26.09.2005

LATEINAMERIKAEingreiftruppe für die Anden?

Die geplante Entsendung US-amerikanischer Soldaten nach Paraguay schürt in den Nachbarländern die Furcht vor einer militärischen Intervention in der Region. Politiker in Argentinien und Uruguay hegen den Verdacht, Washington wolle eine Militärbasis errichten, um bei Unruhen in der politisch instabilen Anden-Region rasch eingreifen zu können. Tatsächlich hat Paraguay der Bush-Regierung die Stationierung von bis zu 400 Soldaten für gemeinsame Manöver bis Ende 2006 erlaubt. Die wiederum hat dem Land im Gegenzug wirtschaftliche Vergünstigungen in Aussicht gestellt. Auch politisch umwirbt Washington Präsident Nicanor Duarte. Er wurde als erster paraguayischer Staatschef im Weißen Haus empfangen, Mitte August kam Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zu einem Überraschungsbesuch nach Asunción. Eine Militärallianz wäre für die USA von unschätzbarem Wert: Paraguay liegt strategisch günstig. US-Marines könnten leicht im benachbarten Bolivien eingreifen, einem chronischen Unruheherd. Außerdem hätte die Bush-Administration direkten Zugang zu dem Länderdreieck Paraguay, Argentinien und Brasilien, das als Fluchtburg für islamische Terroristen und Drogenhändler gilt. Washington ist verstärkt auf der Suche nach einem Verbündeten in Lateinamerika. Denn die meisten Länder werden inzwischen von Linken, Linkspopulisten oder Sozialdemokraten regiert, nur Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe unterstützt die US-Regierung. Und in Ecuador, wo Washington eine Militärbasis besitzt, wächst seit dem Sturz des US-freundlichen Präsidenten Lucio Gutiérrez vor fünf Monaten der Widerstand gegen die Präsenz der Amerikaner.

DER SPIEGEL 39/2005
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