09.04.1973

Kaufhaus-Kino

Westdeutschlands notleidende Kinobesitzer müssen neue, mächtige Konkurrenten fürchten -- die Kaufhäuser. Angeregt von Vorbildern in den USA, wo beispielsweise der Hollywood-Komiker Jerry Lewis eine profitable Kaufhaus-Kinokette betreibt, wollen finanzstarke Warenhausunternehmen den Konsum mit Kino anheizen. So eröffnete letzte Woche die Stuttgarter Einzelhandels-Kette Breuninger in einem Einkaufszentrum bei Ludwigsburg ein 140-Plätze-Lichtspieltheater, das Breuninger-Kunden (für 2,50 Mark Eintritt) ein unterhaltsames Spielfilmprogramm bieten will. Gewinne soll das Kino "nicht unbedingt erwirtschaften", eventuelle Defizite können über den Werbeetat ausgeglichen werden. Die Erfolgsaussichten freilich sind -- ein ähnliches Institut in München beweist es -- recht gut. Dort wurde am 20. Januar im "Olympia -- Einkaufs -- Zentrum" ein Kino etabliert, das sogleich gutes Geld einspielte. Daß gegen die branchenfremden Filmvorführer larmoyante Proteste nichts fruchten, hat unterdes auch die Filmwirtschaft eingesehen. Das Branchenblatt "Film-Echo/Filmwoche" rät Kino-Inhabern, sieh zu arrangieren und Kooperationsverträge mit Warenhäusern abzuschließen.

DER SPIEGEL 15/1973
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