26.09.2005

ARCHÄOLOGIEPalast in der Tempelstadt

Thronte über der geheimnisvollen Wüstenstadt Petra in Jordanien gar kein Tempel, sondern eine luxuriöse Prachtburg? Das vermutet das Ausgrabungsteam um den Schweizer Archäologen Stephan Schmid von der französischen Université de Montpellier. Anfang September untersuchten sie die Felskuppe Umm al-Bijara ("Mutter der Zisternen") hoch über der Ruinenstadt. "Bislang nahm man an, dass die Ruinen da oben zu einer alten Tempelanlage gehörten", sagt Schmid, "aber bei genauerem Hinsehen deutet alles auf eine königliche Residenz hin." Statt Spuren von Altären fanden die Forscher bei einer Prospektion Reste von beheizten Speiseräumen, verkleidet mit Marmor und Alabaster. "Die Lage des Palastes war extrem unpraktisch und kann eigentlich nur der Repräsentation gedient haben", so Schmid. "Hier wurde um das erste Jahrhundert vor Christus wohl ein regelrechter Bauwettkampf mit Herodes dem Großen ausgefochten, der ein echter Architekturfreak war." Seit Jahren schon stellt das antike Volk der Nabatäer die Archäologenzunft vor immer neue Rätsel. Unklar ist vor allem, wie die ehemaligen Nomaden binnen kürzester Zeit zu architektonischen Höchstleistungen aufliefen - um kurz darauf wieder in völliger Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

DER SPIEGEL 39/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 39/2005
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ARCHÄOLOGIE:
Palast in der Tempelstadt

  • Doku zu cholesterinreicher Ernährung: Fett for Fun
  • Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen
  • "Uber Boat": In Cambridge kommt der Kahn per App
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt