26.09.2005

KALININGRAD/KÖNIGSBERGPutins neuer Besen

Mit einem handstreichartigen Unternehmen hat Präsident Wladimir Putin die Führung in Russlands Ostsee-Exklave ausgetauscht. Obwohl der bisherige Gouverneur, Admiral a. D. Wladimir Jegorow, 66, noch zwei Monate zu amtieren hatte, drückte Moskau mit Hilfe des Gebietsparlaments einen neuen Mann für den Chefsessel durch: Georgij Boos, 42, Mitglied der Kremlpartei Einiges Russland und bisher stellvertretender Vorsitzender der Staatsduma. Zusätzlich durch öffentliche Korruptionsanschuldigungen entnervt, trat Jegorow vorige Woche zurück. Parteigenossen feiern Nachfolger Boos als "einen der besten Manager Russlands"; in Wirklichkeit aber geht es Putin
darum, endlich einen verlässlichen Vertreter der Zentrale auf dem westlichsten Gouverneursposten zu wissen. Boos soll die korrupten Strukturen in der Provinz aufbrechen und verhindern, dass dort weiterhin Staatsgelder versickern. Vorab präsentierte sich der Neue wortreich als Retter des Ostseesprengels: Binnen fünf Jahren, so versprach er, würden die Kaliningrader leben wie ihre Nachbarn in Litauen und Polen, nach weiteren fünf angeblich so wie die Deutschen. Ähnliche Prognosen hatten schon seine Vorgänger gewagt, dabei liegt Kaliningrad im Pro-Kopf-Einkommen nach wie vor weit hinter Vilnius und Warschau zurück. Immerhin: Als erster Gouverneur pries Boos die "Denkmäler des Deutschen Ritterordens und der preußischen Monarchie" im einstigen Königsberg - man müsse sie wiederherstellen, "um den Tourismus anzukurbeln".

DER SPIEGEL 39/2005
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