01.07.1959

DIE RHEINISCH-WESTFÄLISCHE BÖRSE

DIE RHEINISCH-WESTFÄLISCHE BÖRSE zu Düsseldorf gilt als die größte der acht westdeutschen Wertpapierbörsen. Im Jahre 1875 von Düsseldorfer Kaufleuten gegründet, fusionierte sie 1935 mit den Börsen Essen und Köln und gewann dadurch zentrale Bedeutung für das westdeutsche Wirtschaftsleben. In ihrem Einzugsgebiet ist heute die Hälfte des Kapitals aller westdeutschen Aktiengesellschaften beheimatet. Der Gesamtumsatz von Wertpapieren an der Düsseldorfer Börse betrug im Jahre 1958 etwa 18 Milliarden Mark (Frankfurter Börse: 11,5 Milliarden Mark). Am 30. April 1959 machte der Nominalwert der in Düsseldorf amtlich notierten Wertpapiere 30,7 Milliarden Mark aus.
PRÄSIDENT der Düsseldorfer Börse ist Bankier Kurt Forberg, Mitinhaber des Privatbankhauses C. G. Trinkaus in Düsseldorf. Forberg wurde am 4. November 1900 als Sohn des Kupferstechers und Professors an der Düsseldorfer Kunstakademie Ernst Forberg geboren. Sein Berufswunsch, Cellist zu werden, zerschlug sich am Einspruch der Mutter, die - nach dem Tode des Vaters und zweier Brüder - für einen Brotberuf plädierte.
KURT FORBERG trat 1918 in die Rheinisch -Westfälische Disconto-Gesellschaft (später in der Dresdner Bank aufgegangen) als Lehrling ein. Drei Jahre darauf, als er in das Düsseldorfer Bankhaus Wilhelm Engels überwechselte, entschied sich Forberg für das Spezialgebiet der Wertpapierbörse. Im Jahre 1929 fusionierte das Bankhaus Engels mit der Trinkaus-Bank (gegründet 1785). 1935 wurde Forberg Mitinhaber, und seit 1953 ist er Senior des Hauses. Unter seiner Leitung entwickelte sich C. G. Trinkaus zu einer der größten Privatbanken der Bundesrepublik, die heute an allen bedeutenden Aktien - und Anleihe-Emissionen in Westdeutschland beteiligt ist.
Forberg, dessen Großvater als Cellist mit dem romantischen Komponisten Robert Schumann (1810 bis 1856) persönlich bekannt gewesen war, spielte selbst 30 Jahre lang, von 1920 bis 1950, das Cello im Orchester des Düsseldorfer Bachvereins. Er gilt auch als renommierter Sammler von Werken des deutschen Expressionismus, besonders der Maler der "Brücke" und des "Blauen Reiters".
DIE BÖRSE in Düsseldorf wählte Kurt Forberg im Juli 1948 zu ihrem Präsidenten. Er sitzt überdies in etlichen Aufsichtsräten und gehört auch dem Vorstand der konzentrationsfeindlichen Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer e.V. an.
Am Montag vergangener Woche sprachen Forberg und die Präsidenten der anderen westdeutschen Wertpapierbörsen im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn vor, um dem festgefahrenen Regierungsprogramm zur Verbreiterung des deutschen Aktien-Angebots auf die Sprünge zu helfen.

DER SPIEGEL 27/1959
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