25.07.1956

FUSSBALL-TOTOUnd alle, alle nahmen

Schiebungen mit Toto-Gewinnen sind im Lande Niedersachsen jetzt nicht mehr möglich, versichert heute die Niedersächsische Fußball-Toto GmbH und bekundet dadurch, daß solche Schiebungen einmal möglich waren.
Erst durch den Schaden, der den Finanzen und dem Renommee des Totos von einigen seiner leitenden Angestellten zugefügt wurde, ist den gesetzlich bestimmten Aufsichtsorganen (bis zum März 1955 das niedersächsische Kultusministerium, hernach das Innenministerium) klar geworden, wie leicht es für die Herren der Toto-Verwaltung einst war, ihr Einkommen durch unlautere Nebengeschäfte beträchtlich zu steigern.
Die Toto-Verwalter nutzten diese Möglichkeiten, bis es zum niedersächsischen Toto-Skandal kam, von dem die Öffentlichkeit erstmals erfuhr, als der Geschäftsführer des Niedersächsischen Fußball -Totos, Heinz Göing, Ende Oktober 1955 auf Beschluß der Toto-Gesellschafter (Landessportbund Niedersachsen, Niedersächsischer Fußball-Verband, das Land Niedersachsen) fristlos entlassen wurde.
Die offizielle Begründung: Heinz Göing habe ohne Genehmigung des Aufsichtsrats das niedersächsische Toto-Geschäft auf Belgien ausgedehnt und dorthin 50 000 Mark für Toto-Reklamezwecke überwiesen.
Inoffiziell wurde dem Toto-Direktor Göing außerdem angekreidet, er habe Fußballwettern, die in der allwöchentlichen Eigenheim-Verlosung des Niedersachsen-Totos den Anspruch auf ein Haus gewonnen hatten, aber lieber Bargeld wollten, in elf Fällen das Eigenheim -Anrecht unter dem Nennwert (15 000 Mark) abgekauft und dabei Gewinne von insgesamt 23 000 Mark erzielt.
Damit schien damals alles gesagt zu sein, was gegen den Toto-Direktor vorgebracht werden konnte. Außenstehende, die von Göings in kurzer Zeit erworbenem Hausbesitz wußten - einer Villa und drei Sechsfamilienhäusern im Gesamtwert von etwa 250 000 Mark - konnten nur argwöhnen, der Toto-Direktor müsse auf ungewöhnliche Weise zu weiteren Geldern gekommen sein.
Tatsächlich waren die offiziell gegen Göing erhobenen Vorwürfe nur Bagatellen. Das Ende 1955 von der niedersächsischen Landesregierung gegen Göing beantragte strafrechtliche Ermittlungsverfahren (SPIEGEL 1/1956) ist mittlerweile ziemlich abgeschlossen: Heinz Göing, 50, der im März dieses Jahres verhaftet wurde, ist kürzlich entlassen worden und darf in Freiheit den Beginn des Gerichtsverfahrens abwarten.
Dubiose Eigenheim-Geschäfte
Mit Göing wurde der Toto-Bezirksstellenleiter Herbert Fisbeck aus Borstel bei Nienburg Weser) aus der Untersuchungshaft entlassen. Zuvor waren der Leiter der Eigenheim-Verlosung des Fußball -Totos. Karl Klefisch, 43, und der ehemalige Toto-Finanzdirektor Herbert Lampe wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Alle vier haben ihr gut Teil dazu beigetragen, das Vertrauen der Fußballwetter in den Niedersächsischen Fußball -Toto zu erschüttern.
Karl Klefisch reiste allwöchentlich wie ein guter Onkel zu den Gewinnern der Eigenheime, in deren Familienkreis er meistens einen fröhlichen Abend verbrachte und gern die Frage anschnitt, ob es überhaupt zweckmäßig sei, ein Eigenheim zu bauen.
Wollte der Betreffende bauen, half Klefisch anscheinend selbstlos bei der Auswahl von Architekten und Baufirmen. Wollte ein Gewinner Bargeld, klärte ihn Klefisch mit ernster Miene über die damit verbundenen Schwierigkeiten auf, erbot sich, einen Kaufinteressenten zu vermitteln, und sorgte dafür, daß sich Gewinner und Geldgeber nicht begegneten.
