14.11.1956

„ICH BIN EIN LUMP, HERR STAATSANWALT!“

Niemals ist in unserem Europa weder eine Macht noch auch eine Lehre, am wenigsten eine politische, zu vollkommener Alleinherrschaft gediehen." (Leopold von Rancke, Geschichte der Päpste)
Man weiß nicht, wer am Dienstag, dem 23. Oktober, gegen Mitternacht auf dem Stalinplatz in Budapest den ersten Schuß abfeuerte, wer unter den 10 000 Studenten den zündenden Schrei ausstieß und damit dem magyarischen Zorn gegen Moskau den Atem des bewaffneten Aufstandes verlieh. Man wird es wahrscheinlich auch nie erfahren, braucht es auch nicht zu wissen. Denn es ist sicher: Die Revolution der Ungarn von 1956, als deren Symbol eine Zeitlang der Kommunist Imre Nagy galt, begann nicht mit der Schießerei auf dem Stalinplatz; auch nicht mit dem Entrollen alter Ungarnfahnen auf dem Bemplatz und auch nicht mit dem Einsatz sowjetischer Panzer.
Die ungarische Revolution, die von Studenten und Intellektuellen inszeniert wurde, begann mit dem Auftritt einer Frau.
Jene Frau - eine alte Kommunistin - prangerte zum ersten Male in der Geschichte des sowjetischen Großreiches ungestraft, ja, mit dem Segen der von der Entstalinisierung erfaßten Parteileitung, die zynische Menschenverachtung des Bolschewismus Moskauer Provenienz öffentlich vor der Presse an. Es war am Abend des 5. Oktober. Die Geschichte wird den Beginn der ungarischen Revolution von 1956 an diesen Auftritt legen:
"Man hat mich und meinen Mann am 30. Mai 1949 verhaftet. Es war in den frühen Morgenstunden. Sie holten uns aus den Betten, und da der Haftbefehl auch auf unseren Sohn ausgestellt war, zerrten sie ihn aus seiner Wiege. Er war vier Monate alt. Ein Polizist verschwand mit ihm, und ich sah ihn erst fünf Jahre später nach meiner Entlassung wieder. Mit meinem Mann wechselte ich an jenem Morgen des 30. Mai 1949 die letzten Worte.
"Ich kam im Budapester Zentralgefängnis in harte Einzelhaft, und das einzige, was ich hörte, war der Schritt der Wachen. Nach viereinhalb Monaten hörte ich dann allerdings noch etwas anderes! Das Fenster meiner Zelle ging auf den kleinen Gefängnishof, der als Hinrichtungsstätte diente. Eines Nachts vernahm ich draußen Kommandos. Dann war eine Weile Stille. Sie wurde zerrissen von dem Befehl: ,Geza, tun Sie der Gerechtigkeit genüge!' Es polterte, wie wenn ein Schemel umfällt. Dann wieder Stille. In meiner Zelle war es taghell. Auf dem Hof mußten Scheinwerfer brennen. Dann hörte ich die tiefe Stimme des Gefängnisarztes: 'Der Tod ist eingetreten.' Wenige Stunden später erfuhr ich, daß es mein Mann war, den sie gehenkt hatten. Noch 50 mal hörte ich dieselben Geräusche in einem Monat, dieselben Worte, dieselben Zeichen, daß der Henker Geza am Werke war."
Hätte Frau Julia Rajk, Pionierin der kommunistischen Idee, Ehefrau des Laszlo Rajk, gleichfalls ungarischer Altkommunist, bis zu seiner Verhaftung am 30. Mai 1949 Außenminister, davor Innenminister, diesen Bericht - und was sie noch weiter erzählte - an den Kaminen der Emigration abgegeben, dann wäre, von der menschlichen Tragödie abgesehen, politisch darüber kein Wort zu verlieren. Kennt man doch schlimmere Enthüllungen und schrecklichere Schicksale aus den roten Kerkern.
Aber Frau Julia Rajk, ehemals Führerin des kommunistischen Frauenbundes in Ungarn, erzählte ihre fürchterliche Geschichte nicht als Emigrantin in Wien, Bonn, Paris oder Washington, auch nicht in einer geheimen Sitzung kommunistischer Funktionäre. Sie erzählte das alles Anfang Oktober ausländischen Pressevertretern in Budapest, und sie war in diesem Augenblick bereits wieder Leiterin des kommunistischen Frauenbundes Ungarns.
Das hatte es noch nicht gegeben. Marschall Rokossowski, dem jetzt gestürzten Verteidigungsminister Polens, wurden zwar im Zuge der Tuchatschewski-Säuberung in den dreißiger Jahren in der Lubjanka alle Zähne ausgeschlagen, und er saß jahrelang in einem sibirischen Straflager. Aber man hat nie gehört, daß er sich über die Tortur, die er erlitt, öffentlich ausgelassen hätte.
Jeder, der bisher aus einer Säuberungswelle mit dem Leben davon kam und das Glück hatte, begnadigt an einen Schalthebel der Macht zurückgeholt zu werden, schwieg über das Unrecht, das er erlitt, hütete sich, die Justiz-Methoden des Regimes anzuprangern; denn die Mißachtung des Menschen gehört zum Prinzip der kommunistischen Praxis. Sie angreifen, heißt den Kommunismus in Frage stellen. Frau Rajk tat es. Vielleicht selbst nicht ahnend, was sie da tat.
Frau Rajk lehnte sich nicht etwa gegen "einen individuellen Mißgriff" auf. Sie sprach sachlich von den Formen der Menschenverachtung, der Lüge, des Unrechts und der Schamlosigkeit, die in Ungarn unter Moskaus Protektorat herrschten.
In den Wochen, die auf die Nacht folgten, da unter ihrem Zellenfenster die erste Hinrichtung stattfand, der sie als Ohrenzeugin beiwohnen mußte, holte man sie zum ersten Male zur Vernehmung. Es geschah aber nur, um ihr mitzuteilen, daß ihr Mann Laszlo Rajk als Agent Titos, Hochverräter, Spion und Saboteur gerichtet worden sei.
"Warum?" schrie Julia Rajk den Beamten an. "Warum?" - "Darum!" antwortete der Kommissar und reichte ihr das frisch gedruckte Blaubuch der ungarischen Regierung mit der Anklageschrift und dem gesamten Prozeßmaterial über den Fall Laszlo Rajk und Konsorten. "Gehen Sie in Ihre Zelle und studieren .Sie es gut, denn wir werden auch Sie vor Gericht stellen, und auch Sie werden verurteilt."
