04.09.1972

GESTORBENMagnus Freiherr von Braun

Magnus Freiherr von Braun, 94. Bis an sein Ende stellte sich der Reichsminister a. D. die Frage: "War wirklich alles Schuld, oder war es Schicksal?" Für ihn jedenfalls begann alles 1915, als Kaiser Wilhelm den Aristokraten zum ersten Pressechef der Hohenzollern-Monarchie machte. Nach dem Ersten Weltkrieg sympathisierte er, mittlerweile Regierungspräsident in Ostpreußen, mit den Kapp-Putschisten, die das System von Weimar beseitigen wollten. Von da an verkörperte der Jurist und Großagrarier den folgenschweren Widerspruch jener national-konservativen Standes-Herren, die sich zwar Hitler sperrten, nicht aber seinen vornehmen Wegbereitern Papen und Schleicher -- in ihren Kabinetten war er zwischen Juni 1932 und Januar 1933 Minister für Ernährung und Landwirtschaft. Der Vater des Raketentechnikers Wernher und des AA-Staatssekretärs Sigismund von Braun starb vergangenen Dienstag auf seinem Alterssitz in Oberaudorf am Inn.
Sir Francis Chichester, 70. Der Schafhirte, Goldwäscher, Landkartenverleger und Weltumsegler erkor Extratouren zu seinem Lebensprinzip. Sein erstes Vermögen verpulverte er mit Alleinflügen auf Pionierrouten. Aber erst waghalsige Odysseen unter Segeln machten den schmächtigen Brillenträger schließlich berühmt und zum britischen Volkshelden. 1960, nachdem er eine Lungenkrebserkrankung überstanden hatte, gewann er die Einhand-Regatta über den Atlantik. Ein Solo-Törn rund um den Globus im Rentneralter trug ihm den Ritterschlag durch Königin Elizabeth II. ein. Trotz Krebs und Anämie zog es den alten Mann immer wieder aufs Meer: Anfang Juli mußte er zwei Wochen nach dem Start zu einer Transatlantik-Regatta mit seiner Yacht "Gipsy Moth V." wieder nach Plymouth eingeholt werden, weil er nicht mehr die Kraft zum Segelsetzen hatte. Vorletzten Samstag starb er im Königlichen Marine-Hospital zu Plymouth.

DER SPIEGEL 37/1972
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