Kam der Handel zustande, zog Klefisch dem Gewinner 20 Prozent der Eigenheim -Bausumme von 15 000 Mark (später 18 000 Mark) ab, die sich Klefisch und der Geldgeber teilten. Insgesamt hat Klefisch beim Verkauf von mindestens 136 Eigenheim -Ansprüchen geholfen, unter anderem beim Verkauf von Ansprüchen an Toto-Direktor Heinz Göing und 29 an andere Angestellte der Toto-Gesellschaft oder an Wettannahmestellen- und Bezirksstellenleiter. Er verdiente dabei rund 40 000 Mark.
Diese dubiosen Eigenheim-Geschäfte wickelte Klefisch in trauter Eintracht mit dem Toto-Chef Heinz Göing ab. Den beiden gelang es sogar, auch dann noch von der Eigenheim-Verlosung zu profitieren, wenn die Eigenheim-Gewinner tatsächlich bauen wollten. Die Möglichkeit dazu bot ihnen das ungewöhnliche Geschäftsgebaren einer Hildesheimer Bank.
Jedem Gewinner eines Eigenheimes, der bauen wollte, wurde bei jener Hildesheimer Bank ein Sparkonto über die gewonnene Bausumme eingerichtet. Der Bauherr reichte seine Rechnungen entsprechend dem Fortschritt des Baues ein. Durchweg stand der Gewinn Monate, oft über ein Jahr lang auf dem Konto, bis das passende Grundstück erworben war.
Seltsamerweise fand sich die Hildesheimer Bank bereit, auf Anweisung der Toto-Geschäftsführung den Gewinnern mitzuteilen, daß ihre auf dem Sparkonto stehenden Bausummen nach Giro-Art lediglich mit 1 1/2 Prozent verzinst würden. Tatsächlich aber zahlte die Bank drei Prozent Zinsen: 1 1/2 Prozent an den Konto-Inhaber und 1 1/2 Prozent auf ein Konto, dessen Bestand der Toto-Finanzdirektor Herbert Lampe regelmäßig abhob. In ihren Büchern vermerkte die Bank lediglich: "Lampe abgehoben."
Auch in anderer Beziehung ließ sich die Hildesheimer Bank von den hannoverschen Toto-Herren als Dukaten-Esel mißbrauchen: Allwöchentlich gingen bei ihr große Summen für den Fußball-Toto ein, was Direktor Göing und seinen Finanzberater Lampe auf die Idee brachte, sich auf Kosten des Totos, aber für die eigene Tasche, als Bankiers zu betätigen.
Sie gewährten - namens der Toto-Gesellschaft - dem Niedersächsischen Fußball-Verband (einem der drei Gesellschafter des Niedersächsischen Fußball-Totos) ein Darlehen von 200 000 Mark. Die Toto -Direktion wies die Bank an, die 200 000 Mark aus dem laufenden Konto des Totos, das jede Woche durch Wettgelder neu aufgefüllt wird, an den Fußball-Verband zu zahlen.
Bei diesem Verfahren wurde der Toto von der Hildesheimer Bank lediglich mit niedrigen Spesenprozenten belastet, während der Fußball-Verband für sein Darlehen neun Prozent Zinsen bei der Bank einzahlte. Aus dieser Zinsendifferenz zog Toto-Finanzchef Lampe einen privaten Gewinn von 7000 Mark. Heinz Göing ließ eben auch andere gern verdienen.
Teure Reklame-Aschenbecher
Von dieser Einstellung des Toto-Direktors profitierte ferner der mit Gbing befreundete Inhaber des Marathon-Sportverlages in Hannover, Wilhelm Weymann, dessen Verlag von 1950 bis 1955 einen verblüffenden Geschäftsgewinn von mehreren hunderttausend Mark erzielte.
1952 bestellte der Fußball-Toto beim Marathon-Verlag für Reklame- und Geschenkzwecke 2000 Aschenbecher mit aufmontierten Fußbällen aus Metall, die als Behälter für jeweils 40 Zigaretten dienten.
