19.03.1973

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

Montag, 19. 3.
20.15 Uhr. ARD. Monitor
Moderator: Claus-Hinrich Casdorff. Das WDR-Magazin plant einen Kurz-Report über den Bundesgrenzschutz und mokiert sich über "die Suche des Bundestagsabgeordneten Conrad Ahlers nach Beruf und Profil". Außerdem soll über den Plan der Frankfurter SPD berichtet werden, in städtischen Wohnungen künftig eine "einkommensorientierte" Miete einzuführen. Im "Kreuzfeuer": Jochen Steffen.
21.00 Uhr. ZDF. Ein Mann besiegt seine Angst (sw)
Ähnlich wie zwei Jahre zuvor Elia Kazan in dem sozialkritischen Thriller "Die Faust im Nacken" schildert US-Regisseur Martin Ritt in seinem Kino-Erstling (1956) Terror und Ausbeutung unter New Yorker Dock-Arbeitern. Mit Sidney Poitier (r.) und John Cassavetes.
21.45 Uhr. ARD. Kathedralen in der Wüste
An Fehlplanungen in der Region Tarent, die als Paradebeispiel für die Industrialisierung des italienischen Südens gilt, wollen die Frankfurter Journalisten Edith Schmidt und David Wittenberg "einige Ursachen für die chronische Krise Italiens" sichtbar machen.
22.50 Uhr. ARD. Bruno der Schwarze Der Sonderling und Straßenmusikant Bruno 5. (Photo), unehelich geboren, aus vielen Heimen ausgerückt und aus dem letzten als "geheilt" entlassen, malt, musiziert und spricht vor der Kamera des Berliner Filmakademie-Absolventen Lutz Eisholz" 33: "Mir hat man verurteilt für die Einsamkeit", sagt er, "die Religion ist bei mir erfroren." Und: "Ich traue den Menschen nur so weit, wie ein Schwein scheißen tut." Doch damit das Publikum den intelligenten, aber ungeschulten Gelegenheitsarbeiter auch als Opfer der Gesellschaft wahrnimmt und sich nicht auf seine Kosten amüsiert, hat Eisholz die Selbstaussagen verfremdet: Interviews mit Nachbarn, Schwarzweiß-Passagen und öde Straßenbilder schaffen, mitunter unbeholfen, Distanz
Dienstag, 20. 3.
21.00 Uhr. ARD. Der Teufelsschüler G. B. Shaws Frühwerk (1897), eine sottisenreiche Attacke auf Puritanismus und Bigotterie während des amerikanischen Befreiungskriegs, ist von TV-Regisseur Ludwig Cremer (mit Edith Heerdegen und Heinz Bennent) für den Südwestfunk inszeniert worden.
21.50 Uhr. ZDF. Der beteiligte Zuschauer
Mit TV-Reihen wie "Pro und Contra"" "Glashaus", "Gespräch mit dem Zuschauer", "Wünsch Dir was" und "Direkt" werben ARD und ZDF um eine Mitwirkung der Zuschauer am Programm. Wieweit diese Bemühungen aufrichtig sind, will ZDF-Redakteur Helmut Greulich ("Direkt") im Gespräch mit Fernsehkritikern überprüfen.
22.45 Uhr. ARD. Max Reger
Die Südwestfunk-Dokumentation will den Komponisten an seinem 100. Geburtstag zum "genialsten Vertreter des Fin de siècle" aufbauen.
Mittwoch, 21. 3.
20.10 Uhr. ZDF. Fußball-Europapokal der Landesmeister: Bayern München gegen Ajax Amsterdam
Nach wochenlangen Querelen hat der FC Bayern nun (für 160000 Mark) die Live-Übertragung des Rückspiels aus dem Olympia-Stadion zugesichert. Die Eurovisionssendung wird in 19 Länder übertragen.
20.15 Uhr. ARD. Mit 18 geschäftsfähig?
Mit der (für dieses Jahr angekündigten) Herabsetzung der Volljährigkeit auf 18 Jahre soll "die tatsächlich vollzogene Emanzipation" der Jugendlichen "in allen Lebensbereichen" berücksichtigt werden. Der Münchner Redakteur Henne L. Wuermeling hat Lehrlinge, Schüler, Eltern und Chefs zu dem Gesetzentwurf befragt.
