01.07.1959

NEU IN DEUTSCHLANDKazimierz Brandys: „Die Mutter der Könige“.

Dieser Roman eines polnischen Schrittstellers der jungen Generation läßt an die Prosa des in Deutschland bekannteren Marek Hlasko denken; aber der spröde, rücksichtslose Brandys ist politisch konsequenter. Im Schicksal der Arbeiterwitwe Lucja König, die ein Leben lang um das tägliche Brot für sich und ihre vier Söhne (die "Könige") kämpfen muß, zeichnet er schlimme Erfahrungen seines Volkes: Not und Opfer, Furcht und Grauen als Begleiter durch Jahrzehnte. Vorkriegs- und Kriegserlebnisse seiner Romanfiguren verwendet der Autor nur als Ergänzungen, sein Hauptthema ist die Kritik am Stalinismus. Der Lieblingssohn Lucja Königs, Widerstandskämpfer gegen die Nazis und gläubiger Kommunist, geht in den Kellern der Geheimpolizei zugrunde, weil er Wahrheit über Parteidisziplin stellt. Der zweite Sohn wird zum Menschenschinder und Opportunisten, der dritte zum Trinker; der vierte und jüngste verzweifelt an- der großen Lüge und rettet sich in die Poesie. Nur die Mutter der "Könige" ändert sich nicht: Sie verkörpert die unauslöschliche Hoffnung der Erniedrigten. Das nach seinem Erscheinen 1957 sogleich vergriffene Buch durfte nach dem Zurückgehen des Tauwetters in Polen nicht wieder aufgelegt werden. (Kiepenheuer & Witsch, Köln; 228 Seiten; 14,80 Mark.)

DER SPIEGEL 27/1959
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