26.09.2005

MEERESKUNDEMississippi vor Kuba

Die Überflutung von New Orleans könnte auch weit entfernte Meeresregionen und ferne Strände in Mitleidenschaft ziehen. Denn der Mississippi endet nicht mit seinem Delta, sondern fließt als untermeerischer Strom noch rund 2000 Kilometer weiter in Richtung Kuba. Erst quert er den Golf von Mexiko, umströmt dann Florida und dringt bei einigen Wetterlagen sogar bis in den Atlantik. Das hat ein Team aus Ozeanografen und Satellitenfachleuten mit Hilfe von Bildern aus dem All und Messungen von Bojen und Forschungsschiffen festgestellt und in der Zeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht. "Die schmutzige Brühe, die derzeit in New Orleans abgepumpt wird, geht großenteils ungefiltert in den Mississippi", sagt Mitch Roffers, ein beteiligter Fischereiexperte aus Florida. "Möglicherweise werden hier leichtfertig riesige Fischgründe bis hin zu den Florida Keys mit Schwermetallen, Lösungsmitteln, Öl und gefährlichen Bakterien verseucht." Außerdem leiden die am Boden lebenden Tiere wie Krebse und Muscheln darunter, dass der Unterwasser-Mississippi sie derzeit unter einer dicken Schicht Schlamm begräbt. "Nur die Haie scheinen sich in der giftigen Brühe aus New Orleans wohl zu fühlen", so Roffers, "die werden derzeit in großen Scharen angezogen von den mitgespülten Tierkadavern." Eine genaue Analyse, wie und wo der Fluss das Meer in Mitleidenschaft zieht, liegt bisher nicht vor - denn die Forscher mussten vorige Woche zunächst einmal sich und ihre Schiffe in Sicherheit bringen: vor "Rita", dem nächsten Wirbelsturm.

DER SPIEGEL 39/2005
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