08.05.1972

BERUFLICHESEckart Spoo

Eckart Spoo, 35, Journalist, als Münchner Korrespondent der "Frankfurter Rundschau" (FR) im November letzten Jahres von deren Verleger und Chefredakteur Karl Gerold entlassen, muß wieder eingestellt werden. Vergangenen Dienstag entschied die Erste Kammer des Frankfurter Arbeitsgerichts, daß die in dem von Spoo herausgegebenen Buch "Die Tabus der bundesdeutschen Presse" erhobenen Vorwürfe einzelner Autoren, die die FR ("Ihre Kritik bewegt sich im Rahmen des gegebenen Systems") und deren Wirtschaftsredakteur Kurt Simon ("Publizistischer Unternehmensberater") abqualifizierten' dem Herausgeber nicht angelastet werden könnten. Nach Erscheinen der Schmäh-Schrift hatte Gerold die "gemeinsame Vertrauensbasis" als zerstört angesehen. Während Spoo, zugleich Bundesvorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju), nach dem Frankfurter Urteilsspruch sich "ab heute wieder als Redakteur" fühlt und mit seiner "Weiterbeschäftigung" rechnet, kündigte der Verleger Berufung an. Gerold zum SPIEGEL: "Spoo kommt nicht mehr in Frage. Ich brauche ihn nicht."
Helmut Debatin, 45. Mit-Autor des Steueroasen-Gesetzes (und unter Ex-Finanzminister Alex Möller einer der wichtigsten Bonner Steuerreformer), ist amtsmüde. Weil es "eine hohe Ehre ist", will er mit der Universität Bielefeld, von der er noch in dieser Woche einen Ruf auf den -- neugeschaffenen -- Lehrstuhl für Steuerrecht und Finanzwissenschaft erhalten soll, "verhandeln". Zwar bezeichnet der unzufriedene Staatsdiener seine Beziehung zum Amts-Chef Karl Schiller als nach wie vor "ausgezeichnet", beklagt jedoch gleichwohl sein gestörtes Verhältnis zu Kollegen: "Hierarchie ist der Tod jeder Konzeption." Ökonomie-Professor Schiller, dem nach dem Absprung des ungeliebten Staatssekretärs Heinz Haller und dem geplanten Weggang des CDU-Ministerialdirigenten Franz Klein aus der Steuerabteilung ein weiterer Experte abzuwandern droht, zeigte am Freitag in einem Gespräch mit seinem Amts-Untergebenen kollegiales Verständnis: "Es ist eine schöne Sache, wenn man einen Ruf bekommt."

DER SPIEGEL 20/1972
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Eckart Spoo