12.06.1972

BERUFLICHESWolf Heckmann

Wolf Heckmann, 43, bei Hamburgs "Morgenpost" (Mopo) "geflogener Chefredakteur, fliegt bald rund um die Welt" (Heckmann). Im Spätherbst will der Journalist, der bei dem kriselnden SPD-Blatt politische Themen auf die letzten Seiten verbannt und nachher -- zwölf Redakteure kündigten aus Protest -- "das Gefühl hatte, in zähem Lehm zu waten", mit einem Motorsegler nach Sydney starten. Heckmann: "Vorher muß ich aber noch einen Meteorologen interviewen, ob ein umkippender Monsun mich da runtertreibt, weil ich bei Bangkok rechts ab muß." Über das Drei-Monats-Flugunternehmen, bei dem das. "kleine Ding mit den überdimensionalen Flügeln und dem winzigen Motorchen nicht mehr als 3000 Liter Sprit vernudeln wird", möchte der 85-Kilo-Mann einer "Illustrierten eine Abenteuergeschichte" verkaufen und auch noch "ein Buch mit politisch rotem Faden" verfassen. Aber populär. Heckmann, der die Reise aus seiner Mopo-Abfindung finanziert: "Eine geringe Auflage kann ich mir nicht leisten."
Christos Papoutsakis, 38, Herausgeber des griechischen Monatsmagazins "Anti" (für Antistasis -- deutsch: Widerstand), wurde von Athens Obristen zur Aufgabe gezwungen. In der ersten Ausgabe seines Blatts (Auflage: 15 000), das binnen kurzem ausverkauft war, hatte der gelernte Architekt den (in die Bundesrepublik emigrierten) Rechtsprofessor Georgios Mangakis über "Struktur der Demokratie" dozieren und den (nach Frankreich emigrierten) Links-Komponisten Mikis Theodorakis über den "Anklang der Musik bei den Massen" theoretisieren lassen. Zwei Tage nach Veröffentlichung erschien in Wohnung und Büro des "Anti"-Verlegers die Steuerfahndung und zeigte vor allem auffälliges Interesse für Redaktions-Unterlagen. Dann wurde der Regime-Kritiker zum Verhör bestellt: Militärpolizisten vernahmen ihn insgesamt an drei Tagen 30 Stunden lang, danach war er reif fürs Krankenhaus.
Harold Macmillan, 78, ehemaliger Briten-Premier (1957 bis 1963), rechnet mit alten Freunden ab. Im jetzt veröffentlichten fünften Band seiner Memoiren (Titel: "Pointing the Way"), der seine Regierungszeit vom Oktober 1959 bis November 1961 behandelt, nennt "Supermac" Verbündete wie etwa den damaligen Franzosen-Präsidenten Charles de Gaulle einen "Dummkopf" und beschreibt Bonns ersten Kanzler Adenauer als "eitel, mißtrauisch und habgierig". Erstaunliches enthüllte der Ex-Chef der Konservativen nicht nur in seinen Erinnerungen selbst, sondern auch in einem BBC-Interview aus Anlaß der Herausgabe des Teils V. So habe de Gaulle bei einer Visite auf dem Premiers-Landsitz Chequers eine Blutkonserve für sich mitbringen lassen. Die Haus-Köchin lehnte die Unterbringung des Plasmas im Kühlschrank ab, weil dieser mit Schellfisch und anderen Nahrungsmitteln angefüllt gewesen sei. Schließlich landete das für den General bestimmte Blut in einer nahegelegenen Sporthalle.
Frank Schöbel, 29 (l.), "Reißer in kapitalistischen Musikboxen" ("Stern"), tritt als erster verdienter Schlagerinterpret der DDR im westdeutschen Fernsehen auf. Für die nächste ARD-"Musik aus Studio B" -- Regisseur Rainer Bertram: "Reine PR-Sendung der Industrie" -- am kommenden Montag ließ der gelernte Mechaniker aus Ost-Berlin vorletzte Woche in Hannover seinen Liebes-Lobgesang "Wie ein Stern" aufzeichnen. Weil "sicher alle Leute erwarten, daß da etwas über die DDR gesagt wird", fertigte Bertram einen "neutralen Dialog" zwischen Studio-Moderator Henning Venske, 33 (r.), und Schöbel, "der am Ende alles offenläßt". Textprobe: Venske: "Nun erwarten alle Leute, daß wir ein Gespräch führen." Schöbel: "Worüber?" Venske: "Über Mädchen." Schöbel: "Das dauert zu lange." Schließlich schlägt der Ost-Sänger vor: "Dann über Musik!" Venske: "Was -- in dieser Sendung?" Beide: "Da war doch noch etwas?" Macher Bertram, der das Schöbel-Lied "leider auf drei Minuten kürzen" mußte, will den DDR-Hithersteller "auf jeden Fall" zu weiteren Auftritten anheuern, "wenn's gelingt, schon für die Weihnachts-Sendung".

DER SPIEGEL 25/1972
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