Frau Rajk ging in ihre elende Zelle zurück. Sie schlug das Blaubuch auf und las:
"Die Anklageschrift
Von der Budapester Staatsanwaltschaft 1949. áü. Nr. 85. 166/2. An den Volksgerichtshof
BUDAPEST
In der gegen Laszlo Rajk und Konsorten wegen des auf den Sturz der demokratischen Staatsordnung gerichteten Verbrechens und anderer Strafhandlungen anhängigen Strafsache übermittle ich hiermit die Akten der Untersuchung unter Beischließung der folgenden Anklageschrift
Ich erhebe Anklage
I. gegen Laszlo Rajk
geboren am 8. März 1909 in Székelyudvarhely, Mittelschullehrer, ehemaliger Außenminister, verheiratet mit Julia Földi, wohnhaft in Budapest ..."
Julia Rajk stutzte: "Laszlo Rajk, geboren am 8. März 1909?" Ein Druckfehler, schoß es ihr durch den Kopf. Aber mißtrauisch blätterte sie schnell 26 Seiten weiter, wo das Protokoll über die erste Hauptverhandlung verzeichnet ist.
"Die Gerichtsverhandlung
Der Sondersenat des Budapester Volksgerichtshofes begann am 16. September 1949, Freitag vormittag, im großen Saal des Gewerkschaftsgebäudes der Eisen- und Metallarbeiter die Verhandlung der Strafsache Laszlo Rajk und Konsorten. Die Angeklagten wurden einige Minuten nach 9 Uhr von den Justizsoldaten vorgeführt. Hierauf erschienen die Mitglieder des Sondersenats des Volksgerichtshofes unter Führung des Vorsitzenden Dr. Peter Janko im Saal.
"Der Vorsitzende Dr. Peter Janko eröffnet die Verhandlung. Vorsitzender: 'Der Sondersenat des Budapester Volksgerichtshofes wird die Strafsache der des Verbrechens der Organisation zum Sturze der demokratischen Staatsordnung und des Hochverrates angeklagten Laszlo Rajk und Konsorten verhandeln. Ich eröffne die Hauptverhandlung.'
"Dr. Janko stellt hierauf fest, daß die Angeklagten und die von ihnen selbst gewählten Verteidiger anwesend sind."
Alles sehr exakt, sehr formgerecht!
Aber dann kommt es:
"Der Vorsitzende ruft den Angeklagten Rajk auf.
VORSITZENDER: ,Wann sind Sie geboren?'"
RAJK: 'Am 8. März 1909 in Székelyudvarhely.'"
Frau Rajk springt von ihrem Schemel auf. Das gibt es doch nicht. Das ist doch nicht wahr. Ihr Mann soll gemäß wörtlichem Protokoll gesagt haben: "Ich bin am 8. März 1909 geboren." Er ist aber doch am 8. Mai geboren! Seit wann erinnert sich ein Mann seines Geburtstages nicht? Seit wann gibt er ein falsches Datum an? Dasselbe falsche Datum, das in der Anklageschrift steht!
Da zuckt es ihr durchs Gehirn: Diese Lüge ist ein Zeichen. Ein Zeichen ihres Mannes an die, die ihn kennen: Seht her, so dumm, so falsch, so gelogen wie die Angabe meines Geburtstages, so falsch ist alles, was ich in diesem Prozeß sage!
Ja, so muß es sein. Nur so kann es sein. Denn alles, was da weiter in diesem Verhandlungsprotokoll steht, muß doch Lüge sein. Und wenn es zehnmal "gestanden" wurde.
Und Frau Rajk, die in Untergrund und KZ bewährte Genossin ihres Mannes, die mit ihm in Spanien kämpfte, zehn Jahre mit Ihm in ganz Europa für Stalin arbeitete, immer eine treue Verfechterin der Moskauer Linie war, liest mit entsetzten Augen: Ihr Mann gesteht, seit 18 Jahren ein Spitzel der Faschisten gewesen zu sein. Ein Agent - der deutschen Gestapo, des französischen Deuxième Bureau, des amerikanischen Geheimdienstes, des jugoslawischen Innenministers...
"Lüge! Lüge!" schreit Julia Rajk und trommelt gegen die Zellentür. "Lüge! Lüge!"
Der Wärter kommt gesprungen.
Sie brüllt durch die Luke der Zellentür, sie wolle vernommen werden.
Der Mann poltert davon.
Ist nach einer Viertelstunde wieder da: "Kommen Sie mit." Der Vernehmer sitzt mit lächelndem Gesicht an seinem Schreibtisch: "Nun, haben Sie schon alles gelesen?"
Da bricht es aus Julia Rajk hervor. Sie wirft das Blaubuch auf den Tisch. Sie schreit ihm das falsche Geburtsdatum ins Gesicht. Sie sagt, was sie denkt. Und was sie denkt, heißt: Ihr lügt, und ihr habt meinen Mann gezwungen zu lügen. Der Vernehmer antwortet, wie alle Vornehmer in solchen Fällen antworten: "Abführen! Wir werden Ihnen zeigen, was Lüge ist", ruft er ihr nach.
Julia Rajk wurde vor Gericht gestellt und zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie "die gleichen Ideen wie ihr Mann verfochten hat". Julia Rajk erklärte dem Richter: "Ich bin eine alte Kommunistin, ich habe immer die kommunistische Idee verfochten, und ich werde sie auch weiter verfechten, so wie sie mein Mann verfochten hat."
Julia Rajk saß ihre Strafe ab und wurde 1954 entlassen, eineinviertel Jahre nach Stalins Tod. Als sie durch das Tor des Zuchthauses schritt, hieß sie nicht mehr Julia Rajk, sondern die Personalpapiere, die sie erhalten hatte, lauteten auf Frau Laszlo Gyorki. Der Name Rajk war getilgt. Eine Verordnung des Innenministeriums hatte verfügt, daß alle überlebenden Familienangehörigen des Laszlo Rajk umzubenennen seien. Rakosi, der Stalin Ungarns, saß noch immer an der Macht. Und er praktizierte noch immer Stalins Methoden.
Erst im Oktober 1955 erhielt Frau Rajk die Genehmigung, ihren alten Namen wieder anzunehmen. Die sogenannte Rehabilitierung der Opfer des Stalinismus dämmerte. Frau Rajk durfte aus einer trostlosen Isolierung unter Polizeiaufsicht wieder in die Öffentlichkeit. Sie durfte auch ihren Sohn wieder zu sich nehmen.
Auch dessen Schicksal erzählte Frau Rajk den Reportern: Anfang 1952 war ein Mann in Budapest bei der Schwester von Frau Rajk erschienen und hatte sie gefragt, ob sie bereit sei, die Erziehung des Rajk-Sohnes und den Unterhalt zu übernehmen. Sie bejahte. Darauf verschwand der Sendbote.
