24.10.2005

LITERATURPREISE„Frauen gelingen mir ganz gut“

Der Schriftsteller Arno Geiger, 37, Gewinner des erstmals vergebenen, mit 25 000 Euro dotierten Deutschen Buchpreises, über Sinn und Zweck solcher Auszeichnungen und seinen prämierten Roman „Es geht uns gut“
SPIEGEL: Herr Geiger, wie gut geht es Ihnen als erstem Empfänger des Deutschen Buchpreises?
Geiger: Ich bin riesenstolz darauf. Bei diesem Preis war die Aufmerksamkeit sehr groß. Wir Autoren haben das gespürt: Schon durch die Bekanntgabe der Long- und Shortlist wurde das Interesse geweckt. Nur einer erhält den Preis, aber die Auswahl zeigt ein Panorama der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur.
SPIEGEL: Sie waren einer von sechs Kandidaten und schienen bei der Preisverkündung sehr überrascht. Gespielte Bescheidenheit?
Geiger: Nein. Ich habe die Bücher meiner Mitbewerber gelesen und nicht damit gerechnet, dass ich den Preis erhalten würde. Aber natürlich habe ich es mir gewünscht.
SPIEGEL: In Ihrem Roman lassen Sie verschiedene Personen sprechen, Jüngere und Ältere, Männer wie Frauen. War dieser Wechsel für Sie ein Wagnis?
Geiger: Ich wollte nicht alles aus der Perspektive des Enkels erzählen. Ich habe also versucht, in verschiedene Figuren und in die jeweiligen Zeitumstände einzutauchen. Man muss sich selbst vergessen. Es kamen Sachen dabei heraus, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie in mir drin sind. Es ist wie ein Geschenk des Romans an den Autor.
SPIEGEL: Was fiel Ihnen leichter: Männer oder Frauen sprechen zu lassen?
Geiger: Mit den Frauenfiguren gelang es vielleicht deshalb gut, weil Distanz beim Schreiben hilft. Die Männer habe ich insgesamt etwas härter angefasst.
SPIEGEL: Helfen Preise beim Schreiben?
Geiger: Ich habe 1998 ein Fünfjahresstipendium erhalten. Und ich hätte "Es geht uns gut" ohne diese Unterstützung nicht schreiben können. Genauso ist es mit dem Buchpreis: Das Geld hält mir den Rücken frei für Neues. Ich habe größte Bewunderung für Autoren, die sich nicht zur voreiligen Abgabe eines Manuskripts überreden lassen.

DER SPIEGEL 43/2005
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