26.09.2005

GASPREISE„Weiterhin steigende Energiekosten“

Hans-Jakob Tiessen, 57, Vorstandschef von E.on Hanse über die erste Sammelklage gegen sein Unternehmen wegen des Vorwurfs überhöhter Preise
SPIEGEL: Im Dezember wird vom Landgericht Hamburg voraussichtlich ein Urteil gefällt, wonach Ihr Unternehmen die Kalkulation offen legen muss, die eine 25-prozentige Gaspreiserhöhung seit Oktober 2004 rechtfertigt. Werden Sie es darauf ankommen lassen oder vorher die Preise senken?
Tiessen: Unsere Preise bilden sich am Markt und sind wesentlich abhängig von unseren Einkaufspreisen. Im letzten Jahr haben sich unsere Bezugskosten um über 40 Prozent erhöht. Ein Gutachten, das dies bestätigt, liegt dem Gericht vor. Die weltweit steigende Nachfrage nach Energie verknappt das Angebot. Deshalb ist auch weiterhin mit steigenden Energiekosten zu rechnen.
SPIEGEL: Der Gasbezug aus dem Ausland hat sich für Sie seit Anfang des Jahres um 0,336 Cent je Kilowattstunde verteuert. Warum haben Sie die Verbraucherpreise mit 0,67 Cent um das Doppelte erhöht?
Tiessen: Diese Zahlen haben mit unseren Lieferkonditionen nichts zu tun. Seit August 2004 sind die Gasbezugskosten wesentlich stärker gestiegen als unsere Verkaufspreise. Dies belastet unser Ergebnis, aber das nehmen wir bewusst auf uns, um den Haushaltskunden nicht noch stärker zu belasten und im Wettbewerb zu Öl und Fernwärme weiter die Nase vorn zu haben. Auf Dauer können wir das nicht durchhalten.
SPIEGEL: Bereits im Sommer 2004 waren die Preise deutlich überhöht. Denn die zwischen Frühjahr 2003 und Frühjahr 2004 gesunkenen Importpreise wurden kaum an die Verbraucher weitergegeben. Warum nicht?
Tiessen: Dies können wir so nicht nachvollziehen. Grundsätzlich halten wir die Gaspreise über längere Zeiträume stabil. Damit vermeiden wir, dass die Preise in zu kurzen Abständen angepasst werden müssen. Unsere Kunden werden dabei keineswegs benachteiligt.
SPIEGEL: Was versprechen Sie sich davon, Kunden, die Ihren Preissteigerungen widersprechen, mit juristischen Schritten zu drohen oder gar anzukündigen, die Versorgung einzustellen?
Tiessen: Wir drehen keinem Kunden, der Widerspruch eingelegt hat, den Gashahn ab. Der Kunde erhält von uns eine Jahresverbrauchsabrechnung auf Basis der geltenden Preise. Natürlich muss er für die bereits in Anspruch genommene Leistung auch zahlen. Alles andere ginge zu Lasten unserer anderen Kunden.

DER SPIEGEL 39/2005
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