Am nächsten Tage erhielt die Schwester einen Telephonanruf, sie möge sich pünktlich um 13 Uhr an der Ecke der Vaci-Straße einfinden. Aber keine Minute später, wurde ihr gesagt. Sie war kaum am Treffpunkt angekommen, da fuhr eine Limousine mit verhängten Fenstern in langsamem Tempo an den Bürgersteig. Die Tür des fahrenden Wagens öffnete sich. Ein kleiner Junge wurde herausgestoßen. Das Auto verschwand um die Straßenecke.
Der verschüchterte Kleine sagte, er heiße Istvan Kovacs, aber die Ähnlichkeit des Gesichtsschnittes mit dem seines Vaters Laszlo Rajk ließ keinen Zweifel an seiner Identität. Das zweite, was er sagte, war: "Ich habe Hunger."
Viereinhalb Jahre später, am 6. Oktober 1956, sah alle Welt diesen Jungen, nun sieben Jahre alt, wie ihn seine Mutter Julia Rajk ergriffen festhält und mit ihm am Zinnsarg des 1949 gehenkten Vaters steht. Denn Laszlo Rajk wird rehabilitiert. Der Gehenkte von gestern, der Tito-Spion, Gestapo-Agent, der Landesverräter ist der Geehrte von heute.
Es war also doch alles Lüge, feingesponnene Lüge. So gut gemacht, so logisch gestanden, daß selbst die westlichen Beobachter damals die Köpfe geschüttelt hatten: "Irgend etwas muß ja wohl dran sein", sagten sie. Nun aber, im Jahre 1956, verkündet die kommunistische Regierung Ungarns auf Befehl Moskaus: Es war alles Intrige böser Stalinisten! Ein Irrtum der Richter! Eine Sabotage der Imperialisten! Die Verantwortlichen werden bestraft!
Der Hauptverantwortliche aber, der 64jährige Rakosi, der im Juli dieses Jahres "wegen vorgeschrittenen Alters" von der Parteiführung zurücktrat, nachdem er vorher emsig Selbstkritik geübt und sich des "Personenkults" schuldig bekannt hatte, befindet sich irgendwo in Rußland.
Rajks Leiche - oder was von ihr noch übrig war - wurde am 6. Oktober aus der Kalkgrube des Gefängnishofes gescharrt und in einem Zinksarg am Eingang des Kossuth-Mausoleums am Zentralfriedhof aufgebahrt. Bei dem feierlichen Staatsbegräbnis erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Apro mit der normerfüllten Miene eines Begräbnis-Instituts-Angestellten: "Wir bedauern tief, daß wir an die boshaften Verleumdungen geglaubt haben, die zu Laszlo Rajks und seiner Genossen Märtyrertod geführt haben. Die Beisetzung ist der letzte Schritt zu ihrer Rehabilitierung, zu der wir durch den Willen unseres Volkes gezwungen worden sind. Wir werden diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die für ihr Schicksal verantwortlich sind. Niemals wieder sollen solche ungeheuerlichen Dinge geschehen."
Julia Rajk hört mit steinernem Gesicht die Worte. Der Regen rieselt. Sie hat ihren Sohn fest an sich gepreßt. Heuchlerische Partei-Funktionäre, ehemals treue Diener Stalins, drängen der schaudernden Witwe ihr Krokodils-Mitleid auf.
Der Prozeß
Jene von den Festrednern zitierte grausame Vergangenheit, die niemals mehr wiederkehren sollte, war die Herrschaft Stalins, waren die Prozesse gegen die "Titoisten" in den Volksdemokratien. 1948 hatte sich der große jugoslawische Partisan und Ketzer gegen Stalin, den Papst der roten Pseudo-Kirche, aufgelehnt.
Die Häresie des Tito benutzte Stalin, um jeden Widerstand gegen seine Allmacht im Bereich des Ostblocks brutal auszurotten. Deshalb wurden eingefleischte Kommunisten wie Laszlo Rajk in Ungarn, Traitscho Kostoff in Bulgarien und Rudolf Slansky in Prag hingerichtet. Andere zum Beispiel, der Pole Gomulka, kamen ins Gefängnis. Loyale Kollaborateure wie Jan Masaryk trieb man in den Tod. Es hagelte Anklagen wegen Titoismus, und alle Männer, die in ihrem eigenen Heimatlande, in ihrer kommunistischen Landespartei oder in der Arbeiterklasse ihres Landes verwurzelt waren, wurden einer nach dem anderen dem Henker überantwortet. Damit sollte von vornherein verhütet werden, daß sie in die Versuchung kämen, einen Unterschied zwischen den Interessen ihres eigenen Landes und denen der Sowjet-Union beziehungsweise des Meisters Stalin zu machen. Wer das tat, war ein Verräter, ein Agent der Kapitalisten, ein Spion und Mörder. Den Anschauungsunterricht liefert der Prozeß gegen Laszlo Rajk:
"Geehrter Volksgerichtshof! Dieser Prozeß ist von außerordentlicher Wichtigkeit. Ich kann ohne Übertreibung behaupten: Die Bedeutung dieses Prozesses ist international ... Es sind nicht allein Rajk und Konsorten, die hier auf der Anklagebank sitzen, sondern auch ihre ausländischen Herren, ihre imperialistischen Anstifter in Belgrad und Washington."
Volksanwalt Dr. Alapy, der Ankläger im Rajk-Prozeß, blickt von seinem Manuskript auf und macht eine bedeutungsvolle Pause. Er schaut nicht auf die Reihe der acht Angeklagten, die in der protzigen Marmorhalle des Budapester Gewerkschaftshauses vor ihm sitzen, Jeder von zwei Polizisten flankiert. Sein Blick geht auch nicht zu den 300 dreimal gesiebten und abkommandierten Zuhörern aus den Betrieben und Behörden. Er schaut auf die Journalisten hinter der Barriere aus einer dicken roten Kordel, die nunmehr seit sechs Tagen diesem erstaunlichen Theater zusehen und zuhören. Es sind nicht nur kommunistische Journalisten.
Da sitzt Serge Karsky von "Le Monde", Paris; L. Erdös von "France Soir"; Michael Burn von der Londoner "Times"; Joseph Kingsbury Smith vom "International News Service", New York; Richard Clark von "United Press" und Stephen White von der Pariser Ausgabe der "New York Herald Tribune". Gleich neben ihm sitzt Wilfred Burchett vom "Daily Express", London.