20.15 Uhr. WDR (III). Unser täglich Brot (sw)
Zu dem unpathetischen Arbeiterfilm (1949) des DDR-Regisseurs Slatan Dudow ("Kuhle Wampe") schrieb Hanns Eisler die Begleitmusik.
20.15 Uhr. BR (III). Die Sage von Anatahan (sw)
Josef von Sternbergs letzter und wenig erfolgreicher Spielfilm (1953), ein in Japan gedrehtes stilisiertes Antikriegsstück, zu dem er selbst den Kommentar spricht. Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
22.00 Uhr ZDF Magazin Moderator Gerhard Lowenthal
Donnerstag, 22. 3.
20.15 Uhr. ARD. Vater sein dagegen sehr
Mit dem deutschen Kinoschwank (1957) von Kurt Meisel wird die 30teilige Heinz-Rühmann-Retrospektive fortgesetzt, nach ARD-Meinung "mit das Beste, was im Genre des leichten Unterhaltungsfilms jemals in Deutschland gedreht worden ist".
21.45 Uhr. ARD. Kontraste
Moderator: Peter Pechel. Angekündigt sind Beobachtungen und Gespräche bei der Leipziger Messe sowie Berichte über die Ausbildung von Leitungskadern in Rumänien und über die deutsch-polnische Zusammenarbeit beim Bau von zwei Fleischkombinaten in Polen. Ferner sollen Film-Impressionen aus Moskau gezeigt werden, eine Ko-Produktion mit der Sowjet-Agentur Nowosti.
21.45 Uhr. ZDF. Journalisten fragen -- Politiker antworten
In der Appel-Runde soll über "aktuelle Tagespolitik" und über die Misere der Berufsausbildung diskutiert werden. Eingeladen wurden Wissenschaftsminister von Dohnanyi, EDP-Sonderminister Maihofer, der CDU-Vorsitzende der Kommission für berufliche Bildung, Georg Gölter, der CSU-Politiker Stücklen und zwölf Bonner Lehrlinge. 22.50 Uhr. ARD. Die Wechsel jahre des Mannes
In der neuen Folge der SFB-"Tabureihe" will Ann Schäfer Männern über 40 Ratschläge für das "Krisenalter" geben (siehe Seite 175).
Freitag, 23.3.
20.15 Uhr. ARD. Titel, Thesen, Temperamente
Das Magazin informiert unter anderem über die Welle brutaler Ritter-Filme aus Hongkong, die jetzt auch in der Bundesrepublik angekommen ist, und kritisiert die für Film-Importe aus Ostblock-Staaten noch immer erforderliche "Unbedenklichkeitsprüfung" bundesdeutscher Behörden.
20.15 Uhr. ZDF. Du stirbst nicht allein (sw)
In seinem neuen Dokumentarspiel rekapituliert Drehbuch-Routinier Hellmut Andics die Geschichte des westfälischen Geistlichen Franz Stock (Udo Vioff, Photo), der sich als Standortpfarrer der deutschen Wehrmacht im besetzten Paris für politische Häftlinge verschiedener Nationen einsetzte.
20.15 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Schulwege -- Gefahr von links?
Die TV-Autoren Manfred Eichel und Andreas Jacobsen berichten über die von Hessens Sozialdemokraten vorgelegten Rahmenrichtlinien für die Unterrichtsfächer Deutsch und Gesellschaftslehre, in denen die FDP eine "schon im Denkansatz gefährliche Indoktrination der Schüler in marxistischen Kategorien" sieht.
20.15 Uhr. HR (II)). ta terra trema (sw)
Luchino Viscontis dokumentarische Kino-Arbeit von 1948 (Thema: die Ausbeutung sizilianischer Fischer durch Großhändler) gehört zu den Hauptwerken des italienischen Neorealismus der Nachkriegsjahre.
21.00 Uhr. WDR (III). Unabhängig -- wovon, wodurch, wozu?
Aufzeichnung eines internationalen Symposions (Thema: "Weltspiegel der Fernsehsysteme"), zu dem Werner Hofer anläßlich der Verleihung des Grimme-Preises Programm-Verantwortliche, Medienexperten und Kritiker eingeladen hat.