Der Marathon-Verlag kaufte die Aschenbecher für 6,50 Mark, verkaufte sie für 9,50 Mark an den Toto weiter und hatte 6000 Mark verdient. Göing entschuldigte seine Großzügigkeit später damit, ihm seien früher Reklame-Aschenbecher angeboten worden, die über 20 Mark kosten sollten.
Entschuldigungen dieser Art konnte der Toto-Direktor in einem zweiten Fall ähnlicher Art nicht vorbringen: Er ließ bei einer Düsseldorfer Firma Toto-Wettscheine drucken. Die Rechnung ging an den Marathon-Verlag, der wiederum dem Toto eine Druckkostenrechnung schickte. Die Wettscheine wurden dann einer Toto-Zeitung des Marathon-Sportverlages beigelegt. Weil der Wettschein sonst überall zehn Pfennig kostete, wurde Weymanns Toto-Zeitung mit dem kostenlosen, vom Toto bezahlten Wettschein gern gekauft. Für diese einträgliche Mühe erhielt der Sport-Verlag vom Toto obendrein noch eine Vergütung.
Auf Grund dieser freundschaftlichen Geschäftsbeziehungen konnten Toto-Direktor Göing und Toto-Finanzchef Lampe von dem florierenden Marathon-Sportverlag gelegentlich auch private Kredite erbitten. Göing erhielt ein Darlehen von 15 000 Mark, Lampe lieh sich 10 000 Mark.
Einen weiteren persönlichen Kredit - 40 000 Mark - erhielt der Toto-Direktor vom Toto-Bezirksstellenleiter in Borstel bei Nienburg an der Weser, Herbert Fisbeck. Daß Fisbeck seinem obersten Brotherrn so viel Geld zu leihen vermochte, beruhte auf dem großen Glück, das dem Herbert Fisbeck am 9. August 1953 widerfahren war. An diesem August-Sonntag gewann der Wettschein Nummer 00 130, den die "Wettgemeinschaft Herbert Fisbeck" eingereicht hatte, insgesamt 288 669 Mark, und zwar
- einmal im ersten Rang 211 049 Mark,
- elfmal im zweiten Rang je 5276 Mark.
- 51 mal im dritten Rang je 384 Mark.
Herbert Fisbeck machte von seinem großen Glück nicht viel Aufhebens; er fuhr mit den 288 669 Mark still nach Hause und tat das Geld in eine Holzkiste, die er in eine Ecke seines Schlafzimmerschrankes stellte.
In Borstel bei Nienburg erfuhr niemand, daß Mitbürger Fisbeck über Sonntag ein reicher Mann geworden war. Die Toto -Gesellschaft verzichtete entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit darauf, den Großgewinn (außer Fisbeck hatte ein zweiter Wetter im ersten Rang gewonnen) propagandistisch auszuwerten. In der internen Gewinnliste, die den Annahmestellenleitern allwöchentlich zugeht, war der große Erfolg der "Wettgemeinschaft Herbert Fisbeck" nicht verzeichnet.
Weil sich jedoch beim Niedersächsischen Fußball-Toto in jenen Jahren soviel Merkwürdiges zugetragen hatte, beschlossen die mit der Untersuchung des Toto-Skandals beauftragten Behörden, nachträglich zu prüfen, ob Herbert Fisbecks Bombengewinn etwa auch zu diesen Merkwürdigkeiten zu rechnen sei.
Am 5. April 1956, 32 Monate nach Fisbecks Toto-Erfolg, trafen zwei Beamte vom Dezernat "Wirtschaftsvergehen" des Landeskriminalpolizeiamtes Hannover in Borstel ein. Als Fisbeck den Beruf der sich vorstehenden Besucher richtig verstanden hatte, benötigte er zehn Minuten, um seine Fassung wiederzufinden. Dann sagte Fisbeck aus, zur "Wettgemeinschaft Herbert Fisbeck" hätten seinerzeit zwei Jugoslawen gehört, deren Namen ihm jedoch unbekannt geblieben waren: die Gewinnanteile von je 96 000 Mark habe er ihnen selbstverständlich ausbezahlt.
