13.09.1971

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

Montag, 13. 9.
20.15 Uhr. ARD. Report München (Farbe)
Moderator: Klaus Stephan. Das Magazin befaßt sich mit dem Streit, der unter den Ärzten über Prophylaxe und Behandlung von Herzinfarkten entstanden ist. Außerdem wird über die Memoiren des ehemaligen Geheimdienstchefs Gehlen berichtet und die Frage untersucht, ob die Bundeswehr nach dem Modell des britischen Berufsheeres umorganisiert werden könnte.
20.15 Uhr. WDR III. Rote Fahnen sieht man besser
Durch die Stillegung der Krefelder Phrix-Werke haben seit dem August letzten Jahres mehr als 2000 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren. Die Dokumentarfilmer Theo Gallehr und Rolf Schübel schildern die Folgen der Fabrikschließung und "den Prozeß der Bewußtseinsveränderung bei den Betroffenen". Die beiden Autoren verstehen ihren Film, der Mitte Dezember auch im Ersten Programm gezeigt werden soll, als "Lehr- und Lernstoff über die Hauptwidersprüche in unserer Gesellschaft, vor allem dem zwischen Lohnarbeit und Kapital".
21.00 Uhr. ARD. Baff (Farbe)
Das Jugendmagazin, das zum letztenmal im Abendprogramm ausgestrahlt wird, bringt Beiträge über den Landserroman-Boom und über die DGB-Jugendzeitschrift "Ran", die von Gewerkschaftsfunktionären immer heftiger kritisiert wird.
21.00 Uhr. ZDF. Der Scherz
Als "die wohl bitterste aller nur möglichen Schwejkiaden" werteten Kritiker diesen tschechoslowakischen Spielfilm, den Jaromil Jires 1968 kurz nach der CSSR-Besetzung fertiggestellt und in den Westen gebracht hat. Die melancholische Abrechnung mit dem Stalinismus der vierziger Jahre basiert auf dem Roman von Milan Kundera.
21.45 Uhr. ARD. Die Fernseh-Diskussion (Farbe)
Über die im Haushaltsplan 1972 vorgesehenen Steuererhöhungen debattieren Wirtschafts- und Finanzminister Schiller und die Journalisten Richard Becker, Heinz Michaels und Peter Sweerts-Sporck unter Leitung von Friedrich Nowottny. Für Dienstagabend ist außerdem eine Diskussion über die Schwierigkeiten bei den innerdeutschen Berlin-Verhandlungen eingeplant, an der unter anderen Kanzleramtsminister Ehmke und Olaf von Wrangel, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Bundestagsfraktion, teilnehmen.
22.35 Uhr. ARD. Das soziale Verhalten der Bewohner eines westdeutschen Dorfes in den Jahren 1961-65
Der Fernsehfilm (Spieldauer: 85 Minuten), den sieben Absolventen der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film produziert haben, beschreibt die Vorurteile und Schikanen einer Dorfgemeinde gegen Ortsfremde und soziale Außenseiter. Die Autoren zeigen, wie Einheimische eine zugezogene Familie durch subtilen Terror zugrunde richten.
22.40 Uhr. ZDF. Der internationale Kurzfilm
Der neue Film des Amerikaners Standish D. Lawder ("Der Korridor") ist bei den diesjährigen Kurzfilmtagen in Oberhausen von keiner Jury prämiiert und deshalb von der Festspielleitung zum "verkannten Film des Festivals" ernannt worden. Anschließend wird "Erdenlied" gezeigt, ein Experimentalfilm des Kanadiers Bob Cowan über neoromantische Tendenzen in der amerikanischen Jugend.
Dienstag, 14. 9.
20.15 Uhr. ZDF. Wir und die Sonntagsarbeit (Farbe)
Jeder vierte Beamte, jeder zehnte Arbeiter und jeder zwölfte Angestellte in der Bundesrepublik arbeitet regelmäßig sonntags. Das Feature des ZDF-Redakteurs Lothar Seehaus zeigt -- unter anderem an Beispielen aus der Stahlindustrie und aus Druckereibetrieben -, mit welchen gesundheitlichen Schäden die Lohnzuschläge für Sonntagsarbeit erkauft werden.
