09.04.1973

PERSONALIENMichel Polnareff, Zeudi Araya, Dschermen Gwischiani, Horst-Ludwig Riemer, Wolfgang Schröder, William L. Schwartz, Lan Nau

Michel Polnareff, 28, "zweifellos begabtester Musiker seiner Generation" ("France Soir"), wurde erstmals von seinem Pariser Publikum ausgepfiffen. Der Schlagersänger. der vor fünf Monaten für seine Show im "Olympia" mit entblößtem Hinterteil geworben hatte und deswegen von einem Gericht zu 40 000 Mark Geldbuße verurteilt worden war, wollte mit einem zweiten Auftritt innerhalb einer Saison beweisen, daß er in der Lage ist, "eine Show zu machen, die in nichts der vorhergegangenen gleicht, in keiner Note, keiner Beleuchtung, keinem Effekt". Doch: Nach einer 40minütigen Orchester- und Ballett-Einlage erst trat er auf (Photos). sang mehrere Male dasselbe Lied, mußte von großen Tafeln den Text ablesen und konnte erst nach Mitternacht das aufgebrachte Publikum wieder mit alten Erfolgen beruhigen. Klagte "France Soir": "Er war ganz einfach dumm. Nur, die Dummheit ist das einzige, was man in der Music-Hall nicht verzeiht." Zeudi Araya, 22, ehemalige "Miss Äthiopien", will ihr eigenes Schicksal darstellen. Nachdem die examinierte Landvermesserin in einem Film des italienischen Regisseurs Luigi Scattini (Titel: "Das Mädchen mit der Mondhaut") nackt aufgetreten war (Photo), will sie in einem weiteren Streifen (Titel: "Das Mädchen abseits vom Wege") demnächst eine junge Frau verkörpern, "die sich in einer bigotten, scheinheiligen Welt zurechtfinden muß". Das mußte die Wahl-Römerin, die "vor zwei Jahren noch ganz Haus, Schule, Familie war", selbst auch, bevor sie sich mit "fast alltäglichem verstecktem Rassismus" abgefunden hatte. Sie meint, Hautfarbe habe "keinerlei Bedeutung" -- außer im Film-Geschäft: "Immer nur Blondinen. Da wollen die Leute doch mal was Farbigeres sehen." Dschermen Gwischiani, 44, Kossygin-Schwiegersohn und designierter Präsident des Internationalen Instituts für Systemanalyse (das in diesem Jahr auf Schloß Laxenburg bei Wien seine Arbeit aufnehmen soll), definierte den Unterschied zwischen Frauen und Computern: "Computer sind immer streng logisch." Deshalb könne er die Systemanalyse nicht auch "aufs Familienmanagement" anwenden: "Es ist überaus schwierig, irgendeine wissenschaftliche Methode anzuwenden, wo eine Frau die tragende Komponente ist."
Horst-Ludwig Riemer, 40, NRW-Wirtschaftsminister, deckte ein Vergehen auf -- im eigenen Haus. Auf eine Anfrage nach dem Ausmaß schwarz ausgeführter Handwerker-Leistungen gestand der FDP-Politiker vergangenen Dienstag im Düsseldorfer Landtag ein. seine Frau habe "auch schon mal einen Schwarzarbeiter beschäftigt"; er habe freilich "sofort Maßnahmen eingeleitet". Hintergrund: Die Minister-Frau hatte vor einigen Wochen einen Klempner veranlaßt, während seiner Wochenend-Freizeit ein verstopftes WC-Abflußrohr in der Riemer-Wohnung zu reparieren. Riemer mißbilligte den Service: "Das kann ich mir als Wirtschaftsminister nicht leisten -- dann ist es schon besser, es stinkt legal." Wolfgang Schröder, 50, ZDF-"Bilanz"-Leiter, wähnte seinen Namen von Kommunisten mißbraucht. Der TV-Mann war in der DKP-Wochenzeitung "UZ" wiederholt auf wirtschaftliche Artikel eines Namensvetters gestoßen, die "gar nicht so überzogen geschrieben" waren. Das nährte in Schröder den Verdacht ("Extreme Blätter lassen ja mal drei gerade sein"), die Postille wolle sich seine "Popularität zunutze machen". In Schröders Auftrag forderte deshalb das ZDF-Justitiariat ("Es ist wohl kaum anzunehmen, daß die UZ einen Wirtschaftsredakteur desselben Namens besitzt") das Wochenblatt auf, künftig auf die Verwendung von Schröders Namen "und seiner früheren Signatur (W. S.) zu verzichten". Das Justitiariat irrte sich, denn, so UZ-Chef Georg Polikeit in seiner Antwort ans ZDF. "Den UZ-Redakteur Wolfgang Schröder gibt es tatsächlich." Mißverständnisse "auch in Zukunft" schloß Polikeit aus: "Unser W. S. schreibt als journalistischer Interessenvertreter der Arbeiter in diesem Land, was man von Ihrem Herrn Schröder nicht behaupten kann."
William L. Schwartz, 23, ehemaliger Vietnam-Kämpfer, will zurück nach Südostasien. Grund: Seine Frau Lan Nau, 21, sehnt sich -- wie die meisten der in die USA mitgebrachten Kriegs-Bräute, deren Zahl die Regierung nicht bekanntgibt -- nach ihrer Familie und ihrer Heimat. Lan Nau, Mutter von zwei Kindern, hat zwar "leicht Englisch gelernt und vor allem viel vom Fernsehen aufgeschnappt" (Schwartz), doch die vietnamesischen Frauen finden in den USA nur "sehr langsam gesellschaftlichen Anschluß": "Sie sind oft äußerst schüchtern." Der (bis Ende 1971) mehr als drei Jahre lang in Vietnam stationierte US-Soldat, der 1968 heiratete, will seinem Land so bald wie möglich wieder den Rücken kehren -- nach Ablauf seiner noch drei Jahre dauernden Militärdienstzeit in Fort Sheridan (US-Bundesstaat Illinois). Noch hat Schwartz freilich Bedenken. "Es hängt von den Arbeitsmöglichkeiten ab, damit wir wenigstens finanziell sichergestellt sind."

DER SPIEGEL 15/1973
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 15/1973
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

PERSONALIEN:
Michel Polnareff, Zeudi Araya, Dschermen Gwischiani, Horst-Ludwig Riemer, Wolfgang Schröder, William L. Schwartz, Lan Nau