, die die Riesenhalme wie Ameisen den Berg hinunterschleifen, wirft einen Blick in die Labore, wo Gentechniker den Bambus winterfest züchten, und schaut in den Wok, wo die Wintersprossen mit Hundekeule verkocht werden.
Alles auf Zucker!
Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD
Man lacht nicht über Juden, sondern mit ihnen, bemerkte Henryk M. Broder im SPIEGEL zu dieser erfolgreichen deutschen Filmkomödie von Dani Levy, die hier zum ersten Mal im Fernsehen zu besichtigen ist. Jaeckie Zucker (Henry Hübchen) ist ein ziemlich haltloser und total verschuldeter Zocker, der auf sein Geschick mit Billardkugeln setzt, wo andere es mit ehrlicher Arbeit versuchen. Seine Frau (Hannelore Elsner) hat von solchem Schlendrian die Schnauze voll und will sich trennen. Doch da naht vermeintlich Rettung. Jaeckies Mutter ist gestorben, und der orthodoxe, mit ihm seit Jahrzehnten verfeindete Bruder Samuel (Udo Samel) kommt aus Frankfurt samt Familie angeflogen. Der gottvergessene Jaeckie darf das Erbe aber nur antreten, wenn er sich als sittenstrenger Jude präsentiert und die Rituale der Totenwache einhält. Die schöne Komödie lebt vom Hin- und Herpendeln über die Grenze zwischen Heiligem und allzu Menschlichem.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Freitag, 20.15 Uhr, ARD
"Frauenaffin" heißt die Zauberformel für die Koalitionäre der TV-Unterhaltung - Hauptsache, es ist alles süß. Sharon von Wietersheim (Buch und Regie) hat eine Geschichte inszeniert, die Rosamunde Pilchers Schöner-gärtnern-Welt imitiert. Der schwerkranke Gutsbesitzer (Günther Schramm) sucht den verlorenen Sohn (Ralf Bauer) zwecks Versöhnung. Als Sendbotin des weinerlichen Alten macht sich die schöne Ärztin Kate (Ursula Buschhorn) auf die Pumps und, 1000-Euro-Frage, begegnet: A: der Liebe? B: der Liebe? C: der Liebe? Keiner muss bei dieser Frage den Joker verbrauchen.
Zeit der Fische
Sonntag, 19.45 Uhr, BR
Im Freistaat gehen die Uhren anders, manchmal sogar zurück. Als hätte es nie eine Fernseh-Movie-Entwicklung gegeben, keine schnellen Schnitte, keine flinken Dialoge, präsentiert Steffi Kammermeier (Buch und Regie) eine Mär, die aus dem guten alten Bauerngeschichten-Stadl stammen könnte. Zwei Fischerssöhne (Johann Schuler, Winfried Frey) leben, verfeindet, auf der Fraueninsel im Chiemsee. Der eine hat es im Leben zu nichts gebracht (Kinderlähmung, Schulden), der andere leidet trotz Beratung durch eine gute Nonne unter Sprachhemmungen. Dann kommt eines Tages die schöne Restauratorin (Carin C. Tietze) und löst nach vielen Wirren dem redeschwachen Fischers Fritze die Zunge. Beide werden ein Paar, die Brüder versöhnen sich, der Chiemsee grient dazu fisch-fröhlich. Was besticht, ist die Unbekümmertheit, mit der hier ganz altmodisches Fernsehen zelebriert wird. Fürs Verstehen der Dialoge wünscht sich der Zug'reiste Untertitel.

DER SPIEGEL 39/2005
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