Die Kriminalisten verabredeten sich für 14 Uhr mit Fisbeck vor dem Jugoslawen -Lager, wo sie jedoch vergeblich warteten. Fisbeck stand nämlich um 14 Uhr vor einem britischen Militärlager.
Der Gewinner war lebensmüde
Später wurde Fisbeck dann von den Kriminalisten in das ihm offenbar unbekannte Jugoslawen-Lager geführt. Als die zusammengetrommelten Insassen vernahmen, daß zwei von ihnen zusammen fast 200 000 Mark gewonnen haben sollten, wurden sie unbeherrscht heiter. Wenn das so gewesen wäre, meinten sie, würde das Lager tagelang unter Alkohol gestanden haben. Bei einem bereits legendär gewordenen Gewinn von 500 Mark habe es dort keinen nüchternen Jugoslawen gegeben:
Vielleicht - so überlegten die Kriminalisten - hatte Fisbeck Polen und Jugoslawen nicht zu unterscheiden vermocht. Also fuhren die Beamten mit ihm in ein Polen-Lager. Auch dort meldeten sich keine Gewinner. Darauf versicherte Fisbeck den Beamten, er wolle Tag und Nacht nach seinen Wettgemeinschafts-Kameraden suchen.
Als sich die beiden Kriminalisten von der Familie Fisbeck verabschiedeten, erklärte Frau Fisbeck: "Nehmen Sie um Gottes willen meinen Mann mit, Herbert ist lebensmüde." Aber Herbert Fisbeck erholte sich schnell. Einige Tage später vertraute er einem seiner Annahmestellenleiter an: "Die beiden Paviane habe ich ganz schön vergackeiert."
Die "Paviane" ließen dem Fisbeck für die Suche nach seinen jugoslawischen Mitgewinnern elf Tage Zeit. Dann holten sie ihn ins Untersuchungsgefängnis zu Hannover. Inzwischen hat Fisbeck gebeichtet, die 288 669 Mark allein gewonnen zu haben Er habe sich geniert, sein Glück bekanntzugeben.
Fisbecks Geständnis bestärkte den Verdacht der Kriminalisten, daß der Bezirksstellenleiter auf ungewöhnliche Weise zu seinem Gewinn gekommen sei. Da Fisbeck dazu einen Komplicen benötigt und dieser zweifellos einen Gewinnanteil verlangt hätte, begann die Polizei, nach dem Verbleib des vielen Geldes zu forschen.
Fisbeck erklärte, er habe mit seiner Familie sehr luxuriös gelebt, man habe viele Backhendeln gegessen, und weil er seine Frau sehr liebe, habe er ihr oft teure Blumen mitgebracht. Sein Häuschen habe über 50 000 Mark gekostet, berichtete Fisbeck, er sei in die Schweiz und nach England gereist, 60 000 Mark habe er verwettet, 40 000 Mark dem Heinz Göing geliehen
Das alles ergab bei weitem nicht die Gewinnsumme von 288 669 Mark. Rätselhaft ist der Verbleib von mindestens 80 000 Mark.
Fisbecks Darlehen an Göing war allerdings kaum ein Akt der Verschwendungssucht. Fisbeck hatte guten Grund, seinem Toto-Direktor gefällig zu sein, denn er hatte sich einmal, um Schulden abzudecken, an Wettgeldern vergriffen.
Um Wetteinsätze, die durch seine Bezirksstelle liefen, unterschlagen zu können, hatte Fisbeck die entsprechenden Wettscheine kurzerhand nicht weitergeleitet. Zu seinem Pech fielen auf die von ihm einbehaltenen Scheine Gewinne von insgesamt etwa 14 000 Mark, die Fisbeck dann auszahlen mußte. Göing erfuhr von diesem Dilemma seines Bezirksstellenleiters, drückte beide Augen zu und half ihm wieder auf die Beine.
Göing bestreitet allerdings strikte, dem Fisbeck auch zu seinem Toto-Gewinn verholfen zu haben: Der Schuldige könne ebensogut unter den 50 bis 60 Wettschein -Auswertern zu finden sein. Fisbeck habe als Toto-Bezirksstellenleiter die Möglichkeit gehabt, seinen Wettschein mit Hilfe eines Auswerters nachträglich auf Hauptgewinn zu frisieren.
