05.03.1973

FILMHiebe vom Kleinen

Das italienische Komiker-Duo Terence Hill und Bud Spencer hat, erstmals seit den Tagen von Dick und Doof, mit Slapsticks im Kino Erfolg.
Ganz gleich wo sie auftreten, im Kino oder in der Kneipe nebenan -- das Publikum applaudiert, und die Kasse stimmt.
25 Millionen Mark binnen vier Monaten war es allein den Italienern wert, ihre Landsleute Terence Hill (bürgerlich Mario Girotti, 31) und Bud Spencer (Carlo Pedersoli, 42) in einem Western zu betrachten. Und wenn die Cowboys im Ausland auf der Leinwand erscheinen, melden auch viele deutsche, holländische, norwegische, süd- und nordamerikanische Lichtspieltheaterbesitzer "Hausrekord". Sogar die Kritiker sind zufrieden.
Denn das anglisierte Erfolgs-Duo Hill (rank, blauäugig) und Spencer (120 Kilo schwer, finster) hat seit 1967 gleich zwei Kinomarkt-Lücken erobert:
Hill und Spencer sind das erste international bekannte Spaßmacher-Paar seit Laurel und Hardy ("Dick und Doof") und zugleich die Wiederentdecker jener volkstümlichen Slapstick-Komik aus der Frühzeit des Films, die dem Kino mit den Jahren abhanden gekommen war.
Ihre ersten Lichtspiele im Partner-Look, etwa "Vier für ein Ave Maria" von Giuseppe Colizzi (1968). waren noch blutige Italo-Western mit Gag-Einlagen. Doch 1971, mit "Vier Fäuste für ein Halleluja" von Enzo Barboni alias E. B. Clucher, hatten sie ihren Filmtyp (Hill: "Märchen-Abenteuer") und ihre Rollen gefunden. Von guten Vorbildern übernehmen sie das Beste.
Sie sind so autoritätsfeindlich wie der frühe Chaplin. Wie Buster Keaton entgehen sie ahnungslos jeder noch so großen Gefahr. Wie Laurel und Hardy warten sie nicht auf einen Herausforderer, wenn sie sich prügeln wollen --Temperamentsunterschiede führen auch schon mal zu einem Zoff unter Freunden.
Spencer ist "der Kleine mit dem kurzen Verstand: Hill gibt pfiffig den "müden Joe", und beide provozieren Heiterkeit durch erfrischend asoziales Verhalten: Unrasiert und verdreckt schwören sie dem sterbenden Vater. "tüchtige Banditen" zu werden. Ihr erster Coup in "Vier Fäuste für ein Halleluja": Eroberung einer Pfanne voll Bohnen, die ihnen sogleich von noch tüchtigeren Gaunern wieder abgenommen wird. Und obgleich der Kleine kräftig genug ist, jeden Gegner mit einem Fausthieb auf den Schädel mattzusetzen -- sie bleiben arme Teufel.
Sie erbeuten einen Schatz, werden ihn im Kampf ums nackte Leben wieder los und machen sich nichts daraus: Anders als die zielstrebigen Kollegen aus den härteren Spaghetti-Western sind die "Halleluja"-Helden nicht auf Siege, sondern auf immer neue Abenteuer (und die Fortsetzung der Filmserie) aus.
Mit den "Vier Fäusten", auch "genau das Richtige für frustrierte Linke" ("Konkret), holte der Adria-Verleih in Deutschland über die Hälfte seines Jahresumsatzes herein und inspirierte Konkurrenten, die weder Hill noch Spencer zu bieten hatten, zu einer Flut von frommen Titel-Sprüchen:
Sie annoncierten ihre Filme als "Ein Halleluja" für "zwei Pistolen", "drei Halunken", "zwei linke Brüder" und "für den Teufel". Sie riefen "Verflucht, verdammt und Halleluja" und beteten (zum Verdruß protestierender Katholiken) "Drei Amen für den Satan".
Auch die Urheber von soviel Branchen-Einfalt sind demnächst dem Leibhaftigen nahe: Als "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle" haben sie den Western verlassen und erproben sich in der Rolle von Bruchpiloten
mit gewohnt harmlosen Scherzen. über die binnen 17 Tagen nach der Premiere 2,2 Millionen Italiener lachten.
Das Jux-Werk von Giuseppe Colizzi es kommt am Dienstag dieser Woche auch in deutsche Kinos soll den Helden. die ohne Stuntman filmen, ihre Gags meist selbst erfinden und zur Anregung "jeden neuen Western" prüfen" Geld "für andere Dinge" (Hill) verdienen: Von seiner Gage (er bekommt "ein wenig mehr" als Spencer) will Terence Hill, der "jahrelang sehr arm" und einst in deutschen Karl-May-Filmen als Beau begehrt war, einen Hermann-Hesse-Stoff in eigener Regie verfilmen.
Partner Spencer" promovierter Jurist und vor der Filmkarriere Olympiaschwimmer in Helsinki und Melbourne (100 Meter Freistil, Wasserball), hat sich schon eine Farm in der Nähe von Rom geleistet und tritt auch ohne Hill vor die Kamera.
Denn "der Erfolg", sagt er, "kann jede Minute enden". Um ihn nicht durch zu häufiges Zusammenspiel zu gefährden, haben die beiden darum schon beschlossen: "Ein gemeinsamer Film pro Jahr -- das reicht."

DER SPIEGEL 10/1973
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