21.00 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Staatsfeinde?
Der Gelsenkirchner Schriftsteller Philipp Wiebe porträtiert kommunistische Arbeiter aus fünf Generationen, die in Deutschland wegen ihrer politischen Gesinnung verfolgt oder diskriminiert worden sind.
Samstag, 24.3.
15.15 Uhr. ARD. Klatschmohn Durch "Funmaker" in Fabrikhallen versuchen amerikanische Firmen neuerdings die Produktivität der Arbeitnehmer zu steigern. Das WDR-Jugendmagazin stellt dieses Experiment mit dem Discjockey um Elstner im Studio nach.
18.45 Uhr. ARD. Markt
Moderator: Friedhelm Busch. Berichtet wird über ein "Schwarzbuch" der Post, das der Verband der Postbenutzer vorlegen will. Ferner ein kritischer Beitrag über die neuen Tarife in der Metallindustrie, die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber im Studio diskutieren.
18.45 Uhr. ZDF. Direkt
Junge Betriebsräte und ZDF-Autoren berichten über die Auswirkungen der wilden Streiks bei den Dortmunder Hoesch-Werken und einer Schuhfabrik in Zweibrücken. Essener Jung-Gewerkschafter kritisieren Mißstände an den dortigen Berufsschulen.
21.00 Uhr. WDR (III). Schock-Korridor (sw)
Amerikanischer Action-Film (1963) von Samuel Fuller. Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
23.10 Uhr. ZDF. Straße ohne Namen (sw)
Der dokumentarische Kriminalfilm (1948) von US-Regisseur William Keighley spielt im Chicago der dreißiger Jahre.
Sonntag, 25.3.
20.15 Uhr. ARD. Noch einmal mit Gefühl ...
Nostalgie, "das schickste Etikett der Saison" (ARD), nun auch im Fernsehen. Ihren Report über das Geschäft mit der Sehnsucht haben Journalist Felix Perelsztein und Istvan Bury (Regie) mit Beispielen aus Mode, Musik, Film, Werbung und Wohnung bebildert. 20.15 Uhr. ZDF. Eine egoistische Liebe
Nachdem er an sechs Sonntagen der Fernseh-Nation Leiden und Abenteuer des preußischen Adelssprosses Friedrich Freiherr von der Trenck nahegebracht hat, versucht sich Drehbuch-Autor Leopold Ahlsen wieder an einem "sehr anrührsamen" Stoff: Mit seiner TV-Version des autobiographischen Entwicklungsromans "Söhne und Liebhabe?" von D. H. Lawrence (Regie: Wolfgang Liebeneiner) will er "die Schwierigkeiten junger Leute mit ihrer erwachenden Sexualität" deutlich machen. Photo: Wolfram Weniger und Christiane Hörbiger.
21.00 Uhr. ARD. Ich log die Wahrheit "Hart an der Grenze zum Operettenklamauk" (so Kritiker nach der Erstsendung im BR-Studienprogramm) hat der Wiener Film-Professor Harald Zusanek seine Ilias-Travestie inszeniert, in der sich der Gefreite Homer vor der Teilnahme am Trojanischen Krieg drücken will.
21.00 Uhr. NDR, RB, SFB (III). Unterhaltung in der DDR
Die Produktion der Ost-Berliner Defa-Studios will über U-Musik im DDR-Fernsehen informieren.
21.00 Uhr. BR (III). Alain Robbe-Grillet
Im Anschluß an das TV-Porträt des Nouveau-Romanciers wird sein 1968 gedrehter dritter Spielfilm "Der Mann, der lügt" gezeigt. die mit Kafka-Visionen, Action- und Horrorfilm-Passagen versetzten Erinnerungen eines slowakischen Partisanen (Jean-Louis Trintignant).
22.05 Uhr. ZDF. Mein Name ist Isaac Stern
Der in Amerika lebende jüdische Geiger, der seit Kriegsende Tournee-Angebote aus der Bundesrepublik ablehnt, wird von dem französischen Journalisten Gérard Patris porträtiert.

DER SPIEGEL 12/1973
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