21.00 Uhr. ARD. Play Strindberg (Farbe)
"Eine bürgerliche Ehetragödie wurde zur Komödie über bürgerliche Ehetragödien, zum bewußten Anti-Strindberg", sagt Friedrich Dürrenmatt über seine Neufassung von August Strindbergs "Totentanz". Die ARD zeigt eine Aufzeichnung der Baseler Uraufführung von 1969 (Inszenierung: Friedrich Dürrenmatt und Erich Holliger) und am Freitag um 22.30 Uhr als Wiederholung Strindbergs Original-"Totentanz" in der TV-Bearbeitung von Hans Reinhard Müller.
21.50 Uhr. ZDF. Aspekte (Farbe)
Moderator: Reinhart Hoffmeister. Mit einer 12 Stunden langen "Klanginvasion" in der Bonner Innenstadt wollte der tschechoslowakische Komponist Ladislav Kupkovic die Bevölkerung mit "allen Elementen des heutigen Musikmachens" konfrontieren. Über diese Aktion berichtet der erste "Aspekte"-Beitrag. Zum neuen Peter-Weiss-Stück "Hölderlin" (siehe Seite 164), das in dieser Saison von 16 deutschsprachigen Bühnen gespielt wird, sollen die Regisseure Peter Palitzsch (Stuttgart), Claus Peymann (Hamburg) und Horst Siede (Basel) befragt werden. Abschließend wird in einem Filmbericht und einem Gespräch mit dem WDR-Intendanten Klaus von Bismarck untersucht, ob die neuen Formen des Hörspiels "publikumsgerecht" und "zukunftsträchtig" sind.
Mittwoch, 15. 9.
17.10 Uhr. ARD. Kinder unerwünscht (Farbe)
In der Bundesrepublik wurden 1970 etwa 810 000 Kinder geboren -- 93 000 weniger als im Vorjahr, fast 160 000 weniger als 1968. Über Gründe und Folgen des Geburtenrückgangs befragt Sonja Fröhling unter anderen den Frankfurter Psychoanalytiker Tobias Brocher, die Hamburger Journalistin Leona Siebenschön, Gesundheitsminister Käte Strobel und den amerikanischen Futurologen Alvin Toffler.
20.15 Uhr. ARD. Familien in der DDR (Farbe)
Der Journalist Wolfgang Plat hat zehn Wochen in Halle-Neustadt recherchiert und gefilmt, jener "sozialistischen Planstadt", die 1964 für die Belegschaft der Chemiewerke Buna und Leuna gebaut wurde und heute von etwa 10 000 Familien (Durchschnittsalter: 25 Jahre) bewohnt wird. In seinem Bericht wird das städtebauliche Konzept der Siedlung erläutert, über den Alltag der dort ansässigen Familien unterrichtet und das neue DDR-Familienrecht untersucht, das "auch für die Bundesrepublik von großem Interesse ist" (Plat). Nach Bewilligung des Drehbuchs durch das Presseamt des DDR-Ministerrats konnte das westdeutsche Team ohne Aufsicht drehen und das Filmmaterial unentwickelt in die Bundesrepublik ausführen.
20.15 Uhr. ZDF Magazin (Farbe)
Moderator: Gerhard Löwenthal.
20.15 Uhr. WDR III. Über die Widersprüche
Unter dem Stichwort "Arbeiter und Angestellte in Selbstdarstellungen" informiert WDR III über die Versuche westdeutscher Werktätiger, sich in Literatur, bildender Kunst und im Fernsehen zu artikulieren. Unter anderem werden Filme gezeigt, in denen Arbeiter der Ford-Werke und der Kabelfabrik Felten & Guilleaume dargestellt haben, warum sich Arbeiter und Angestellte bei tariflichen Auseinandersetzungen und bei Lohnstreiks so selten solidarisieren.
Donnerstag, 16. 9.
20.15 Uhr. ARD. Zwei ritten zusammen (Farbe)
Amerikanischer Western (1960) über eine Gefangenenbefreiung auf Indianerterritorium von John Ford mit James Stewart und Richard Widmark.
22.00 Uhr. ARD. Kontraste (Farbe)
Moderator: Peter Pechel. Die Magazinsendung berichtet über Jugoslawiens neues Konzept der "totalen Verteidigung": Jeder Bürger, der "mit der Waffe in der Hand oder auf andere Weise am Widerstand gegen Angreifer teilnimmt", wird dadurch automatisch Mitglied der jugoslawischen Streitkräfte. Ferner wird über Fidel Castros bevorstehenden Chile-Besuch informiert und der TV-Bericht eines bulgarischen Journalisten zum 25. Gründungstag der Volksrepublik Bulgarien gesendet.
