11.02.1959

HENRY A. KISSINGER

- am 27. Mai 1923 zu Fürth in Bayern geboren, im Jahre 1938 nach Amerika emigriert - gehört zu der jungen Generation amerikanischer Universitätsprofessoren, die mehr und mehr Einfluß auf die Politik der Vereinigten Staaten nehmen.
Nach dreijährigem Kriegsdienst in der amerikanischen Armee, die ihn mit dem Bronzestern (dem Eisernen Kreuz II. Klasse vergleichbar) und zwei Ehrenurkunden auszeichnete, und nach sechsjährigem Universitätsstudium (Hauptfach: Staatswissenschaften), das er als Stipendiat absolvierte, promovierte er mit einer preisgekrönten Dissertation an der Harvard-Universität, die ihn 1954 auf einen Lehrstuhl für Politische Wissenschaften berief.
IN DER POLITIK betätigte sich Kissinger bereits 1951 als Geschäftsführer des "Internationalen Seminars" der Harvard-Universität. Gleichzeitig gründete er die Dreimonatsschrift "Confluence - An International Forum" ("Sammlung - Ein Internationales Forum"), als deren Herausgeber er seit 1952 fungiert. Außerdem hatte er entscheidenden Einfluß auf die Vergabe der Mittel des "Special Studies Project" (Studienplans) der Rockefeller Stiftung.
ALS BERATER Nelson A. Rockefellers, der seinerseits den Präsidenten Eisenhower beriet und im Herbst 1958 zum Gouverneur des Staates New York gewählt wurde, nahm Kissinger erstmals Anteil an Staatsgeschäften.
Strategie und Diplomatie hieß das Thema, mit dem sich eine Studiengruppe des Council on Foreign Relations (des Rats für Auswärtige Beziehungen) in New York befaßte. Nach eineinhalbjähriger Arbeit gewann diese Studiengruppe, in der 33 Politiker, Militärs, Wissenschaftler, Industrielle und Techniker saßen, die Überzeugung, daß die Möglichkeiten, die sich der Diskussion boten, erschöpft waren. Da die voneinander abweichenden Meinungen durch einen Ausschußbericht nicht in Übereinstimmung gebracht werden konnten, wurde Kissinger, der von Anfang an mitgearbeitet hatte, vom Ausschuß beauftragt, die Arbeitsergebnisse in einem Buch zusammenzufassen. Das Resultat - "Kernwaffen und Auswärtige Politik"* - gibt die persönliche Auffassung des Verfassers wieder, der in diesem Buch seine Theorie des begrenzten Atomkrieges entwirft - eine Doktrin, die nicht ohne Einfluß auf das strategische Konzept der Nato geblieben ist.
BONN lud Kissinger vor einigen Wochen ein, die politischen Verhältnisse in Deutschland zu studieren. Als Gast der Bundesregierung hielt er vor den höheren Truppenführern und Generalstäblern der Bundeswehr einen Vortrag über seine Doktrin des begrenzten Krieges, derzufolge auch die Bundeswehr mit -Atomwaffen ausgerüstet werden muß.
* Henry A. Kissinger: "Kernwaffen und Auswärtige Politik"; R. Oldenbourg Verlag, München; 420 Seiten; 26 Mark

DER SPIEGEL 7/1959
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