14.11.2005

SRI LANKATamilen-Tiger schüchtern Wähler ein

Bei der Präsidentenwahl am Donnerstag wird ein Nachfolger für die scheidende Staatschefin Chandrika Kumaratunga gesucht, und die Sache scheint eigentlich gelaufen. Vieles deutet auf einen Sieg des derzeitigen Premierministers Mahinda Rajapakse hin. Der singhalesische Nationalist ist Favorit der Bevölkerungsmehrheit und der Rechtsparteien. Gegenkandidat ist sein Amtsvorgänger Ranil Wickremesinghe, der den Friedensprozess mit den Tamilischen Befreiungstigern (LTTE) eingeleitet hat. Die Verhandlungen liegen derzeit zwar auf Eis, auf der kriegsmüden Insel genießt Wickremesinghe, momentan Oppositionsführer, aber breite Unterstützung der Minderheiten, bisher auch die der Tiger.
Die aber rücken nun von ihm ab, denn Wickremesinghe will sie wohl weder bei der immer noch stockenden Verteilung von Tsunami-Geldern mitbestimmen lassen, noch schwebt ihm die Wiederaufnahme der Friedensgespräche vor. Offiziell zeigt sich die LTTE "desinteressiert" am Ausgang der Wahl, ihr nahestehende Gruppen rufen jedoch zum Boykott auf. Einige LTTE-Splitter haben auch schon wieder zu den Waffen gegriffen, was die mehr als 100 internationalen Wahlbeobachter stark beunruhigt. Die Einschüchterungstaktik gegen tamilische Wickremesinghe-Wähler könne erneut die Gewaltspirale in Gang setzen. "Der Norden und Osten", sagt der Chef der EU-Wahlbeobachter, John Cushnahan, "machen uns große Sorgen."

DER SPIEGEL 46/2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 46/2005
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

SRI LANKA:
Tamilen-Tiger schüchtern Wähler ein