Allerdings würde Göings Behauptung, er habe mit Fisbecks Bombengewinn nichts zu tun, noch glaubwürdiger sein, wenn die Sache mit den Schlüsseln zum Tresor der Toto-Gesellschaft nicht gewesen wäre. In diesem Tresor wurden - vor Beginn der auf dem Wettschein aufgeführten Fußballspiele - die C-Abschnitte aller Wettscheine deponiert. Hatte die Auswertungs -Abteilung an Hand des bei ihr deponierten B-Abschnitts einen Gewinn ermittelt, wurden B- und C-Schein miteinander verglichen. Nur wenn sie übereinstimmten, wurde der Gewinn ausbezahlt.
Die beiden Schlüssel zum Toto-Tresor verwahrte Landgerichtsdirektor a.D. Friedrich Colberg, 75, der sich erinnert, daß Toto-Direktor Göing die Schlüssel während der Toto-Pause des Sommers 1953 anforderte. Wenige Wochen vor Fisbecks Toto -Glück ließ Göing in den Tresor ein neues Schloß einsetzen, und zwar ein BKS -Schloß, das stets mit drei Schlüsseln geliefert wird.
Landgerichtsdirektor Colberg kann sich nicht erinnern, daß ihm später ein dritter Schlüssel übergeben wurde. Göing heute: Der dritte Schlüssel sei versiegelt und in seinem Schreibtisch deponiert worden. Von dieser Schlüssel-Versiegelung weiß Colberg nichts. Der dritte Schlüssel ist unauffindbar.
6000 Mark Schweigegeld
Wer den Toto-Direktor Göing mit unerlaubten Manipulationen in Verbindung bringen will, kann auf die Tatsache verweisen, daß er sich zuvor bereits einschlägig bewährt hat. Göing hatte einen nicht ganz vorschriftsgemäß ausgefüllten privaten Wettschein eines Toto-Bezirksstellenleiters im Oldenburgischen, auf den ein Gewinn von 15 000 Mark herauskam, mit der Begründung nicht anerkannt, der Wettschein sei von dem minderjährigen Sohn des Bezirksstellenleiters unterzeichnet, der nicht als Vertragspartner des Totos gelten könne.
Der Bezirksstellenleiter drohte, Göing zu verklagen und ein wenig über Toto-Praktiken zu plaudern. Als wenig später der A-, B- und C-Schein einer Wette, die im ersten Rang 6000 Mark brachte, nicht übereinstimmten und mithin ungültig waren, schanzte Göing die 6000 Mark dem Oldenburger über dessen Schwägerin zu, die an jenem Sonntag erfolglos gewettet hatte. Der Wettschein der Schwägerin wurde nachträglich um den gewinnbringenden Tip ergänzt.
Inzwischen hat man in Hannover entdeckt, daß es auch eine Möglichkeit zum Fußballwettbetrug gab, zu der es eines Tresorschlüssels nicht bedurfte: die nachträgliche Reklamation eines Gewinnanspruchs. War reklamiert worden, wurden der B- und C-Abschnitt des fraglichen Wettscheins beim Toto hervorgeholt und geprüft. Bei solchen Prüfungen waren Manipulationen möglich. Gegenwärtig wird noch untersucht, wie oft Reklamationen eingingen und wie sie erledigt wurden.
Außerdem wird noch untersucht, wo der (stets beim Wettenden verbleibende) A -Teil des Wettscheins geblieben ist, auf dem Herbert Fisbeck die ominösen 288 669 Mark gewann. Der sonst bürokratisch ordentliche Fisbeck weiß es nicht. Der Leiter der Toto-Annahmestelle in Borstel bei Nienburg kann sich nicht einmal erinnern, von Fisbeck, seinem Bezirksstellenleiter, einen privaten Toto-Schein entgegengenommen zu haben.
Entlassener Toto-Direktor Göing
Woher kam das Geld?
Entlassener Verlosungs-Chef Klefisch
Wo blieb das Geld?

DER SPIEGEL 30/1956
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