18.09.1972

„Südländer töten häufiger“

Ausländer sind kriminell anfälliger als Einheimische, und die Fremden, besonders die aus dem Süden, neigen eher zu Gewalttaten. Diese festgefügte Volksmeinung findet bei den Kriminalstatistikern Unterstützung. "Immer" ist die Beteiligung von Ausländern an der Straffälligkeit "größer gewesen, als es ihrem Bevölkerungsanteil entsprach". ermittelte Alfred-Johannes Rangol, Rechtspflege-Referent im Statistischen Bundesamt. Aber: "Das war in jeder Zeitepoche so und unter jedem Regime."
Tatsächlich wurden in der Bundesrepublik 1969 (letzte Rechtspflegestatistik) von je 100 000 deutschen strafmündigen Einwohnern 1275 wegen Verbrechens oder Vergehens verurteilt. Im selben Zeitraum wurden von je 100 000 Ausländern 2221 für schuldig befunden.
Rein rechnerisch wurden mithin fast doppelt soviel Ausländer straffällig. Nicht berücksichtigt ist bei dieser Rechnung freilich, daß die Bezugsgrößen von je 100 000 Deutschen und Fremden kaum vergleichbar sind. Ein korrektes Zahlenbild könnte nur der Vergleich mit 100 000 Deutschen vermitteln, die denselben Altersgruppen und derselben sozialen Schicht entstammen.
Denn es gehört zu den gesicherten Erkenntnissen der Kriminologie. daß Männer eher als Frauen straffällig werden; die jüngeren Jahrgänge eher als die älteren und die Angehörigen der sozialen Unterschicht eher als andere Bevölkerungsgruppen. Gerade jüngere Männer aus der sozialen Unterschicht sind aber bei den Gästen in Deutschland überrepräsentiert und verzerren mithin die Statistik.
Besonders augenfällig wird die stärkere kriminelle Energie der Ausländer bei der Aufschlüsselung nach Deliktgruppen. Während wegen Diebstahls und Unterschlagung noch annähernd soviel Deutsche (267 von 100 000) wie Ausländer (297 von 100 000) verurteilt wurden, verschiebt sich bei den Verbrechen das Verhältnis deutlich zuungunsten der Fremden -- bei Mord und Totschlag: 0,76 Deutsche. 3,4 Ausländer; bei Notzucht: 2,1 Deutsche. 5.3 Ausländer; bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung: 19,4 Deutsche, 35,7 Ausländer.
Vor unkritischen Schlußfolgerungen warnen freilich gerade die Urheber der Statistik. Rechtspflege-Referent Rangol: "Darin muß noch keine Diskriminierung liegen. Daß Südländer häufiger töten als Nordländer, haben schon Untersuchungen aus den Jahren 1922 bis 1926 ergeben."
Mit Blick auf die Vergewaltigungsziffern zweifelt Rangol, ob sich etwa deutsche Männer dieses Alters "fort von Frau, Braut oder Freundin, in ein fremdes Land versetzt" unter gleichen Umständen "sittlich anders verhalten würden".
Wie gefährlich gerade die illegalen Einwanderer (zumeist ohne Arbeit und festen Wohnsitz) für die innere Sicherheit sind, erhellt eine Münchner Statistik: Von 4672 ausländischen Rechtsbrechern waren 1765 Illegale. Diese Tätergruppe, mit einem Kriminalitätsanteil von 37,8 Prozent, schädigt den Ruf der anderen Ausländer.
Regionale Besonderheiten lassen. je nach geographischem Standort. das bundesdeutsche Kriminalstück in unterschiedlicher Beleuchtung erscheinen.
In Hamburg waren im vergangenen Jahr unter insgesamt rund 51 500 Straffälligen 9,6 Prozent Ausländer (bei einem Bevölkerungsanteil von 3,3 Prozent). In München aber war jeder vierte Straftäter Ausländer (Bevölkerungsanteil: 14 Prozent). Ausländerspezialität in der Isar-Metropole ist, mit 56 Prozent Anteil, der Taschendiebstahl.

DER SPIEGEL 39/1972
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