09.04.1973

RÜCKSPIEGELDer SPIEGEL berichtete ...

in Nr. 13/1973 PERSONALIEN über Bundeskanzler Willy Brandt, der -- durch den Bund angekaufte -- Kunstwerke bei einer Besichtigung kommentiert hatte, unter anderem Max Ernsts "Tête d'homme" als "Schafskopf".
In einem Brief fragte der Stuttgarter Bildhauer und Vorsitzende des Deutschen Künstlerbundes, Otto Herbert Hajek, bei Brandt nach, ob die im SPIEGEL veröffentlichten Aussagen "wirklich stimmen können". Schließlich, meinte Hajek, könnten solche Äußerungen "ein Mißverständnis in alle Öffentlichkeit bringen und dazu beitragen. "die bildende Kunst und damit die darin Arbeitenden zu desavouieren". In einem Antwortschreiben ließ der Bundeskanzler wissen, daß er es "mit Fassung" trage, "daß plötzlich schreckliche Geschichten über mein Kunst-Banausentum in Umlauf gekommen sind". Der beste Gegenbeweis sei aber wohl, "daß ich in meiner Wohnung neben anderen modernen Werken auch einige Hajeks habe". Im übrigen, meinte Brandt, habe er mit seiner Bemerkung, der "Tête d'homme" sehe wie ein "Schafskopf" aus, "vermutlich genau die Intention des großen Dada-Max getroffen, der seinerseits ja auch einige Erfahrung mit Schafsköpfen hatte".
in Nr. 3/1973 PROZESSE -- BUTTER AUF DER PFANNE über Schmuggel und Scheingeschäfte mit Butter und Käse, durch welche die Hamburger Kaufleute Antonius van Oosterum und Johannes Ehlers den Staat um fast fünf Millionen Mark Zollgebühren und Subventionen aus der EWG-Ausgleichskasse betrogen hatten.
Vergangenen Dienstag verurteilte die 15. Große Strafkammer des Hamburger Landgerichts die beiden Hauptangeklagten van Oosterum und Ehlers jeweils zu sechs Jahren Freiheitsentzug und einer Geldstrafe von einer halben Million Mark -- zahlbar in Monatsraten von 10 000 Mark. Der Vorsitzende Dr. Axer begründete die harten Strafen mit der "unerhörten Unersättlichkeit" der Angeklagten und dem von ihnen angerichteten "ungewöhnlich hohen Schaden für die Allgemeinheit". Zugleich solle das Urteil zeigen, "daß die Gerichte der anwachsenden Wirtschaftskriminalität durchaus begegnen können". Mit einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung kam dagegen der mitangeklagte Ex-Zöllner Manfred Döller davon, weil ihm eine Beteiligung an dem Millionen-Coup der Kaufleute nicht nachzuweisen war, wohl aber seine Zusage gegenüber einem V-Mann des Zolls, eine Million Zigaretten für 10 000 Mark Provision schwarz über die Freihafen-Grenze zu lassen.

DER SPIEGEL 15/1973
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