Dr. Alapy wendet den Kopf zum Volksgerichtshof, der wie der Vorstand eines Kegelklubs an dem Tisch auf der Estrade sitzt: Der Vorsitzende Dr. Peter Janko und die Volksrichter im volkseigen produzierten Sonntagsstaat, Sandor Bares, ein Journalist, Jozsef Czeh, ein werktätiger Bauer, Frau Gyula Konta, eine Fabrikarbeiterin, und Lajos Simon, ein Lederfabrikarbeiter. Alapy hebt die Stimme: "Was ist das Charakteristische an diesem Prozeß, geehrter Volksgerichtshof? In erster Linie nicht die Tatsache, daß auf der Anklagebank verschworene Feinde der ungarischen Volksdemokratie sitzen... Laszlo Rajk und seine Spießgesellen unterscheiden sich von jenen Feinden der Volksrepublik, die in den vergangenen Jahren von der strafenden Hand unserer demokratischen Justiz ereilt wurden, darin, daß sie nicht als offene Feinde, sondern im Dunkel lauernd, sich in die führende Partei unserer Volksdemokratie und in unseren republikanischen Staatsapparat einschleichend, zum Angriff vorgingen. Wir stehen kriecherischen, hinterlistigen Schlangen gegenüber einem Feind, der gefährlicher und hassenswerter ist als irgendein anderer vordem."
Wieder wendet sich der Kopf Dr. Alapys in Richtung der Journalisten: "Auch die bisher entlarvten und unschädlich gemachten. Feinde unserer ungarischen Volksdemokratie steckten mit den ausländischen imperialisten unter einer Decke. Laszlo Rajk und seine Komplicen waren ebenfalls Knechte und Diener der ausländischen Imperialisten. Aber ihr besonderes Verbrechen besteht darin - und das ist die Eigenart dieses Strafprozesses -, daß als Vermittler, als Hauptagent, als Sturmtruppe des Imperialismus jene leitende jugoslawische Clique - Tito und seine Bande - auftritt, die heute die heldenmütigen Völker Jugoslawiens unterjocht und die Macht in Jugoslawien usurpiert."
Die Katze ist aus dem Sack. "Die Eigenart dieses Strafprozesses besteht darin, daß eben nicht Laszlo Rajk und seine Genossen auf der Anklagebank sitzen, sondern Tito und seine Bande." Und Tito und seine Bande - was ist mit ihnen?
"Ich wiederhole, geehrter Volksgerichtshof, daß die bei der Hauptverhandlung gemachten Aussagen die Anklage in vollem Umfange erwiesen haben. Was wurde erwiesen? In erster Linie erwies es sich von Laszlo Rajk, daß er seit 1931 Polizeispitzel war. Es ist ihm nachgewiesen, daß er unter dem Horthy-System mehr als ein Jahrzehnt hindurch der Polizei Opfer lieferte, die unterirdische Arbeiterbewegung verriet ... Es ist erwiesen, daß er in Spanien Provokateur war. Es ist erwiesen..., daß er Dienste für die französische Spionageorganisation des Deuxième Bureau annahm. Es ist erwiesen, daß er mit der Gestapo in Verbindung stand und nach dem Sturz des deutschen Faschismus Agent des Erben der Gestapo, nämlich der amerikanischen Spionageorganisation, wurde.
"Es ist erwiesen, daß er als hoher Funktionär seiner Partei, als Innen- und Außenminister ein gemeiner Spion, ein Werkzeug fremder Mächte, ein Verschwörer, ein Niederträchtigkeiten planender Bandit war. Er war ein überzeugter Faschist. Er war ein jugoslawischer Agent... Dieser Prozeß hat aber vor allem die Tito-Banditen, das Gros der heutigen Regierungsmänner Jugoslawiens, als Verbündete der amerikanischen Imperialisten, als ganz gewöhnliche Agenten imperialistischer Spionageorganisationen entlarvt. Die Verhandlung erbrachte in Fülle Beweise dafür, daß die Verbindungen der Clique der Tito -Leute mit den Imperialisten nicht erst nach dem bekannten Beschluß des Informationsbüros zustande kam, sondern alten Datums sind. Gegen tolle Hunde gibt es nur eine Methode der Abwehr: Man muß sie erschlagen..."
Das ist die Stimme Wyschinskis, des Anklägers aus den großen Moskauer Schauprozessen der dreißiger Jahre, den klassischen Vorbildern dieses Prozesses. Damals ging es noch nicht gegen "Titoisten", sondern gegen "Trotzkisten", gegen Leute also, die verdächtigt wurden, mit dem Beelzebub Trotzki, dem Erzgegner Stalins, zu sympathisieren. Wörtlich sagte damals Wyschinski: "Diese tollen Hunde muß man erschlagen."
Es war ungeheuerlich, was für einen Kolportageroman die Anklage im Rajk -Prozeß zusammengetragen hatte. Dabei ist alles bis ins einzelne aufeinander abgestimmt. Kein Glied fehlt in der Beweiskette. Die kommunistische Logik ist atemberaubend. Immer taucht der richtige Agent an der passenden Stelle auf. Und doch ist alles Stümperei gegen das, was man später - zum Beispiel im Kostoff-Prozeß in Bulgarien - erleben wird.
Rajk und seine sieben Mitangeklagten gestehen. Sie gestehen uneingeschränkt, ja, geradezu eifrig. Sie sind selbst ihre besten Ankläger; und wo Dr. Alapy noch etwas zu erwähnen vergißt, da bringen sie es eifrig aufs Tapet: Detektive gegen sich selbst.
Ein ungarischer Außenminister, ein Feldmarschalleutnant, ein Mitglied des Zentralkomitees, ein Legationsrat, ein Polizeioberst, ein Vizepräsident des ungarischen Rundfunks - alles verdiente Kämpfer für Moskau, alle mit hohen sowjetischen Orden ausgezeichnet, bezichtigten sich eifrigst und untertänigst, Polizeispitzel und Gestapo-Agenten gewesen zu sein, im Dienste Marschall Titos die Absicht gehabt zu haben, Ungarn dem jugoslawischen Staatsverband einzuverleiben. Sie wollten auch die führenden stalintreuen Kommunisten, vor allem Rakosi, Farkas und Gerö, ermorden. Sie geben zu, das Wirtschaftsleben sabotiert und dem amerikanischen Spionagedienst ständig Staatsgeheimnisse verraten zu haben.
Da steht der schwarzhaarige 40jährige Laszlo, Rajk, dem der Revolutionär und Fanatiker ins Gesicht geschrieben ist und der sein halbes Leben der kommunistischen Partei mit Fanatismus, Intelligenz und Dynamik gedient hat. Er wurde 1909 in Siebenbürgen als Sohn eines Schuhmachers geboren, schloß sich bereits als Student einem revolutionären Zirkel an und wurde 1932 zum erstenmal verhaftet. Er organisierte nach seiner Freilassung 1933 illegale kommunistische Jugendgruppen und wurde erneut verhaftet, tauchte 1935 mit seiner späteren Frau in Prag und Preßburg auf und war 1936 - gleichfalls mit seiner Frau Julia - in Frankreich tätig. Er ging nach Spanien, wurde Sekretär einer Internationalen Brigade und politischer Kommissar des ungarischen Freiwilligenbataillons Rakosi (Rakosi saß währenddessen in ungarischen Gefängnissen). Vor dem Ende des Bürgerkrieges erwischte ihn in der Schlacht am Ebro eine Kugel.
