22.02.1961

NEU IN DEUTSCHLANDErnst Glaeser: „Glanz und Elend der Deutschen“.

Der Wohlstand gleißt, das Seelenleben ist hohl, und die Sinnenlust schäumt. Die Männer grinsen wie Faune, und die Frauen beißen die Männer in die Nase. Danach "ergötzen" sie sich aneinander. Derart zügellos geht es in dem Roman-Spätling des einst renommierten "Jahrgang 1902"-Autors zu. Glaeser, Jahrgang 1902, malt ebenso schwungvoll wie kunstlos und unter Verwendung fast aller einschlägigen Schablonen ein Fresko des Wirtschaftswunder -Deutschlands aus der Sicht eines Möchte gern-Savonarolas.
Unzüchtige Feten, scheinheilige Kulturkongresse und politische Intrigen beherrschen das schwelgerisch kolorierte Bild. Alte Nazis und neue Opportunisten schmieden ein schnödes Komplott, um einen Edelmenschen zu verleumden, der
- 1933 emigriert, 1939 remigriert - auffallende Ähnlichkeit mit dem Autor besitzt. Der E- und Remigrant, feinsinnige Architekt und Auch-Autor Ferdinand von Simmern, der die Stadt Dreimünster neu gestalten soll, wird von seinen korrupten Widersachern mit einem Liebestrank gedopt. Ferdinands "braunbrüstige" Frau Barbara aber erschießt den großindustriellen Oberschurken Imhof, "als er wieder gierig nach ihr griff". Glaesers Edelschmöker gipfelt in Sentenzen wie: "Sie (die Deutschen) sind niemals mit sich fertig geworden. Aber das macht sie auch so erregend." (Verlag Kurt Desch, München; 432 Seiten; 16,80 Mark)
Glaeser

DER SPIEGEL 9/1961
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