21.12.1960

NEU IN DEUTSCHLANDUte Erb: „Die Kette an deinem Hals“.

Die 19jährige Aktivistin für zeitgemäßen Jugendzorn, die sich, von Ost und West gleichermaßen angewidert, gegenwärtig in einem israelischen Kibbutz abrackert, schildert in wachem, von Twen-Rotwelsch gespicktem Deutsch die Bekenntnisse einer durch Familie, Politik und Hormone beunruhigten Gymnasiastin in Mitteldeutschland. Weniger die politische Finsternis zwingt die Oberschülerin Gudrun Flach zur Revolte, als vielmehr ihre hysterische und opportunistisch gesinnte Familie. Ein an ihrer Jungmädchensehnsucht zerrender Briefpartner in Düsseldorf, die Lektüre westlicher Literatur und die erlittene Unbill in den obligatorischen FDJ - Versammlungen vertiefen die Republikfluchtgedanken des zornigen Teenagers. Ute Erbs Heldin entledigt sich schließlich des Titel-Halsschmucks, den der weise König Salomo ("Mein Kind, gehorche der Zucht deines Vaters, und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter, denn solches ist ein schöner Schmuck deinem Haupt und eine Kette an deinem Halse") und die Manifestanten Marx und Engels ("Die Proletarier
haben nichts ... zu verlieren als ihre Ketten") für sie vorsahen: Sie sucht am Ende des Romans in Westberlin Zuflucht.
(Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main; 248 Seiten; 12,80 Mark.)

DER SPIEGEL 52/1960
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