Im französischen Lager Vernte wurde Rajk später interniert. Er floh, kehrte illegal nach Ungarn zurück und übernahm das Amt des Generalsekretärs der illegalen kommunistischen Partei. Er war Leiter der Widerstandsbewegung gegen das Horthy -Regime. 1944 wurde er zusammen mit seiner Frau wiederum verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Das Schuldbekenntnis des Funktionärs
Im Mai 1945 fuhr er in einem Ruderboot über die Donau nach Budapest, schloß sich der unter Rakosi stehenden, im Moskauer Exil zentralisierten Kommunistischen Partei an und wurde 1945 kommunistischer Abgeordneter des Parlaments. Von 1946 bis 1948 war er in verschiedenen Kabinetten Innenminister. In dieser Zeit führte er mit eiserner Strenge die Säuberungen gegen die antikommunistischen und bürgerlichen Elemente durch. Die Methode kommunistischer Prozesse kann ihm nicht gar so neu gewesen sein. Er selbst war maßgeblich an der Einleitung des Kampfes gegen Kardinal Mindszenty beteiligt. Im August 1948 bis zu seiner Verhaftung im Mai 1949 war er Außenminister. Daneben hatte er folgende Ämter inne: Präsident der Unabhängigen Volksfront Ungarns, Generalsekretär der Volksfront, Spitzenkandidat des Wahlkreises Sopron und Mitglied der Nationalversammlung. Ein bewegtes Leben! Was daran auffällt, ist allerdings die Tatsache, daß er zu seinem Unglück niemals in Moskau als Emigrant war, daß er also nicht zu den Gesalbten des Kreml gehörte.
Dieser Mann steht am 16. September 1949 im Budapester Gewerkschaftshaus vor dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes und antwortet auf dessen Fragen.
VORSITZENDER: "Haben Sie die Anklage verstanden?"
RAJK: "Ja!"
VORSITZENDER: "Bekennen Sie sich schuldig?"
RAJK: "Ja!"
VORSITZENDER: "In allen Punkten der Anklage?"
RAJK: "In allen Punkten!"
VORSITZENDER: "Gehen Sie also in allen Einzelheiten auf die Reihe der Ereignisse ein. Beginnen wir damit, wie Sie im Jahre 1931 in den Dienst der Horthy-Polizei gekommen sind."
Und nun schildert Laszlo Rajk, der bewährte Kämpe der kommunistischen Illegalität, eine abenteuerliche Geschichte:
"Ich näherte mich dem kommunistischen Jugendverband" - natürlich im Auftrag der Horthy-Polizei. Er denunziert die führenden Mitglieder. Er sabotiert die Propaganda. "Da ich die Propagandaschriften selbst verfaßte und ihre Verbreitung von mir abhing, konnte ich ihren Vertrieb natürlich sabotieren." Er organisierte kommunistische Kundgebungen - natürlich im Auftrag der Horthy-Polizei und nur mit dem Ziele, der Polizei einen Grund zum Eingreifen zu geben. Er ging in die Tschechoslowakei - natürlich im Auftrage der Horthy-Polizei -, um die kommunistische Propaganda auszuspionieren; und er erhielt - natürlich von der Horthy-Polizei - den Auftrag, nach Spanien zu gehen und dort in der Internationalen Brigade gegen Franco zu kämpfen.
RAJK: "Ich fuhr nach Spanien mit einem Doppelauftrag. Einerseits sollte ich die Namen der Mitglieder des Rakosi -Bataillons erfahren, andererseits sollte ich durch politische Wühlarbeit dahin wirken, daß die militärische Schlagkraft des Rakosi -Bataillons verringert wird. Die erste Aufgabe war leicht. Die zweite löste Ich dadurch, daß ich 1938 als Parteisekretär des Bataillons die politische Disziplinarangelegenheit eines Offiziers auf die Tagesordnung setzte, um auf diese Weise politische Differenzen im Bataillon zu entfachen. Ich füge noch hinzu, daß ich neben dieser Tätigkeit im Rakosi-Bataillon auch trotzkistische Propaganda entfaltete. Ich desertierte im Februar 1939 aus Spanien und geriet in ein französisches Internierungslager."
Das Geheimnis der blonden Jugoslawin
Jetzt beginnt das eigentliche Abenteuer, auf das Dr. Alapy entscheidenden Wert legt.
RAJK: "In dem französischen Internierungslager war ich mit Jugoslawen zusammen. In dem französischen Internierungslager war eine sehr starke trotzkistische politische Tätigkeit im Gange. Die hauptsächlichen Organisatoren und gleichzeitig Vollzugsorgane dieser Politik waren die Mitglieder der jugoslawischen Gruppe ... Ich stand in enger Verbindung mit diesen Jugoslawen und betrieb mit ihnen zusammen dieselbe trotzkistische Politik." Der neue kleine Teufel Tito muß mit dem altbösen Feind Trotzki in einen Topf.
In der französischen Internierung wird Rajk nach seinem eigenen Geständnis aber auch vom Deuxième Bureau angeworben. Das hindert ihn nicht daran, gleichzeitig von einem Gestapo-Major, "dessen Namen ich nicht mehr weiß", in die Dienste der deutschen Staatspolizei genommen zu werden. Dieser Gestapo-Major enthüllte ihm auch offenherzig, daß der Leiter der politischen Abteilung der ungarischen Geheimpolizei, Peter Hain, ihn, Rajk, an die Gestapo empfohlen habe.
Merkwürdigerweise hatte der Gestapo-Major eine Liste seiner jugoslawischen Vertrauensmänner bei sich, die er Rajk unbedenklich vorlas und von denen er erzählte, daß er sie gleichzeitig in die Dienste der Gestapo genommen habe. Dieselbe Liste - heilige Einfalt - hatte auch der Offizier des Deuxième Bureau Rajk vorgelesen, als er mit ihm über die jugoslawische Trotzkistengruppe sprach. Der sagenhafte Gestapo-Major vertraute Rajk auch an, daß er die jugoslawischen Trotzkisten - alles später engste Mitarbeiter Marschall Titos - gleichfalls nach Jugoslawien schaffen werde, damit sie dort im Dienste der Gestapo arbeiten könnten.
RAJK: "Meine Verbindung mit den Organen des jugoslawischen Spionagedienstes kam eigentlich erst in Abbazia (einem jugoslawischen Kurort, in dem sich Rajk im Sommer 1947 aufhielt) formell zustande. Hier wurde Ich In die jugoslawische Linie eingebaut, und hier wurde es mir zum erstenmal klar, daß nicht nur Rankowitsch (der damalige jugoslawische Innenminister) und andere, die in Spanien waren, eine trotzkistische Politik betreiben und mit den Organen des amerikanischen Spionagedienstes in Verbindung stehen, sondern auch Tito selbst, der Ministerpräsident der jugoslawischen Regierung."