22.00 Uhr. ZDF. Bilanz (Farbe)
Moderator: Wolfgang Schröder. Das Wirtschaftsmagazin beschäftigt sich mit den Auseinandersetzungen um den VW-Chef Kurt Lotz und mit der internationalen Währungskonferenz in London, zu der diese Woche Vertreter der zehn größten westlichen Industrieländer zusammenkommen. Zur Währungskrise wird auch Wirtschafts- und Finanzminister Schiller Stellung nehmen.
Freitag, 17. 9.
20.15 Uhr. WDR III. Marx zur Ansicht
Am Beginn dieser 13teiligen Reihe über "Karl Marx und sein Werk" stehen Betrachtungen des Politologen Wolfgang Abendroth und des Soziologen Oskar Negt über "die theoretische und praktische Beschäftigung mit dem Marxismus in der Bundesrepublik seit 1945".
23.10 Uhr. ZDF. Das Teufelsauge
Ingmar Bergmans Filmkomödie von 1960, die in deutschen Kinos unter dem Titel "Die Jungfrauenbrücke" lief, gehört zu den Nebenwerken des schwedischen Regisseurs. Das ZDF zeigt den Film zur Abrundung seiner Bergman-Werkschau.
Samstag, 18. 9.
17.30 Uhr. WDR III. Pauline lebt gefährlich
Erste Folge einer amerikanischen Action-Serie von 1933. Weitere Teile werden an den nächsten sechs Samstagen jeweils um 17.30 Uhr gesendet.
21.00 Uhr. WDR III. Eine Prämie für Irene
Mit Spiel-Szenen aus dem Fabrik- und Privatleben einer Arbeiterin will die Berliner Filmemacherin Heike Sander Diskussionen über die Emanzipation der Frau anregen.
23.20 Uhr. ZDF. Tote schlafen fest
Der Howard-Hawks-Film (1946) mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall, den das ZDF als Wiederholung sendet, gehört zu den berühmten Kriminalfilmen der Kinogeschichte.
Sonntag, 19. 9.
18.30 Uhr. NDR, RB, SFB III. Drogen und Gifte (Farbe)
In der ersten Folge dieser dreiteiligen Sendereihe, die "werturteilsfreie Informationen" über Herkunft und Wirkung der bekanntesten Drogen geben will, sprechen Wissenschaftler und Süchtige über psychologische Voraussetzungen und Mechanismen der Sucht.
20.15 Uhr. NDR, RB, SFB III. Überlebensgroß Herr Krott (Farbe)
Martin Walsers drittes Bühnenstück, das seit seiner Stuttgarter Uraufführung von 1963 nur selten gespielt worden ist, wird in einer Aufzeichnung aus den städtischen Bühnen Lübeck gezeigt. Inszenierung: Karl Vibach.
21.40 Uhr. ARD. Zu Protokoll
Wenige Wochen vor dem Bundesparteitag der CDU in Saarbrücken befragt -- in zwei getrennten Interviews -- Günter Gaus die beiden Kandidaten für den Parteivorsitz, Rainer Barzel und Helmut Kohl.
22.20 Uhr. ZDF. Gefragt: Nur Geschäfte
In seinem Report über innerdeutsche Kontakte dokumentiert Thomas Kettner die wirtschaftliche Präsenz der DDR in der Bundesrepublik anhand der Statistik: Im letzten Jahr haben 6800 westdeutsche Firmen Verträge mit DDR-Handelsgesellschaften abgeschlossen; für etwa 292 Millionen Mark wurden in derselben Zeit Investitionsgüter in die Bundesrepublik verkauft, und rund ein Fünftel aller Textilien, die auf dem westdeutschen Markt angeboten werden, stammt aus der DDR.

DER SPIEGEL 38/1971
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 38/1971
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

DIESE WOCHE IM FERNSEHEN

  • Der Chart-Stürmer: Rechter Rapper "Chris Ares"
  • Trump über Grönland-Absage: "So redet man nicht mit den USA"
  • Grönlander über Trumps Kaufangebot: "Sie können es nicht kaufen, sorry"
  • Johnson bei Merkel: "Wir schaffen das" und andere "Kleinigkeiten"