07.05.1973

Wagner-Stiftung: Wohnrecht für Winifred

Neue Hüter für den Gral: Familie Wagner hat, gegen 13 Millionen Mark, den Nachlaß des Komponisten einer von Bund, Land, Bezirk und Stadt Bayreuth begründeten "Richard-Wagner-Stiftung" übergeben. An der Transaktion war vor allem den Bayreuther Stadtvätern gelegen, die sich seit langem um den Bestand ihres Opernbetriebs sorgten und außerdem den Ausverkauf des Wagner-Erbes fürchteten. In einem Münchner Auktionshaus etwa mußte die Erbengemeinschaft ein Franz-Liszt-Porträt von Ingres für 105 000 Mark zurückersteigern, das Richards Urenkel Wolf-Siegfried ("Wummi") verhökern wollte. Als die Gralshüter schließlich bereit waren, den Nachlaß für 15 bis 20 Millionen Mark an den Staat abzutreten, winkte Bonn zunächst ab und willigte erst ein, nachdem Bayreuths Oberbürgermeister Wild bei Kanzler Brandt und Innenminister Genscher vorgesprochen und eine Experten-Kommission den Erbwert auf 12,4 Millionen Mark veranschlagt hatte. Winifred Wagner, Schwiegertochter des Tondichters, und ihr Sohn Wolfgang bewegten auch den zerstrittenen Clan zu dieser "optimalen Lösung" (Wild). Immerhin bleibt sichergestellt, daß ein (qualifizierter) Wagner-Nachkomme auch künftig das Musikfestival leitet und Winifred, 75, lebenslang in ihrem "Führerbau", einem Seitenflügel des Hauses Wahnfried, wohnen darf.

DER SPIEGEL 19/1973
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