31.10.2005

FERNSEHEN„Wir wollen Trendsetter sein“

ProSiebenSat.1-Vorstandschef Guillaume de Posch, 47, über den gefloppten Start des neuen, hochauflösenden Fernsehens HDTV und den Einstieg seines Konzerns ins Pay-TV
SPIEGEL: Am Mittwoch vergangener Woche starteten Sat.1 und ProSieben mit großem Bohei auf den Münchner Medientagen das neue hochauflösende Fernsehen HDTV. Das kann allerdings noch niemand empfangen. Waren Sie mit der Premiere etwas übereifrig?
De Posch: Nein, wir wollen Trendsetter sein. HDTV ist die Technologie der nächsten 20 Jahre. Bald kommen ja die entsprechenden Receiver in die Läden.
SPIEGEL: In seiner ProSieben-Show "TV total" wies Stefan Raab in fröhlicher Verzweiflung auf das HDTV-Logo am oberen Bildrand hin.
De Posch: Ich fand das witzig. Stefan hat da doch auch ein wenig Werbung für uns gemacht. Richtig tief im Thema ist er ja nicht.
SPIEGEL: Der Zuschauer braucht für die vermeintliche Technik-Revolution nicht nur den Receiver, sondern auch ein neues Fernsehgerät. Auf die deutsche TV-Gemeinde werden also einige Kosten zukommen.
De Posch: Da werden sich die Preise schnell einpendeln. Und der Zuschauer bekommt dann ein Bild, das dem Kino ähnelt - und das, zumindest bei uns, ohne Zusatzkosten zu empfangen ist.
SPIEGEL: Wie lange wollen Sie noch mit den Kabelnetzbetreibern über die Kosten der digitalen Verbreitung streiten?
De Posch: Wir wollen nur ein Geschäftsmodell, mit dem beide leben können. Der Marktführer Kabel Deutschland hat zwar behauptet, er würde die digitalen Programme kostenlos einspeisen. Gleichzeitig aber will er die analogen Gebühren für unsere fünf Sender um 34 Prozent erhöhen. Die glauben wahrscheinlich, wir könnten nicht rechnen.
SPIEGEL: Wann werden Sie sich einigen?
De Posch: Ich hoffe nächstes Jahr.
SPIEGEL: Wenn Sie dann auch mit ersten Pay-TV-Angeboten kommen wollen?
De Posch: So ist es geplant.

DER SPIEGEL 44/2005
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