"Das kann ich durch die folgenden Tatsachen erhärten. Während meines Aufenthaltes in Abbazia erschien bei mir in der Villa eine etwa 30 Jahre alte blonde Frau. Sie sprach ungarisch und teilte mir mit, daß Rankowitsch demnächst nach Abbazia kommen werde und mit mir sprechen wolle und daß von dieser Unterredung außer uns dreien niemand etwas erfahren dürfe. Tatsächlich traf Rankowitsch auch einige Tage später ein. Die mir namentlich unbekannte blonde Frau fungierte als Dolmetscherin. Rankowitsch sagte mir, er wisse, daß ich mit der ungarischen Polizei in Verbindung stehe, und Tito habe ihn deshalb nach Abbazia geschickt, um mir folgendes mitzuteilen: Sollte ich in Zukunft (als Innenminister Ungarns) nicht ein politisches Verhalten an den Tag legen, das die Politik Titos in jeder Beziehung unterstütze, so werde man mich entlarven. Ich bestritt, daß ich mit der ungarischen Polizei in Verbindung gestanden hatte. Meine Zusammenarbeit mit den jugoslawischen Genossen täte ich nicht aus Druck, sondern weil meine politische Haltung mit der ihren verwandt sei. Rankowitsch zog darauf ziemlich spöttisch eine Photokopie aus der Tasche und übergab sie mir. Ich sah sofort, daß es eine Photokopie meiner schriftlichen Erklärung war, die ich 1931 Hetenyi (dem Leiter der Budapester Oberstadthauptmannschaft zur Horthy-Zeit, dem sich Rajk angeblich schriftlich verpflichtete, gegen die Kommunistische Partei Spitzeldienste zu leisten) gelegentlich meiner Verhaftung übergeben hatte."
"Ich bin arischer Abstammung!"
Rajk berichtete weiter "Ich fragte Rankowitsch, wie er in den Besitz dieser Photokopie gekommen sei. Rankowitsch erwiderte darauf, daß dieses Dokument nicht aus dem Archiv der jugoslawischen faschistischen Polizei, sondern von den Amerikanern stamme. Das Archiv der Horthy-Polizei sei nach dem Westen gerettet worden und den Amerikanern in die Hände gefallen. Ich fragte Rankowitsch, aus welchen Gründen wohl die Amerikaner ihm diese Photokopie übergeben hätten. Rankowitsch antwortete, es hätte gar keinen Sinn, daß wir voneinander die Katze im Sack kauften, um so weniger, als ich ihre ganze Politik und ihre Verbindungen durchschauen müsse. Er könne mir darum sagen, daß sie mit den Amerikanern in Verbindung stünden. Er habe auch Kenntnis von dem Gespräch, das ich mit Himmler (einem Beauftragten der Amerikaner namens Marton Himmler, der aber in dem Prozeß nicht ohne Absicht häufig nur Himmler genannt wird) geführt hätte und welche Aufgaben mir von diesem erteilt wurden, um die Machtübernahme der rechtsgerichteten Kräfte zu fördern und die Einheit der kommunistischen Partei zu sprengen. Er wisse auch, daß der Beauftragte der Amerikaner mir mitgeteilt habe, daß ich weitere Weisungen in nächster Zukunft nicht unmittelbar von den Amerikanern, sondern von jugoslawischer Seite erhalten werde. In der Zukunft werde ich von Tito beziehungsweise durch den von ihm bezeichneten Vermittler die weiteren Aufträge und Weisungen erhalten ... Kurz nach meiner ersten Zusammenkunft mit Rankowitsch ... trafen die ersten durch Brankow (den dritten Angeklagten im Rajk-Prozeß, ehemals jugoslawischer Legationsrat in Budapest) ein; ich solle die leitenden Posten der Polizei sowie der Armee mit Elementen besetzen, die, unserer Politik entsprechend, nationalistisch, chauvinistisch, sowjetfeindlich und für uns verläßlich seien."
Mit dieser Aussage war der gigantische Ring dieses Räuberromans geschlossen: Tito und seine engsten Mitarbeiter standen im Dienst der Amerikaner und waren bemüht, Südosteuropa für den westlichen Imperialismus zu erobern, die kommunistische Partei zu zerstören, die Sowjet-Union aus dem Balkan zu verdrängen die Länder der Volksdemokratien unter jugoslawischem Protektorat zu einer Balkan-Föderation unter amerikanischer Oberleitung zu machen.
Und das sagte nicht irgendein kleiner Agent, das bestätigte der ehemalige Innen- und Außenminister Laszlo Rajk. Dr. Alapy schaute mit stolzem Siegerlächeln auf die Platze der westlichen Journalisten: "Nun, was sagen Sie jetzt? Ist das eine Verschwörung?" Aber, der Wachsamkeit der Völker sei Dank, diese Verschwörung war nicht gelungen. In letzter Minute hatte das Auge der Sicherheitspolizei den Plan entdeckt.
Rajk schenkte sich auch in diesem Punkt nichts. Er; der als Innenminister selbst die großen Säuberungen gegen die Antikommunisten gedeckt hatte, erklärte gehorsam auf die Frage des Vorsitzenden: "Und wieweit sind alle diese Pläne gelungen?"
RAJK: "Die Durchführung ist nicht gelungen. Es gelang nicht, weil im Laufe des Jahres 1948 infolge der Umbildung der Regierung (Rajk war auf Betreiben seines. Gegners Rakosi von dem wichtigen Posten des Innenministers weg auf den des "Außenministers" abgedrängt worden) unsere schon eingebauten Leute von allen Gebieten des staatlichen Lebens, auch aus den gesellschaftlichen Vereinigungen, den Staatsämtern, dem Heer, der Leitung der gesellschaftlichen Vereinigungen, überall entfernt wurden. Auch die Tätigkeit der Propaganda der von Mindszenty geführten katholischen Reaktion, auf die Tito baute, schoß fehl, weil die erstarkte volksdemokratische Zentralregierung mit der Verstaatlichung der Schulen der katholischen Reaktion eines der wichtigsten Mittel aus der Hand nahm. Ein entscheidend schwerer Schlag gegen den ganzen Plan!"
Was Laszlo Rajk gestand, gestanden auch seine sieben Mitangeklagten. Sie vervollständigten mit kriminalistischen Einzelheiten und Delikatessen die gigantische Verschwörung, die alle hassenswerten Einrichtungen der letzten dreißig Jahre einschloß: die Hitlersche Gestapo, das französische Deuxième Bureau, das Weiße Haus und die amerikanische Spionage-Organisation des Allen Dulles, die Kapitalisten, die Faschisten, die Horthy-Spione und den Kardinal. Ein Kolossalgemälde politischer Kriminologie von beispiellosen Ausmaßen.
