09.04.1973

So schnell und fähig

Das Heer will Erfahrungen aus dem Hubschrauberkrieg in Vietnam für den deutschen Gebrauch abwandeln. Die Heeresflieger glauben ein Mittel gegen die etwa dreifache Panzerüberlegenheit des Warschauer Paktes in Europa gefunden zu haben: den Panzerabwehrhubschrauber (PAH).
Der Rüstungsstaatssekretär der Hardthöhe, Siegfried. Mann, genehmigte jetzt den Heeresfliegern Millionenbeträge: Ihr Inspizient, Brigadegeneral Hans Drebing, darf seit dem 1. April mit einer Hubschrauber-Versuchsstaffel von zehn -- vom Luftfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) gecharterten -- Klein-Helikoptern des Typs Bo-105 experimentieren (Photo). Leihgebühr für ein Jahr: drei Millionen Mark.
Die Versuche mit der bislang schon an Polizei, Grenzschutz und zivile Kunden verkauften Bo-105 (Preis: rund 850 000 Mark) sollen beweisen, daß bewaffnete leichte Helikopter zur Panzerabwehr taugen. Drebing: "Wie das Sturmgeschütz im Zweiten Weltkrieg, nur losgelöst vom Boden, zehnmal so schnell und fähig, mit der ersten Rakete auf drei bis vier Kilometer voll zu treffen." Die ersten Erfahrungen sammelten die Heeresflieger im Frühsommer 1972, als Deutsche, Amerikaner und Kanadier in der Gegend von Ansbach Duelle zwischen Bundeswehr-"Leoparden" und Hubschraubern austrugen. Die Übung endete mit einem überlegenen Erfolg der Helikopter: Die Bordschutzen simulierten scharfe Schüsse mit Laserstrahlen und setzten 15 Leoparden außer Gefecht, bevor der begleitende Flakpanzer einen Hubschrauber traf.
In Celle will die Drebing-Truppe nun zusammen mit der Luftwaffe und der Panzerbrigade 9 aus Munster versuchen, die in Ansbach gewonnenen Erkenntnisse auf größere Verbände anzuwenden.
Gelingt der Versuch mit dem neuen, defensiven und zumindest in der Planung billigen PAH, muß die Hardthöhe ihr bisheriges Panzerkonzept überdenken. Bislang galt für die Heeres-Generalität der Glaubenssatz, daß teure Kampfpanzer das beste Mittel gegen die Panzer-Armeen des Warschauer Paktes seien.
Wegen der Hubschrauberversuche wurde die Weiterentwicklung des mindestens zweieinhalb Millionen Mark teuren Kampfpanzers Leopard II bereits gedrosselt.

DER SPIEGEL 15/1973
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