26.09.2005

GESTORBENFriedrich Karl Waechter

Friedrich Karl Waechter , 67. Seine Cartoons hoben die Realität so sachte aus den Angeln, dass dabei statt knalliger Pointen oft schiere Philosophie entstand: Ob kantig umrissen, altmeisterlich schraffiert, kurios collagiert oder mit perfektem Schattenwurf getuscht, immer rückt das Absurde überraschend nah. Schon in der Schule wollte der Lehrersohn aus Danzig Zeichner werden; sein Vorbild war das US-Genie Saul Steinberg. Als Waechter 1962 mit Freunden das Satireblatt "Pardon" gründete - dessen höflich den Hut ziehendes Titel-Teuflein er entwarf -, brach eine neue Ära bundesdeutschen Humors an. Im blühenden Nonsens der Monatsserie "Welt im Spiegel" und in Büchern wie "Die Wahrheit über Arnold Hau" (1966) zeigte die "Neue Frankfurter Schule" der spröden Nachkriegsbiederkeit spielerisch den Vogel; mit Kinderbüchern wie auch Theaterstücken ("Schule mit Clowns", 1977) weckte Waechter Frechheit und Kreativität. Sprichwörtlich bleiben wird der Titel seines grandios melancholischen Cartoon-Bandes von 1978: "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein". Friedrich Karl Waechter starb am 16. September in Frankfurt am Main an Krebs.

DER SPIEGEL 39/2005
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