So ist es allen Zuhörern im Gewerkschaftshaus zu Budapest im September 1949 klar, daß es kein Zufall ist, als der Vorsitzende bei der Aufnahme der Personalien der Angeklagten etwas Merkwürdiges tut.
Als er den zweiten Angeklagten, Feldmarschalleutnant György Palffy, zu den Personalien vernimmt, geht das so vor sich:
VORSITZENDER: "Wann sind Sie geboren?"
PALFFY: "Am 16. September 1909."
VORSITZENDER: "Haben Sie immer so geheißen?"
PALFFY: Nein. Mein früherer Name war György Österreicher."
VORSITZENDER: "Wann haben Sie Ihren Namen geändert?"
PALFFY: "Im Jahre 1934"
Laszlo Rajk wurde diese Frage bei den ersten Vernehmungen nicht gestellt Aber als der Vorsitzende am Schluß der Vernehmung des ersten Verhandlungstages die Sache nachholte, geschah es zum ersten und einzigen Male, daß Rajk aufmuckte.
VORSITZENDER: "Ich habe jetzt noch eine letzte Frage an Sie zu richten. Wie ist der Name Ihres Vaters?"
RAJK: "Jozsef!"
VORSITZENDER: "Und der Zuname?"
RAJK: "Jozsef Rajk."
VORSITZENDER: "Also Jozsef Rajk sagen Sie. Wie hieß Ihr Großvater?"
RAJK (in gereiztem Ton): "Mein Großvater schrieb seinen Namen als gebürtiger Sachse noch Reich."
VORSITZENDER: "Sie sagen, daß Ihr Großvater noch Reich hieß. Wie wurde daraus Rajk? Auf gesetzlichem Wege?"
RAJK: "Auf gesetzlichem Wege!"
VORSITZENDER: "Wieso?"
RAJK: "Ich kann den Zeitpunkt nicht angeben, wann dies auf gesetzlichem Wege geschehen ist. Im Taufschein ist der Name noch mit ,a' geschrieben, also aus Reich wurde Rajk, aber jedenfalls waren auch meine Universitätspapiere bereits so ausgestellt."
VORSITZENDER: "Sie nahmen einfach den Buchstaben ,a' unter Weglassung des Akzents. Und das halten Sie für gesetzlich?"
RAJK: schweigt.
VORSITZENDER: "Mit einem Wort, Sie haben Kenntnis davon, daß aus Reich Rajk wurde."
RAJK (heftig): "Ich möchte im Zusammenhang damit bemerken, daß meine Abstammung arisch ist, dazu noch wirklich arisch, da der eine Zweig meiner Familie sächsisch ist. Das ungarische Ariergesetz ..."
An dieser Stelle unterbrach der Vorsitzende den Auftritt. Er tat plötzlich so, als habe er nur die formale Differenz auf einem Matrikelauszug klären wollen. Was steht hinter diesem Duell?
Der Versuch, auch Rajk einen jüdischen Namen anzuhängen, war dem Vorsitzenden nicht gelungen. Rajks Kampflust bei dieser belanglos erscheinenden Kontroverse ist überraschend, angesichts der Tatsache, daß er ganz andere Vorwürfe nicht nur hinnahm, sondern bestätigte. An keiner anderen Stelle vermerkt das Protokoll bei Rajk "Heftigkeit".
Ob Rajk sich durch die Verdächtigung, jüdischer Abstammung zu sein, nur deshalb provoziert fühlte, weil er während der Zeit seiner Machtkämpfe mit Rakosi kräftig die antisemitischen Strömungen in den ungarischen Arbeitskreisen genutzt und offen darauf hingewiesen hatte, daß die ungarische KP-Führung von Rakosi über Gerö und Reval bis Farkas nur aus Juden bestand, oder ob er aufgrund seiner reichen Erfahrungen als Innenminister begriff, daß sein Name und seine Geständnisse mit einer Gruppe assoziiert werden sollten, auf die die Häscher schon warteten - die Zionisten nämlich -, ist schwer zu entscheiden.
Auf jeden Fall ist dieser Vorgang im Rajk-Prozeß ein sprechendes Beispiel für die Filigranarbeit, mit der bereits neuer Nachschub an Verdächtigen für den Henker bereitgestellt wurde. War es das erste Aufblitzen von Stalins späteren Ausbrüchen gegen die "jüdischen Verschwörer" mit dem Prozeß gegen die Zionisten und die Ärzte? Ein gigantischer vorausschauender Plan? Oder das Teufelsrad der Lüge, die Mechanik des Terrors? Schwer zu sagen.
Für die These, daß bereits damals ein Feldzugsplan für weitere Prozesse festgelegt war, spricht die Tatsache, daß im Rajk -Prozeß eine Anzahl andere Einzelmenschen und Menschengruppen zum Teil noch ganz andeutungsweise ins Licht des Verdachts gerückt wurden, die später als Verschwörerzentren eine Rolle spielten.
Das waren die kommunistischen Spanienkämpfer, die nach Rajks Aussagen über weitläufige trotzkistische und titoistische Nester verfügten. Sie rückten zum erstenmal ins Kraftfeld des Verdachts. Warum wohl? Nun, die kommunistische Frontgemeinschaft, die sich vor Madrid, am Ebro und am. Aleazar gebildet hatte, schien Stalin eine gefährliche Voraussetzung zu "Sektierertum und Fraktionstümelei".
Aber auch der Aufenthalt in Hitlers Konzentrationslagern war dem Oberverdachtsschöpfer im Kreml eine nicht astreine Sache, jedenfalls nicht, wenn jemand lebend davongekommen war. Man konnte sich in Moskau nicht recht vorstellen, daß Heinrich Himmler ohne finstere Absicht einen Kommunisten überleben ließ. Wenn es geschah, lag der Verdacht nahe - den Rajk bestätigte -, daß die Gestapo die Hand im Spiele hatte und die Überlebenden Werkzeuge der faschistischen Spionage waren. Diese Einstellung zeigt deutlicher als jede feinsinnige psychologische Analyse die Frucht des Mißtrauens, gewachsen am Baum der eigenen bösen Taten und Methoden. Das Urteil
Doch trotz der unsinnigen Anklagen hielten alle Beschuldigten ihre Rolle bis zum bitteren Ende durch.
Bis in ihre Schlußworte trieften die Angeklagten des Budapester Prozesses von Geständigkeitseifer, von Reue und von Selbstanklagen. Sie schrien nach harten Urteilen gegen sich selbst, nannten sich Spione, Verräter, Provokateure und Lumpen. Sie wüteten gegen ihre Ehre und priesen ihre Vernichter. Sie führten aber auch mit wackerer Leidenschaft die Lanze des Anklägers, Dr. Alapy, und ritten jeder in seinem Schlußwort im Angesicht von Tod oder lebenslänglichem Zuchthaus gegen Tito zu Felde.
Da rief Dr. Tibor Szönyi mit erhobener Stimme: "Tito und seine Clique! Bei den Verhandlungen mit uns und ihren Komplizen legten sie die Maske ab, sprachen offen vom Umsturz des volksdemokratischen Regierungssystems und schraken vor keinem Verbrechen zurück. Geehrter Volksgerichtshof, ich stand auch im Dienste dieser bösen Pläne. Mein Verbrechen wird, im Spiegel der Delikte der Hauptverbrechen-der schädlichen Titobande gesehen, nicht geringer."
Andras Szalai erklärte in seinem Schlußworts: "Ich wurde ein Komplize jener verräterischen Tito-Clique, jener Spione, Mörder, Verräter ... Ich sehe dem schweren Urteil des Volksgerichtshofs entgegen."
Und Milan Ognjenowitsch: "Die Bande Titos hat meine materiellen Verhältnisse ausgenutzt und mich in ihre Reihen gezogen."
Der Feldmarschalleutnant György Palffy: "Es ist wahr, daß ich aufgrund meiner chauvinistischen, faschistischen Einstellung zur Tarnung meiner wahren Tätigkeit der Kommunistischen Partei beitrat. Nicht nur mich selbst klage ich an, sondern auch die Tito-Clique und ihre Herren, die US-Imperialisten."
Bela Korondy: "Meine Aufgabe war es, die Mitglieder der Regierung in Gewahrsam zu nehmen, die Minister Rakosi, Farkas und Gerö physisch zu vernichten. Ich bitte den Volksgerichtshof, dies bei der Urteilsfällung für mich in Betracht zu ziehen."
Pal Justus: "Ich will mich nicht entschuldigen, ich will nicht Vermindern, was' ich verübt habe ... Das schwerste Verbrechen beging ich dadurch, daß ich auf Weisung des jugoslawischen Geheimdienstes und namentlich des jugoslawischen Innenministers Rankowitsch Spionagetätigkeit und Wühlarbeit gegen die ungarische Volksdemokratie betrieb."
Nur der Hauptangeklagte Laszlo Rajk kleidete seine Selbstanklage im Schlußwort in verklausulierte Feststellungen. Man konnte daraus entnehmen, welche Kämpfe die Vernehmer mit ihm gehabt hatten: Wie in der Hauptverhandlung an verschiedenen Stellen, so betonte er auch im Schlußwort, daß alles, was er getan habe, seiner eigenen Verantwortung entstamme.
Dann aber tat er dem Dr. Alapy doch den Gefallen: "Diesbezüglich steht jedoch ohne Zweifel fest, daß ich in gewissem Grade auch das Mittel der Politik Titos wurde, jenes Tito, der den Spuren Hitlers folgte und auf dem Balkan und in Osteuropa Hitlers Politik fortführt. Mit den meisten Feststellungen des Herrn Volksanwalts bin ich völlig einverstanden."
"Mit den meisten", sagte Rajk. Nur "mit den meisten Feststellungen des Volksanwalts einverstanden zu sein, das war für einen kommunistischen Schauprozeß der Stalin-Ära schon eine ungeheuerliche Einschränkung. Aber die Geste des alten Rebellen Rajk endete in müder Resignation, die durch die absurde Logik seines Schlußsatzes schimmert: "Eben deshalb erkläre ich schon jetzt im voraus, daß ich das Urteil des Volksgerichts mich betreffend für gerecht halte."
Man muß diese Schlußworte aus der Sicht eines verlorenen Mannes auf verlorenem Posten lesen. Nicht aus dem Blickwinkel westlicher Rechtssicherheit. Man muß bedenken, daß Rajk Kommunist war. Dann verraten diese Worte noch viel Mut, und sie machen vor allem klar, was eigentlich hinter seiner Resignation stand. Die kommunistische Zeitung "Szabad Nep" hat es am 6. Oktober 1956 anläßlich der Rehabilitierung Rajks und seiner Mitverurteilten mit einer fast an Rechtfertigung der damaligen Urteile grenzenden Rabulistik ausgesprochen: "Viele ungarische Kommunisten haben durch ihren Märtyrertod bewiesen, daß für einen Kommunisten nichts hehrer und heiliger sein kann als die Interessen des werktätigen Volkes und die Freiheit der Heimat. Die Tragödie Rajks und seiner Genossen liegt darin, daß im Namen des Volkes und des Sozialismus das Todesurteil über diese selbst noch in der Stunde ihres Todes treuergebenen Soldaten der Partei, des Volkes und des Sozialismus ausgesprochen wurde."
Die große Frage ist hier angeschnitten: Warum gestanden die Angeklagten? Warum logen sie? Warum entehrten sie sich? Eine Frage, über die noch zu sprechen sein wird Hier aber noch das Ende dieser "treuergebenen Soldaten der Partei":
Am 15. Oktober 1949 wurden Laszlo Rajk, Tibor Szönyi und Andras Szalai im Hof des Budapester Zentralgefängnisses gehenkt. Unter dem Zellenfenster im ersten Stock stand eine vor Entsetzen starre Frau und mußte die mörderische Prozedur hören. Henker Geza arbeitete perfekt. Drei Galgen standen nebeneinander. Es waren Holzpfähle mit einer einfachen Nase am oberen Ende, über die der Strick lief. Der Delinquent mußte auf einen kleinen Schemel treten, den Geza auf den Befehl: "Geza, tun Sie der Gerechtigkeit genüge!" einfach mit dem Fuß wegstieß. Auf diese Weise war der Fall des Gehenkten nicht tief. Selten brach der Halswirbel. Das Opfer wurde qualvoll stranguliert. Die Füße zuckten, nur wenige Zentimeter über dem Boden nach Halt suchend.
Geza schaute aufmerksam zu. War er besonders gnädig, dann hängte er sich an den Körper des Opfers und brach ihm so das Genick - für einen schnellen Tod.
Bei Laszlo Rajk war er nicht gnädig. (Fortsetzung folgt.)
Frau Rajk* und Sohn: Fürchterliche Auferstehung
Der Rajk-Prozeß (1949): "Lüge, lüge, Lüge!"
Angeklagter Rajk
"Tolle Hunde, die man erschlagen muß"
Imre Nagy und Tochter: Die Vernunft schwieg ...
... angesichts des Terrors: Titoistenvernichter Rakosi
Rehabilitierung der Rajk-Gruppe (1956): Eine Stimme aus dem Innern
Exekution der Rajk-Gruppe (1949): Kommandos von draußen
* Bei der Aufbahrung ihres rehabilitierten Ehemannes.

DER SPIEGEL 46/1956
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